Sendedatum: 24.02.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: Karl Lagerfeld, der Unverwechselbare

von Carolin Rabe

Schwarze Sonnenbrille, weißer Zopf und steifer Kragen: Karl Lagerfeld war unverwechselbar. Der legendäre Modedesigner ist diese Woche in Paris gestorben - im Alter von 85 Jahren. Vermutlich war er 85, sein Geburtsdatum war im Grunde ein Geheimnis. 1933 oder 1938 - das stand nicht wirklich fest. Geboren wurde Karl Lagerfeld in Hamburg. Und was viele gar nicht wissen: Er hat auch einige Zeit in Schleswig-Holstein gelebt. Bevor er nach Paris ging und zu einem der einflussreichsten und schillerndsten Modeschöpfer der Welt wurde.

Von Hamburg in die Pariser Modewelt

Eine Karriere, die ihresgleichen sucht

Er galt als Stilikone, Gesamtkunstwerk, Perfektionist. Eine Ausnahmekarriere hat Karl Lagerfeld gemacht: bei Modehäusern wie Chloé, Fendi, bei Chanel als Kreativdirektor - auf Lebenszeit. "Ich habe nun mal die Gabe, was soll ich tun?" - hat er stets über sich selbst gesagt.

Kindheit und Jugend in Schleswig-Holstein

Geboren wurde Karl Lagerfeld als Sohn eines wohlhabenden Unternehmers. Sein Vater hatte in Neustadt in Holstein eine Kondensmilchfabrik aufgebaut. Das bescherte Karl den Spitznamen "Karlchen Glücksklee". Mehr als zehn Jahre seiner Kindheit verbrachte Karl, eigentlich Karl-Otto, auf Gut Bissenmoor bei Bad Bramstedt. Auf Bäume klettern, im Kuhstall spielen, das war für ihn nichts. Lieber verbrachte er die Zeit auf dem Dachboden oder der Veranda der Villa, durchforstete Illustrierte, schnitt Modefotos aus, beschäftigte sich mit Zeichnen und Lesen. Bereits sein zweites Buch, das er in die Hände nahm, sollen die "Nibelungen" gewesen sein. Er besaß 60 Karl-May-Bände, die er regelmäßig an seine Mitschüler auslieh. Und überhaupt spielte er lieber Theater in der Schule, brachte Mädchen das Fahrradfahren bei oder warf sich Stoffe über. In der Schule war er im Musikunterricht nicht besonders begabt, er traf keinen Ton. Aber sein Kunstlehrer entdeckte sein Talent, zeichnen zu können. Er war bereits in der Schulzeit anders als andere: Das Klassenfoto beweist, dass er damals schon modebewusst und außergewöhnlich gekleidet war. Zu einem Abschlussball erschien er in orangefarbenem Samtjackett. Einen Abschluss machte er in Bad Bramstedt auf der Jürgen-Fuhlendorf-Schule nicht.

Umzug nach Paris und der Start einer Karriere

Mitte der 1950er-Jahre zog er mit seiner Mutter nach Paris, gewann einen Designwettbewerb: Mit einem selbst entworfenen Wollmantel, den er noch in Bad Bramstedt anfertigte. Der Start seiner Karriere als Modeschöpfer, der die Haute Couture prägte. Er wurde berühmt für seine Kreationen, entdeckte Models wie Claudia Schiffer, war selbst eine schillernde Figur, die im Privaten Bücher, Zeichnen liebte, und seine Katze Choupette vergötterte. Das Leben in Paris hinterließ Spuren, doch dann ernährte er sich von Reis und Joghurt und nahm 40 Kilogramm ab. Äußerlich ein anderer, blieb er doch immer Karl Lagerfeld: Wortgewandt, schlagfertig, einen Hauch blasiert und schnell gelangweilt, immer ehrgeizig und immer mit Visionen im Kopf. Karl Lagerfeld hinterlässt ein Modeimperium - und Aussagen wie: "Wer in der Öffentlichkeit Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren."

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 24.02.2019 | 19:30 Uhr

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