Ein altes schwarzweiß Foto von Heinrich Mann. © NDR

Zeitreise: Heinrich Mann, der vergessene Mann

Stand: 28.03.2021 16:00 Uhr

Vor 150 Jahren wurde Heinrich Mann geboren. Er blieb stets im Schatten seines kleinen Bruders Thomas. Seine Werke beschäftigen sich mit gesellschaftlichen und politischen Themen.

von Sofia Tchernomordik

Aus einer der reichsten Familien der Stadt stammend, verbrachte er seine Kindheit in einem Anwesen, in den Bordellen Lübecks seine Jugend und sein Alter im Exil. Die Rede ist von Heinrich Mann. Die Stadt Lübeck feiert in diesen Tagen seinen 150. Geburtstag. Doch ganz im Gegenteil zu seinem Bruder Thomas gibt es von ihm nur wenige Aufnahmen. Tondokumente gibt es gar nicht. Seine Stimme ist für immer verstummt. Heinrich wurde als älterer Bruder von Thomas Mann über Jahrzehnte vergessen und gar verpönt. Wer war dieser Mann? Und warum verschwand er ganz von der Oberfläche?

Heinrich Mann in Lübeck

Ein altes schwarzweiß Foto von Heinrich Mann und Thomas Mann. © NDR
Heinrich Mann (links im Bild) ist der ältere Bruder von Thomas Mann.

Heinrich Mann wird 1871 in Lübeck als Sohn einer vermögenden Kaufmannsfamilie geboren. Er hat allerdings keine Ambitionen, das Geschäft seiner Eltern zu übernehmen. Er ist schlecht in der Schule und beginnt danach eine Lehre im Buchhandel. Er will Schriftsteller werden.

Caren Heuer und Britta Dittmann sind beide Literaturwissenschaftlerinnen im Lübecker Buddenbrookhaus. Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Familie Mann. Caren Heuer ist sich sicher: "Heinrich Mann war vor allem ein politischer Schriftsteller, einer der berühmtesten seiner Zeit, das heißt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts."

Der politische Mann

Heinrich Mann will sich nicht an gesellschaftliche Konventionen halten. Was er schreibt, das beschäftigt sich mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Themen. Es entstehen kritische Werke wie "Professor Unrat", die in seiner Heimatstadt verpönt waren, denn Lübecker mussten als Vorlage für seine Romanfiguren herhalten. Zahlreiche Übersetzungen und die Verfilmung "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich machen ihn weltberühmt.

Ein altes schwarzweiß Foto von Heinrich Mann. © NDR
Heinrich Mann schrieb über tiefgreifenden gesellschaftliche und politische Themen.

Er ist politisch: Heinrich Mann ist ganz anders als sein Bruder Thomas. Als einer der wenigen Intellektuellen hält er 1914 nichts von dem Trubel um den Krieg. Dazu schreibt er seinen erfolgreichsten Roman: "Der Untertan". Eine böse Satire über einen unterwürfigen Deutschen, der seinem Kaiser bis in den Tod folgt. Auch gegen die Nazis bezieht er schon früh Stellung. "Heinrich Mann hat schon sehr früh erkannt, dass die Nationalsozialisten nichts Gutes im Schilde führen und wenn sie an der Macht sind, dass es in einem Blutbad enden wird. Er hat sich hier schon sehr früh dagegengestellt, weil er halt eben doch politisch die Situation beobachtet hat", sagt Britta Dittmann. Die Nazis verbrennen seine Bücher, er geht mit seiner Frau Nelly ins Exil. Zuerst nach Frankreich und dann in die USA. Zweimal muss er all seinen Besitz zurücklassen. Deswegen gibt es auch kaum einen Nachlass.

Das Ende des Schriftstellers

Aus seiner Verachtung gegenüber dem Nationalsozialismus entsteht nach und nach eine Zuneigung zum Kommunismus: Er sieht ihn als den Gegenpol. Der ehemals wache politische Beobachter verkennt dabei schlicht aber auch die Gefahren dieses politischen Systems und huldigt Josef Stalin. In den USA werden seine Werke auch aus diesem Grund selten übersetzt. Als Schriftsteller ist Heinrich Mann am Ende. Er will zurück nach Deutschland, doch er findet keine Anstellung. Er stirbt, bevor er seine geliebte Heimat wieder betreten kann.

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Thomas Mann sitzt an einem Schreibtisch in einem Brüsseler Hotel. © picture-alliance / KPA/TopFoto Foto: KPA

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Schleswig-Holstein Magazin | 28.03.2021 | 19:30 Uhr