Sendedatum: 12.08.2018 19:30 Uhr

Zeitreise: Frühere Dürreperioden in SH

von Karl Dahmen

Was ein guter Sommer ist, können Urlauber sofort sagen: Sonne und kein Regen - dann ist es für sie "ideales Wetter". Was ein schlechter Sommer ist, können Bauern sofort sagen: Sonne und kein Regen - dann ist es für sie "schiet Wetter".

Trockener Ackerboden mehrfach aufgerissen. © NDR

Zeitreise: Frühere Dürreperioden in SH

Schleswig-Holstein Magazin -

"Heißester Sommer, heißester Tag, schlimmste Trockenheit für die Landwirte seit 100 Jahren" - diese Superlative charakterisieren diesen Sommer sehr treffend. Doch solche Sommer gab es auch früher.

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Verzweiflung und Angst der Landwirte

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Trockene Sommer gab es in Deutschland immer mal wieder. Was für die Touristen dann ein guter Sommer ist, bedeutet für Landwirte Einbußen.

Von dem "Schietwetter" hat Peter-Heinrich Hansen genug erlebt. Der Milchbauer aus Kleinwiehe (Kreis Schleswig-Flensburg) hatte vor allem im Jahr 1992 die Nase gestrichen voll von der Sonne. Die Nordschau textete damals: "Trockener Ackerboden pulverisiert zu Staub. Wiesen werden zur Steppe. Schleswig-Holstein erlebt die größte Dürre seit 100 Jahren." Er selbst war damals erst 28 Jahre alt. Und er verzweifelte, weil er einsehen musste - egal, ob er 12 oder 14 Stunden arbeitete - den fehlenden Regen konnte er nicht ersetzen. Damals hatte er Angst, dass er seine Kühe nicht durch den Winter bekommt. Und er schimpfte über die 35.000 DM, die er allein an Kraftfutter zahlen musste. Die Bauern haben sogar 1992 eine eigene Strohbörse gegründet, um in Not geratenen Landwirten mit Viehfutter zu helfen.

Alternativen schaffen zur Landwirtschaft

Peter-Heinrich Hansen war klar, allein mit der Landwirtschaft würden sich viele Bauern ihren Lebensunterhalt nicht sichern können. Sie brauchten ein zweites Standbein. Das haben viele Landwirte heute: Windkraft- oder Biogasanlagen. Damit können sie Ernteausfälle kompensieren.

Muskelkraft statt Technik

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Früher war die Hitze für Landwirte auch körperlich anstengender, denn die Feldarbeit musste von Hand erledigt werden.

Der über 80 Jahre alte Hermann Hansen aus Wallsbüll (Kreis Schleswig-Flensburg) erkennt einen großen Unterschied bei der Arbeit in der Landwirtschaft zu heute. Noch in den 1950er und 1960er war vor allem Muskelkraft auf den Feldern angesagt. Und wenn dann die Sonne schien, hat sich keiner in den Schatten gesetzt und sich ausgeruht: "Die Arbeit musste ja gemacht werden", meint er. Aber die Bäuerin hatte immer einen großen Wasserkrug in einem Graben deponiert, daran erinnert er sich. Inzwischen hat sein Sohn den Hof übernommen. Wenn er mit dem Mähdrescher fährt, sagt dieser, sei das ein bisschen wie Urlaub. Die Sonne scheint und er sitze hoch oben im klimatisierten Führerhaus und könne in Ruhe und ohne zu schwitzen seine Arbeit machen.

Zukunft veränderte die Landwirtschaft

Im Sommer 1959 gab es eine um dreißig Prozent geringere Ernte - mit ähnlichen Zahlen rechnen Landwirte 2018 beim Getreide. Aber die Landwirte wissen auch: Eine geringere Ernte bedeutet zugleich höhere Preise. Die Kurse an den Getreidemärkten in Paris und Chicago steigen. Auch das ist ein Unterschied zu früher. Damals gab es nur die Zeitung, heute können die Landwirte im Internet die aktuellen Preise recherchieren und ihr Unternehmen danach ausrichten.

Im vergangenen Jahr war der Sommer zu nass, erinnert sich Peter-Heinrich Hansen. In diesem Jahr ist er zu trocken. Eine Mischung aus beiden, meint er, das wäre ideal.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.08.2018 | 19:30 Uhr