Sendedatum: 05.05.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: Flucht in den Westen per Flüchtlingszug

von Karl Dahmen

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Heiko Meusch entdeckte per Zufall die Geschichte von Eisenbahnern auf der Flucht von Brandenburg in den Westen.

Es gibt Geschichten, die scheinen nur darauf gewartet zu haben, dass sie jemand entdeckt und erzählt. Der Eisenbahn-Enthusiast Heiko Meusch wollte eigentlich einen Bericht über die Südstormarnsche Kreisbahn schreiben. Bei der Recherche fielen ihm Berichte in die Hände, die ihm beim Lesen Gänsehaut bekommen ließen, wie er erzählt.

Beginn einer abenteuerlichen Flucht

Es ist die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht von Eisenbahnern der Kleinbahn Zehden-Bad Freienwalde im östlichen Brandenburg, die am Ende des Zweiten Weltkriegs mit ihren Familien Richtung Westen flohen. Anfang 1945: Die Rote Armee drängte die deutsche Wehrmacht immer weiter zurück - die Menschen flohen aus ihrer Heimat Richtung Westen. Auf den Straßen waren zahlreiche Flüchtlingstrecks zu sehen. Gleichzeitig strömten die Menschen zu den Häfen Ostpreußens. Pausenlos waren die Schiffe unterwegs zwischen Ostpreußen und Schleswig-Holstein.

Ein Foto zeigt die Kleinbahn zwischen Zehden und Bad Freienwalde zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Mit dem Flüchtlingszug in den rettenden Westen

Schleswig-Holstein Magazin -

Im März 1945 beschließen die Eisenbahner der Kleinbahn zwischen Zehden und Bad Freienwalde, ihre Familien mit den eigenen Lokomotiven vor der Roten Armee in Sicherheit zu bringen.

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Per Zickzack-Kurs in den Westen

Millionen Menschen waren unterwegs auf den Straßen, auf dem Wasser und auf den Schienen mit der Eisenbahn. Als die Lokführer, Schaffner und Bahnhofsmitarbeiter der Kleinbahn Zehden-Bad Freienwalde schon den Geschützlärm hörten, nahmen sie ihre Lokomotive, hängten zwei Personenwagen daran und einen Güterwagen, für Gepäck und Verpflegung, sogar eine Kuh wurde mitgenommen - und natürlich die Frauen und Kinder der Eisenbahner. Ständig waren sie im Kontakt mit den Stellwerken. Noch funktionierte das Streckennetz, aber sie mussten anderen Personenzügen und den vielen Lazarettzügen ausweichen - einmal versperrte ihnen sogar ein Flakzug den Weg. Deshalb fuhren sie eher im Zickzack, denn geradeaus Richtung Westen.

Eine Flucht in ständiger Angst vor Angriffen

Zu essen hatten sie noch, sie schlachteten sogar die Kuh und bereiteten das Fleisch während der Fahrt auf der Plattform zu. Aber sie lebten in ständiger Furcht, denn sie hatten gehört, dass immer wieder Tiefflieger Züge angriffen. Während sie im Bahnhof von Pullitz warteten, wurden sie auch tatsächlich von einem Flieger entdeckt und beschossen. Die Menschen krabbelten rasch unter die Waggons und hatten Glück, dass niemand verletzt wurde.

Zielort Trittau und das Leben im Zug

Von Zehden bis nach Trittau: Das war die Route der Flüchtlinge von Brandenburg nach Schleswig-Holstein.

Schließlich erreichten die Flüchtlinge Ludwigslust. Ein amerikanischer Offizier aber teilte ihnen mit, dass die Stadt den Russen übergeben wurde. Das wollten die Eisenbahner aus Bad Freienwalde nicht erleben und traten wieder die Flucht an, weiter in Richtung Westen. Über Ratzeburg und Bad Oldesloe erreichten sie schließlich am 8. Juni 1945 die schleswig-holsteinische Gemeinde Trittau. Hier konnten sie schließlich bleiben. Jahrelang wohnten sie in den mitgebrachten Personenzügen - und die Eisenbahner wurden von der Südstormarnschen Kreisbahn angestellt.

Ausstellung: Erinnerung an eine vergangene Zeit

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Heiko Meusch erinnert mit einer Ausstellung in Aumühle an die Flucht der Eisenbahner.

Unsere Zeitreise erinnert an die abenteuerliche Flucht der Eisenbahner und ihrer Familien von Brandenburg nach Schleswig-Holstein. Der Entdecker dieser Geschichte, Heiko Meusch, eröffnete eine Ausstellung im Eisenbahnmuseum Aumühle, die Interessierten diese Geschichte näher bringt.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 05.05.2019 | 19:30 Uhr