Sendedatum: 22.09.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: Der Hauke-Haien-Koog

von Karl Dahmen

Winde, Stürme, Orkane peitschen das Wasser gegen die Westküste Schleswig-Holsteins und seit Jahrhunderten verteidigen die Menschen mit Deichen ihr Land. Und sie trotzen der Nordsee neues Land ab, bauten ihre Köge. Niemand symbolisiert das so gut wie Theodor Storms Figur Hauke Haien aus der Novelle "Der Schimmelreiter".

Eine alte schwarz-weiß Aufnahme zeigt Bauarbeiten an dem Deich auf Hauke-Haien-Koog © NDR

Zeitreise: Hauke-Haien-Koog

Schleswig-Holstein Magazin -

Früher dienten als Küstenschutz oft zwei Deiche und ein Koog dazwischen. Der letzte Koog in Schleswig-Holstein, in dem sich Menschen ansiedelten, ist der Hauke-Haien-Koog bei Dagebüll.

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Heute ist der 62-jährige Sax Feddersen der Deichvogt in dem Koog, der den Namen von Storms Held trägt: Hauke-Haien-Koog. Bauernhöfe ziehen sich in ihm an einer Straße entlang, Felder werden bestellt, Schafe grasen auf den Deichen. Die Höfe waren allerdings beim Bau des Kooges eigentlich zweitrangig. Er sollte vor allem verhindern, dass die Marsch bei schwerem Regen und Orkan überflutet wird. Bei Westwind konnte das Wasser der Flüsse und Bäche nicht durch die Schleusentore des Deiches bei Bongsiel ins Meer fließen. Die Folge: Land bis hoch nach Flensburg ging unter. Zwei große Speicherbecken im neuen Koog sollten das künftig verhindern.

Durch Schlick und Schlamm zum Ackerland

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Für die Landgewinnung mussten die Bauern schwere Arbeit leisten.

Ende der 1950er Jahre begannen die Arbeiten am Hauke-Haien-Koog. Auf Deichvorland und Meeresboden entstanden Schleusenkammern und Speicherbecken. Als "Zugabe" gab es 21 Bauernhöfe, denn neben den Speicherbecken entstanden auch 500 Hektar Ackerland. Doch wer sollte sie bekommen? Der Andrang von Bewerbern war groß. Schließlich wurden alle 21 Höfe vergeben, auch an sieben Flüchtlinge aus Pommern. Manche von ihnen brachten sogar die Pferde mit, die die Familien bei der Flucht 1945 nach Schleswig-Holstein gebracht hatten.

Als erstes mussten die Männer bei der Landgewinnung helfen. Den ganzen Tag standen sie im Schlick und schufteten für das neue Land. Noch heute erinnern sie sich an die schwere Arbeit. Der 89 Jahre alte Ernst Thomsen erzählt, dass die Disteln mannshoch gewachsen waren, das sei hier alles wüstes Land gewesen, sagt er, eine einzige Ödnis. 1961 konnte Thomsen als erster im Koog das Land pflügen. Als im Februar 1962 die gesamte Nordseeküste, an der Unterelbe und in Hamburg vor einer schweren Sturmflut bedroht wurde und im benachbarten Fahretoft der Deich brach, blieben sie im Hauke-Haien-Koog gelassen. Die Bauern vertrauten ihrem neuen Deich. Und: Er bewahrte sie vor der Nordsee.

Ein europäisches Vogelschutzgebiet

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Auf dem Hauke-Haien-Koog fanden zahlreiche Vogelarten ihr Zuhause.

Während die Menschen im Koog ihr Land bestellten, heirateten, Kinder bekamen, stellte sich noch ein weiterer "Nebeneffekt" ein. Die Vögel entdeckten die großen Speicherbecken als Lebensraum. 2006 wurde der Koog europäisches Vogelschutzgebiet.

Vorrangig bleibt der Hauke-Haien-Koog bis heute vor allem Küsten- und Hochwasserschutz im Norden. Deichvogt Sax Feddersen erzählt, weil man durch die Klimaerwärmung mit höheren Wasserständen rechnet, wird der Deich jetzt erhöht. "Dann", so der Deichvogt,"bleibt der Koog wohl auch in den kommenden 60 Jahren sicher."

In unserer Zeitreise berichten wir vom Bau des Hauke-Haien-Koogs, reden mit den ersten Siedlern von damals und begleiten Deichvogt Sax Feddersen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 22.09.2019 | 19:30 Uhr

05:49

Zeitreise: Hauke-Haien-Koog

Früher dienten als Küstenschutz oft zwei Deiche und ein Koog dazwischen. Der letzte Koog in Schleswig-Holstein, in dem sich Menschen ansiedelten, ist der Hauke-Haien-Koog bei Dagebüll. Video (05:49 min)

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