Sendedatum: 11.11.2018 19:30 Uhr

Zeitreise: Der Flugblattkrieg im Kalten Krieg

von Karl Dahmen

Friedlich ist es hier, in der Gegend rund um die Gemeinde Büchen (Kreis Herzogtum Lauenburg). Jetzt im Herbst ist die beste Zeit, um Pilze zu sammeln oder einfach spazieren zu gehen - eine Idylle im südlichen Schleswig-Holstein. Doch es ist erst ein paar Jahrzehnte her, dass hier eine Grenze war, die Deutschland in West und Ost teilte. Die war schwer bewacht mit mehrfachen Stacheldrahtzäunen und Minenfeldern. Menschen, die sie passieren wollten, riskierten ihr Leben. Und es herrschte Krieg: der Flugblattkrieg zwischen Bundesrepublik und DDR.

Zwei Soldaten überwachen die Grenze zwischen der BRD und DDR. © NDR Foto: NDR

Zeitreise: Der Flugblattkrieg

Schleswig-Holstein Magazin -

Vor etwa dreißig Jahren lag nahe der Gemeinde Büchen die bewachte Grenze zur DDR. Hier fand auch der sogenannte Flugblattkrieg zwischen West und Ost statt.

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Raketen mit Propaganda

In der Abenddämmerung kamen Wagen der Volksarmee an die Grenze gefahren und schossen Raketen in den Westen. Über dem Gebiet der Bundesrepublik öffneten sich Kapseln mit Propagandamaterial, das zur Erde rieselte. Auf den Zetteln stand zum Beispiel, dass BRD-Stellen 800.000 Briefe von DDR-Bürgern an ihre westdeutschen Verwandten vernichteten und Bundesbürger wurden in die DDR eingeladen. Dieter Schmidt aus Büchen ging mehr als zwei Jahrzehnte Patrouille an der deutsch-deutschen Grenze. Er erinnert sich gut an die Zeit des Kalten Krieges in den 1960er Jahren, als alles versucht wurde, um den "Klassenfeind" zu beeinflussen. Dieter Schmidt hat aber auch die "Gegenmaßnahmen" zur Propaganda der Nationalen Volksarmee erlebt. Denn in der Bundeswehr gab es eine besondere Abteilung, die auf eine ganz andere Art Hunderte Millionen von Flugblättern über die DDR-Grenze brachten.

Streng verbotenes Propagandamaterial

Nachts fuhren Wagen durch den Wald. An verschiedenen Stellen hielten sie an und Männer einer Spezialeinheit der Bundeswehr präparierten Ballons, um Flugblätter über die Grenze wehen zu lassen. Auf den Flugblättern wurde gezeigt, wie schön der Westen doch ist. Freizeit, Autos, Reisen - alles kein Problem. Statt Panzer wie im Osten, fuhren im Westen schmucke Kleinwagen. Und statt Offiziermütze, trug der Mann im Westen Strohhut und war Fan des HSV. In den grenznahen Gemeinden in der DDR war es strengstens verboten, eines der Flugblätter an sich zu nehmen, es zu lesen. Propagandamaterial aus dem Westen musste abgegeben werden - entweder beim zuständigen Politbüro oder bei den Lehrern der Schulen.

Der Flugblattkrieg zwischen Ost und West

Historische Filmaufnahmen

Nach einem Bericht der NDR-Sendung "Panorama" wurden die Aktionen der Bundeswehr weitgehend eingestellt. Zu groß war die Kritik geworden, dass die Flugblätter aus dem Westen zu primitiv und "blödsinnig" seien. In unserer Zeitreise erzählen wir mit vielen alten Bildern vom Flugblätter-Krieg zwischen Ost und West an der deutsch-deutschen Grenze.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.11.2018 | 19:30 Uhr