Zeitreise: Der Bootsbauer des Gold-Achters

Stand: 25.07.2021 16:00 Uhr

Er galt als legendärer "Macher" der deutschen Ruder-Achter bei den Olympischen Spiele in Rom und Mexiko: Bootsbauer Wilhelm Karlisch entwickelte die legendäre Sportbootwerft in Mölln.

von Karl Dahmen

Er hat nur 1,60 Zentimeter gemessen, aber als Bootsbauer war er einer der "Größten": Wilhelm Karlisch, der legendäre "Macher" der deutschen Gold-Achter in Rom (im Jahr 1960) und Mexiko (im Jahr 1968). Diese Triumphe der Ruderer machten die Deutschen zu einer Ruder-Nation. Und wenn auch der "Ruder-Professor" Karl Adam der Kopf dieser Entwicklung war, so war Wilhelm Karlisch der Mann, der die Ideen von Adam "zum Laufen brachte" und in die Tat umsetzte. Ohne die beiden Männer, Karl Adam und Wilhelm Karlisch, wäre Ratzeburg nie das weltberühmte Aushängeschild Deutschlands im internationalen Rudersport geworden.

Flucht in den Westen

Dabei war Wilhelm Karlisch erst auf Umwegen nach Schleswig-Holstein gekommen. Bereits in Königsberg hatte der aus dem Memelland stammende Bootsbauer eine eigene Werft gehabt. Am Ende des Krieges flüchtete er gemeinsam mit seiner Frau auf einem Hausboot Richtung Westen und landete schließlich in Mölln. Auf dem 21 Meter langen Boot blieb er auch selbst als berühmter Werftbesitzer wohnen - vielleicht, weil es ein Stück seiner alten ostpreußischen Heimat war.

Mit einigen anderen Königsbergern gründete er in der "Waldstadt" in Mölln die Norddeutsche Sportbootwerft, mit der er sich bald einen großartigen Ruf erarbeitete. Karl Adam wurde auf ihn aufmerksam und fragte an, ob Karlisch die Boote für die deutsche Nationalmannschaft bauen wolle. Eine einzigartige Kooperation zwischen zwei genialen Typen begann.

Der legendäre Bootsbauer

Lingolf von Linglsheim wurde 1967 Lehrling bei Karlisch. Von Lingelsheim kam selbst aus dem Rudersport und merkte gleich, welch herausragendes Klima in Mölln herrschte. Nicht nur der Chef war ein herausragender Konstrukteur. Von Lingelsheim sagt, es waren Bootsbauer unter den Angestellten, die mussten nur ein Stück Holz anfassen, um zu sehen, ob es etwas taugte. Es waren echte Könner, meint er noch heute. Wilhelm Karlisch setzte auf Qualität im Bootsbau - nicht nur bei Ruder-, sondern auch bei Segelbooten. Könige und Prinzen segelten mit seinen Flying Dutchman und Finn Dinghis. Bei den Olympischen Spielen 1964 segelte die gesamte norwegische Mannschaft mit seinen Booten und bei den Spielen 1960 kamen allein acht Flying Dutchman aus seiner Werft.

Olympia-Sieger

Die größten Triumphe seiner Boote und damit seiner Handwerkskunst aber waren die Olympischen Spiele 1960 und 1968, als seine Konstruktionen Gold in der Königsdisziplin der Ruderer holten: der Ruder-Achter. Übrigens gewann auch 1972 ein Ruder-Achter aus seiner Werft, das nach seinen Plänen gebaut wurde, Gold. Nur waren Neuseeländer an Bord und die Sieger.

1969 starb Wilhelm Karlisch an einem Schlaganfall. Karl Adam wusste, dass er unersetzbar sein würde. Denn kein anderer hatte verstanden, die Boote so auf Geschwindigkeit auszurichten, wie der kleine Ostpreuße mit dem großen Wissen aus Mölln. 

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Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 25.07.2021 | 19:30 Uhr