Stand: 20.10.2019 22:23 Uhr

Als der Lübecker Willy Brandt Kanzler wurde

von Philip Schroeder

Willy Brandt verliest 1969 im Bonner Bundestag seine Regierungserklärung.

42,7 Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl 1969 und drei Jahre später sogar der Wahlsieg mit 45,8 Prozent: Das klingt aus heutiger Sicht für die SPD fast schon wie ein Traum. Mittlerweile liegt die SPD bei den Umfragewerten nur noch bei 12 bis 15 Prozent. Und nach einer Reihe von Wahlniederlagen sucht die älteste und immer noch größte deutsche Partei nach dem Weg zurück zur Bedeutung - und auch nach einem neuen Vorsitzenden-Duo. Aber vor 50 Jahren sah das mal ganz anders aus. Da begann mit der Wahl eines Mannes zum Bundeskanzler eine Zeit, in der die SPD erfolgreich wurde wie nie zuvor.

Kampf gegen konservativen Zeitgeist

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Fünf Jahre: So lang dauerte die Amtszeit Willy Brandts als Regierungschef. Während dieser Zeit hielt er zahlreiche Reden, wie hier im Jahr 1972.

Rund fünf Jahre: So lang nur dauerte die Amtszeit Willy Brandts als Regierungschef, 1969 bis 1974. Er war der erste SPD-Kanzler nach dem Zweiten Weltkrieg. Allein das war damals, am 21. Oktober 1969, schon bemerkenswert. Und dann auch noch ein Mann so gar nicht nach dem Geschmack des konservativen Zeitgeistes: Unehelich als Herbert Frahm in Lübeck geboren und vor den Nazis erst nach Norwegen, nach dem deutschen Einmarsch dort dann nach Schweden geflohen. "Willy Brandt", das war ein Deckname aus dem Widerstand. Alles das reichte schon, um ihn auf konservativer Seite verhasst zu machen. In den 1960er-Jahren waren Verwaltung, Politik und Justiz noch durchzogen von obrigkeitsstaatlichem Geist und durchsetzt von alten NSDAP-Parteigenossen.

Willy Brandt

Als Willy Brandt Kanzler wurde

Schleswig-Holstein Magazin -

Vor 50 Jahren begann mit der Wahl Willy Brandts zum Bundeskanzler eine Zeit, in der die SPD erfolgreich wurde wie nie zuvor. Der Lübecker war der erste SPD-Kanzler nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Ein Kanzler mit kleiner Mehrheit, aber großen Visionen

Aber die Kanzlerwahl von Willy Brandt verkörperte damals auch einen Aufbruch. Hoffnungsträger für die junge Generation war er, auf ihn setzten die 68er. Innenpolitisch bauten Brandt und die sozialliberale Koalition die Gesellschaft um, machten sie offener. Außenpolitisch ging Brandt auf Entspannungskurs, schloss mit der Sowjetunion, Polen und der DDR die Ostverträge - und geriet dadurch an den Rand des Sturzes.

Rückblick mit politischen Weggefährten

Nur zwei Jahre nach dem überraschend überstandenden Misstrauensvotum endete die kurze Amtszeit des gebürtigen Lübeckers nach der Guillaume-Affäre. Aber dennoch bleibt auch Jahrzehnte danach sein Name eng mit der Politik verbunden - nicht nur durch die Gründung des Willy Brandt-Hauses als SPD-Zentrale in Berlin. In der Zeitreise des Schleswig-Holstein Magazins erinnern wir mit politischen Weggefährten wie dem ehemaligen SPD-Bundesvorsitzenden Björn Engholm an die kurze, aber einflussreiche Kanzlerschaft von Willy Brandt und wie es sich angefühlt hat, sie mitzuerleben.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 20.10.2019 | 19:30 Uhr