Sendedatum: 09.12.2018 19:30 Uhr

Zeitreise: Als Fischer Kriegsmunition fischten

von Karl Dahmen

Wenn er heute daran denkt, dass er auf Minen gesessen und mit Schwarzpulver unter den Füßen geraucht hat, wird Ferdinand Jahn ganz schummrig. Aber damals, Anfang der 50er-Jahre, hat sich der heute 81-Jährige keine Gedanken darüber gemacht. "Das Geld war wichtig", meint er und lächelt dabei. Als Jahn mit 17 Jahren in Eckernförde auf dem alten Kriegskutter "Silbermöwe" anheuert, ist bei der Fischerei nicht viel zu holen, sagt er. Stattdessen nahm der Kutter-Kapitän Kurs auf Munitionsversenkungsgebiete in der Ostsee.

Ein altes schwarz-weiß Bild zeigt alte Kriegsmunition. © NDR

Zeitreise: Fischer fischen Munition

Schleswig-Holstein Magazin -

Anfang der 1950er-Jahre gehen Fischer auf die Jagd nach Kriegs-Munition in der Ostsee. Der Grund dafür war Geld. Die alten Bomben und andere Munition enthalten wertvolle Metalle.

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Statt Fisch ziehen sie Munition aus dem Wasser

Direkt nach dem Krieg bezahlen die Engländer Fischer, damit sie deutsche Kriegsmunition in der Ostsee versenken. Die Fischer wissen also genau, wo sie zu suchen haben, um an Zink, Kupfer oder Aluminium zu kommen. Denn daraus bestehen die Wasserminen, Granaten oder Torpedos. Anfang der 50er-Jahre braucht die Industrie Edelmetalle und zahlt dafür gut.

Gefährliche Arbeit mit Seilwinde und Hammer

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Der Eckernförder Fischer Ferdinand Jahn kann heute kaum glauben, wie unbedarft er und die Mannschaft mit der Munition umgegangen sind.

Auf der "Silbermöwe" gibt es auch einen Taucher, erinnert sich Ferdinand Jahn. Mit seiner Hilfe kommt die Munition an Bord. Das Auseinanderbrechen der Minen und Granaten ist mühsam. Wasserminen zum Beispiel trennen die Fischer mit einem Schrottmeißel der Länge nach auf. Schließlich werden durch zwei Löcher Drähte befestigt und eine Winde zieht die Minenhälften auseinander. Damit keine Funken die Sprengladung in Brand setzen und zur Explosion bringen, steht immer ein Mann daneben und hält einen Wasserschlauch auf die Mine. Dabei rauchen die Fischer allerdings alle - an die Gefahr denkt niemand. So bleiben Unglücke nicht aus, erzählt Jahn. Ein Fischerboot fliegt sogar bei der Bergung eines Torpedokopfes in die Luft. Drei Fischer sterben. Aber nicht nur Granaten und Minen werden geborgen, auch ganze U-Boote werden aus dem Wasser gezogen.

Zahlreiche Tonnen Kampfmittel in Nord- und Ostsee

Experten einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben berechnet, dass noch 1,6 Millionen Tonnen konventionelle und 220.000 Tonnen chemische Kampfmittel in Nord- und Ostsee liegen. Immer noch kann Sprengstoff explodieren oder ist hochgiftig. Die endgültige Beseitigung der Munition in den Meeren wird Milliarden kosten.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.12.2018 | 19:30 Uhr