Sendedatum: 23.09.2018 19:30 Uhr

Hark Olufs: Vom friesischen Sklaven zum Minister

von Janina Harder

Fast jeder Amrum-Besucher kennt die "sprechenden Grabsteine" bei der St.-Clemens-Kirche in dem Ort Nebel. Auf ihnen kann man die Lebensgeschichten vieler Amrumer lesen, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Die Friesen, sonst vielleicht nicht gerade für ihr mitteilsames Wesen bekannt, haben sich auf den Gedenksteinen so richtig ausgelebt. Am bekanntesten ist das Grabmal von dem Seefahrer Hark Olufs. Er ist eine Legende und seine Geschichte erzählen sich die Amrumer noch heute: Sein Vater steht auf einer Düne und hält Ausschau. Sehnt sich mit dem Blick auf den Horizont nach seinem versklavten Sohn in der Fremde. Ob er Hark Olufs je wiedersehen wird?

Ein Grabstein von Olufs Hark auf Aumrum © NDR

Die Geschichte des Amrumer Matrosen Hark Olufs

Schleswig-Holstein Magazin -

Schon mit zwölf Jahren fährt der Amrumer Hark Olufs zur See. Mit 15 wird er von algerischen Kaperern verschleppt und versklavt. Nach zwölf Jahren kehrt er zurück nach Hause.

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Die Geschichte eines berühmten Amrumers

Georg und Jens Quedens sind Brüder und die achtmaligen Urenkel von Hark Olufs. Noch heute wohnen sie auf Amrum. "Auf dem Grabstein und auch in der Literatur wird er natürlich immer als Held dargestellt und hat es auf diese Weise auch zum bekanntesten Amrumer aller Zeiten gebracht", sagt Jens Quedens. Wenn man seine Biografie aufmerksam lese, könne man allerdings durchaus feststellen, dass es auch sehr dunkle Punkte in dem Leben des Seefahrers gegeben hat.

Schon als Kind fährt Olufs zur See

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"Hier liegt der grosse Kriegesheld, ruht sanft auf Amrom Christenfeld, " heißt es auf Hark Olufs Grabstein.

Tatsächlich hat das Schicksal im Jahr 1724 Besonderes für Hark Olufs vorgesehen. Wie die meisten der männlichen Amrumer fährt der Junge schon mit zwölf zur See. Im Alter von 15 Jahren ist der Matrose gerade wieder auf Heimaturlaub, bevor es auf die nächste große Fahrt geht. Mit einem Handelsschiff seines Vaters, der Kapitän und Reeder ist. Was aus heutiger Sicht hart klingt, ist damals der normale Karrierebeginn. Hark soll unter Aufsicht anderer Amrumer zum Seemann ausgebildet werden, um später einmal Kapitän zu werden.

Aus "Hoffnung" wird Elend

Das Schiff "Hoffnung", das unter Hamburger Flagge fährt, segelt vom französischen Nantes nach Hamburg, um dort eine Ladung zu löschen. Die Gewässer hier sind eigentlich sicher. Doch osmanische Piraten haben sich bis zu den britischen Scilly-Inseln vorgewagt und kapern das Schiff. Es wird nach Algier (Algerien) geschleppt, in einen der so genannten Barbareskenstaaten. Hark Olufs wird auf dem Sklavenmarkt angeboten.

Oluf Jensen will seinen Sohn retten

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Die beiden Amrumer Brüder Jens (l.) und Georg Quedens sind Nachfahren des Seefahrers Hark Olufs. Olufs Grabstein erzählt seine legendäre Geschichte.

Das osmanische Reich hatte sich bis in die heutigen maghrebinischen Länder ausgebreitet. Die Osmanen sind Besatzer. Hark Olufs Vater, Oluf Jensen, erfährt kurze Zeit später von der Kaperung seines Schiffes und von der Gefangennahme seines Sohnes. Sein Plan ist es, seinen Sohn freizukaufen. Dafür gibt es die so genannten Sklavenkassen.

Kein Geld für den versklavten Friesen

"Aber wie heute mit den Versicherungen, so war es damals mit der Sklavenkasse auch", erklärt Nachfahre Jens Quedens. Die dänische Sklavenkasse sei nicht für Hamburger Schiffe zuständig gewesen, weil die "Hoffnung“ "unter Hamburger Flagge fuhr. Die Hamburger Sklavenkasse hingegen sieht sich für dänische Seeleute nicht zuständig. Amrum gehört damals zum dänischen Gesamtstaat.

Zehn Jahresgehälter kostet die Freiheit

Der Vater nimmt einen Kredit auf, spart sich über Jahre vieles vom Munde ab, um eine Summe von zehn Jahresgehältern zusammenzubekommen. Immer wieder kommt er auf seine Düne, weil er am Horizont seinen Sohn herbeisehnt.

Aus dem Sklaven wird ein Minister

Für den 15-jährigen Hark Olufs dagegen beginnt ein neues Leben. Er wird innerhalb weniger Wochen dreimal verkauft, landet letztendlich beim Bey von Constantine, einem algerischen Provinzfürsten. Zunächst ist er dort Teeschenker. Der Amrumer Junge ist aufgeweckt, lernt schnell Arabisch und Türkisch. Mit nur 18 Jahren steigt er beim Bey zum Schatzmeister auf, ein Ministerposten. Dann wird er zum Kommandeur der Leibgarde ernannt. Er qualifiziert sich dadurch, dass er auf Befehl des Bey zwei Menschen auf einem Marktplatz erschießt.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 23.09.2018 | 19:30 Uhr