Sendedatum: 03.06.2018 19:30 Uhr

Der Flensburger, der Beethoven nach Japan brachte

von Karl Dahmke

Der japanische Opernsänger Shuichi Umino kann es einfach nicht fassen: Der Mann, den in Japan jeder kennt, ist in seiner Heimat Schleswig-Holstein fast völlig vergessen. Dabei hat er eine Art zweite Nationalhymne nach Japan gebracht - die Sinfonie Nr. 9 von Ludwig van Beethoven. In Japan kann die jedes Kind summen und einen Jahreswechsel ohne "Neunte" ist in Japan nicht denkbar.

Notenbuch

Wie ein Flensburger Beethoven nach Japan brachte

Schleswig-Holstein Magazin -

Die 9. Sinfonie von Beethoven kennt in Japan jedes Kind. Der Flensburger Militärmusiker Hermann Richard Hansen brachte die Musik als Gefangener im Zweiten Weltkrieg dorthin.

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Japaner nehmen Flensburger Militärmusiker gefangen

Um dem Mann, der Beethoven ins Reich der Sonne brachte, auf die Spur zu kommen, muss man mehr als 8.000 Kilometer nach Flensburg reisen. Hier in der Nähe, in Glücksburg, wurde Hermann Richard Hansen 1884 geboren. Hier ging er zur Schule. Mit 22 Jahren wurde der junge Militärmusiker nach Tsingtau versetzt, einer deutschen Kolonie in China. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs besetzte Japan die Kolonie. Mehr als 4.000 Marinesoldaten und Offiziere gerieten in Gefangenschaft. Zuerst kamen die Gefangenen in Schulen und Krankenhäusern unter, sogar in Freudenhäusern. Doch als der Krieg sich hinzog, wurden eigene Lager für sie gegründet.

Hermann Richard Hansen begeistert Japan mit Beethoven

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In einem Auffanglager auf der japanischen Insel Shikoku leitet Hansen ein Orchester.

Hansen kam nach Bando, in den Süden Japans. Die Sieger hatten den Deutschen erlaubt, ihr Gepäck mitzunehmen. Viele Militärmusiker nahmen ihre Instrumente mit - auch Hermann Richard Hansen. Hansen gründete ein eigenes Marineorchester, mit dem er mehr als 33 Konzerte in Bando aufführte. Keines wurde aber so bekannt, wie jenes, das er vor hundert Jahren am 1. Juni 1918 dirigierte. Mit der Hilfe eines 80 Mann starken Chores führte Hansen vor geladenen japanischen Gästen die Sinfonie Nr. 9 von Beethoven auf, mit dem berühmten Chor "Ode an die Freude". So etwas hatten die Gäste noch nie gehört. Sie waren begeistert.

10.000 Japaner singen die "Neunte" in Osaka

Laut Shuichi Umino war das der Beginn der Leidenschaft der Japaner für die europäische Musik. Heute treffen sich Japaner im ganzen Land nur um die "Neunte" - oder wie sie in Japan heißt, die "Daiku" - zu üben. Höhepunkt ist ein Konzert in Osaka, an dem mehr als 10.000 Sänger teilnehmen. Shuichi Umino sagt, dass vor allem die Kraft der Sinfonie seine Landsleute begeistere. Beethoven war taub, hatte Schwächen und trotzdem konnte er diese monumentale Musik schreiben. Genau das würde seine Landsleute beeindrucken.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 03.06.2018 | 19:30 Uhr