Sendedatum: 25.06.2019 21:30 Uhr

Mutmaßlicher Lübcke-Mörder: Wer ist Stephan E.?

von Robert Bongen, Julian Feldmann, Anne Ruprecht und Nino Seidel

Stephan E. soll den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke mit einem Kopfschuss ermordet haben. Inzwischen hat E. die Tat gestanden und sie offenbar mit seiner Empörung über Lübckes Äußerungen im Jahr 2015 zur Flüchtlingspolitik begründet. Er habe alleine gehandelt, sagte E. nach Informationen aus Ermittlerkreisen in einer Vernehmung. Dennoch wird weiter geprüft, ob es Mittäter und Mitwisser gab. Bisher war bekannt, dass sich E. bis mindestens 2009 in der Kasseler Neonazi-Szene bewegte. Fotos zeigen ihn etwa 2002 bei einer NPD-Wahlkampfaktion in der nordhessischen Stadt, ebenso bei einer Demonstration in Göttingen.

Mann mit Kapuze, Reporter im Hintergrund © NDR Foto: Screenshot

Spurensuche im Umfeld des mutmaßlichen Lübcke-Mörders

Panorama 3 -

Panorama 3 hat sich auf Spurensuche im Umfeld des mutmaßlichen Mörders von Walter Lübcke begeben. Ein ehemaliger Wegbegleiter erzählt von seinen Erfahrungen mit Stephan E.

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In rechtsextremer Szene jahrelang aktiv

Nach Recherchen von Panorama 3 soll E. über Jahre hinweg zum rechtsextremen "Freien Widerstand Kassel" gehört haben. Wie ein ehemaliger politischer Weggefährte im Interview erzählt, sei E. sogar bis mindestens 2011 bei Treffen der Gruppe dabei gewesen. Der "Freie Widerstand Kassel" wurde von den Sicherheitsbehörden spätestens ab 2015 als "inaktiv" beschrieben. Zu dem "Freien Widerstand Kassel" zählte auch E.s Gesinnungsgenosse und Freund Mike S., ehemaliger Funktionär der hessischen NPD-Jugendorganisation. Auch Stephan E. war Mitglied der NPD - laut Parteiangaben bis 2004. Die Ermittler des Hessischen Landeskriminalamtes untersuchen, ob es Mittäter gab.

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Der Mord an Walter Lübcke könnte vom Konzept des Neonazi-Netzwerks "Combat 18" inspiriert worden sein. In der Taktik von "Combat 18" (Deutsch: Kampfgruppe Adolf Hitler), sollten sich einzelne Kleingruppen oder Einzelpersonen bewaffnen und dann Anschläge etwa auf Politiker begehen. Auch der "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) hatte sich so organisiert - eine kleine Zelle mit einem weiteren Unterstützerumfeld. "Combat 18" ist in Deutschland nicht verboten. Wie Horst Seehofer im Innenausschuss des Bundestags sagte, werde derzeit ein Verbot der Gruppierung geprüft. Der organisatorische Schwerpunkt von "Combat 18 Deutschland" liegt nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden im Raum Kassel. Zu einem heutigen Kopf der Gruppe soll Stephan E. zumindest zeitweise Kontakt gehabt haben.

Zwischenzeitlich hatte die ARD berichtet, dass Stephan E. selbst im März 2019 an einem Treffen von militanten Neonazis im sächsischen Mücka teilgenommen hätte. An der Veranstaltung nahmen auch Mitglieder von „Combat 18“ teil. Inzwischen hat die ARD ihre Berichterstattung korrigiert.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 25.06.2019 | 21:30 Uhr