Sendedatum: 28.03.2017 21:15 Uhr  | Archiv

Kein Rettungskonzept bei Terroranschlag

von Djamila Benkhelouf & Ute Jurkovics

Herzinfarkte, Schlaganfälle, Beinbrüche - auf solche  Notfälle sind Rettungsdienst und Kliniken bestens vorbereitet. Wer medizinische Hilfe braucht, wird gut versorgt. Doch mit dem Terror sind andere Verletzungen in Europa angekommen - und in Deutschland. Schüsse, Sprengsätze und Splitterbomben verursachen Wunden, die Rettungskräfte und Klinikärzte vor Herausforderungen stellen und die sie aus ihrem normalen Berufsalltag nicht kennen.

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Einheitliche Rettungskonzepte gefordert

 "Mit dem Terror sind Kriegsverletzungen nach Deutschland gekommen", sagt der Bundeswehrarzt Prof. Benedikt Friemert. Viele Opfer verbluten, wenn sie nicht schnell und fachgerecht versorgt werden. Deshalb sei es wichtig, Notfallsanitäter und Notärzte mit speziellem Behandlungsmaterialien auszustatten und die Anwendung zu trainieren. Um viele Terroropfer nach einem Anschlag optimal zu versorgen, unter Zeitdruck und großem Stress, müssen neue, einheitliche Rettungskonzepte entwickelt werden. Doch die gibt es bisher in den norddeutschen Bundesländern nicht, kritisiert der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst. Zuständig sind die Innenministerien der Länder und jede einzelne Behörde gibt ganz unterschiedliche Empfehlungen oder hat zum Teil gar kein spezielles Terror-Konzept. 

Die Antworten der Innenbehörden

Niedersachsen - Konzept liegt vor

"(...) Der Landesausschuss Rettungsdienst (LARD) hat zur rettungsdienstlichen Bewältigung von Amok- bzw. Terrorlagen die beigefügte Empfehlung, veröffentlicht im Nds. MinBlatt Nr. 10 S. 254 vom 15.03.2017, beschlossen. Sie wurde aufgrund der aktuellen Sicherheitslage ergänzt (...) Nach den vorliegenden Erkenntnissen sind die erforderlichen Rettungsmittel (z.B. Rettungsfahrzeuge) gemäß der Vorgabe des §4 Abs.5 NRettDG und den aktuellen Erfordernissen ausreichend und nach dem Stand der Technik ausgestattet.Rettungssanitäterinnen/Rettungssanitäter sowie Notfallsanitäterinnen/Notfallsanitäter werden in Schulungen und Übungen auch auf besondere Lagen (z.B. Terrorlagen) vorbereitet. Diese Übungen sind integrativer Bestandteil der Ausbildung, Prüfung und Zertifizierungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rettungsdienst."

Völlig neues Rettungsmanagement

Und auch die Kliniken sollen sich künftig besser auf Terrorlagen vorbereiten. Die Deutsche Gesellschaft für Notfallchirurgie, DGU, hat dafür einen 5-Punkte-Plan entwickelt. Wichtigste Forderung: Das Klinikpersonal sollte spezielle Notfallübungen durchlaufen. Doch die hat bisher kaum ein Krankenhaus im Norden durchgeführt, so das Ergebnis einer stichprobenartigen Umfrage von Panorama 3. Eine Notfallübung kostet rund 100.000 Euro, die Träger der Klinik entscheiden eigenständig, ob und wann sie eine Übung durchführen. Eine Verpflichtung gibt es nicht. Außerdem empfiehlt die DGU Ärzte in der Behandlung fortzubilden. Denn Terroranschläge mit Sprengstoff und Schusswaffen verursachen neue Verletzungsmuster. 

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 28.03.2017 | 21:15 Uhr