Stand: 25.09.2018 17:37 Uhr

Der Umgang mit Rechtsaußen

von Julian Feldmann, Sebastian Friedrich & Jörg Hilbert

Vergangenen Sonnabend in Rostock: Die AfD hat zu einer Demonstration aufgerufen - Stargast: Rechtsaußen-Politiker Björn Höcke. Gefolgt sind dem Aufruf 700 Anhänger - darunter auch Rechtsextremisten. Rostocks Polizeichef Michael Ebert signalisiert deutlich: "Wir dulden keine Gewalt." Die AfD-Demonstration wird eng von behelmten Beamten begleitet. Wasserwerfer, Räumpanzer und berittene Polizei stehen bereit. Auch für die 4.000 Gegendemonstranten gibt es kein Durchkommen Richtung AfD.

Eine Demonstration gegen eine AfD-Versammlung zieht am 22.09.2018 durch Rostock. © dpa Foto: Christian Charisius

Der Umgang mit Rechtsaußen

Panorama 3 -

In Rostock waren vergangenen Sonnabend rund 700 AfD-Anhänger und 4.000 Gegendemonstranten unterwegs. Auch wegen des besonnen Polizeieinsatzes blieb es komplett friedlich.

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Aus der Geschichte gelernt

Die jüngsten rassistischen Ausschreitungen in Chemnitz haben in Rostock Erinnerungen an das Pogrom von Lichtenhagen 1992 geweckt. Damals hatte die Polizei versagt und dem rechten Mob die Straße überlassen. Und auch in Chemnitz war die Polizei mit rechtsextremistischen Gewalttätern maßlos überfordert.

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Rostocks Polizeichef Michael Ebert sagt, die Ereignisse in Lichtenhagen 1992 nehmen die Polizei in die Verantwortung.

Polizeichef Ebert war 1992 als junger Polizist bei den Ausschreitungen in Lichtenhagen eingesetzt. Diese Ereignisse waren für ihn einschneidend: "Das nimmt mich natürlich in die Verantwortung", so Ebert. "Wir haben aus der Situation von 1992 gelernt und das versuchen wir heute besser zu machen."

Groß-Demos in der Rostocker Innenstadt

Sitzblockade stoppt AfD

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Wolfgang Richter beobachtet die AfD-Demonstration in Rostock.

Auch Wolfgang Richter hat das Pogrom von Lichtenhagen miterlebt. Am vergangenen Sonnabend steht er am Rande der AfD-Demonstration in der Rostocker Innenstadt. "Ich bin ziemlich entsetzt, dass Menschen für Hass, für Fremdenfeindlichkeit auf die Straße gehen", sagt Richter. Als damaliger Ausländerbeauftragter der Stadt war er in dem Wohnheim für vietnamesische Vertragsarbeiter in Rostock-Lichtenhagen, als dieses am 24. August 1992 von Rechtsextremen in Brand gesetzt wurde. Nur mit Glück konnten er und die anderen sich vor dem Feuer retten.

Die Polizei sei bei der Demo der AfD in ausreichender Stärke präsent, sagt Wolfgang Richter. "Es ist überhaupt nicht im Ansatz möglich, dass von diesen Leuten hier eine Pogromstimmung ausgeht." Dann gerät der Protestzug der AfD wegen einer Sitzblockade ins Stocken. Die AfD-Anhänger müssen kurze Zeit später umkehren. Mehrere Hundert Gegendemonstranten versperren ihnen den Weg. "Komm, wir retten Rostock", steht auf dem Banner der AfD. Wolfgang Richter dazu: "Kein Mensch hat die Rostocker gefragt, ob sie von der rechten AfD gerettet werden wollen."

Unter lautem Protest am Rande der Route kommt die AfD nach einer guten Stunde wieder dort an, wo sie gestartet war: am Neuen Markt. Björn Höcke, Fraktionschef der AfD im Thüringer Landtag, stößt erst jetzt zu seinen Anhängern. Die begrüßen ihn mit lauten "Höcke"-Rufen.

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Höcke umgeben von Feinden

Während seiner Rede fällt plötzlich die Lautsprecheranlage aus: Hektisch wird ein Megafon organisiert, doch Höcke ist danach nur noch für einen Teil der Demonstranten zu hören - auch weil aus einem der Häuser auf dem Marktplatz laute Jazz-Musik dröhnt.

Was er von Höckes Rede zu Flüchtlingen und Asyl gehört habe, sagt Wolfgang Richter abschließend: "Das war genau das, was 1992 Menschen aufgeputscht hat." Doch im Gegensatz zur Situation vor 26 Jahren sei die Polizei in Rostock heute ganz anders aufgestellt. "Das ist ein ganz gutes Gefühl am Ende dieses Tages", resümiert Richter.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 25.09.2018 | 21:15 Uhr