Stand: 24.09.2019 16:36 Uhr

Alarmierend: Grundwasser im Norden vielerorts auf Tiefstand

von Lucie Kluth & Nino Seidel

Die Dürre hat den Norden weiterhin im Griff. Trotz des vereinzelten Regens liegen die Grundwasserstände vielerorts auch im Jahr 2019 weit unter dem Normalstand. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes hat es auch im Sommer 2019, wie schon im Jahr davor, deutlich weniger geregnet als üblich. In Niedersachsen ist die Situation derzeit besonders schlimm, dort fiel auch im  September bisher nur die Hälfte des sonst für den Monat üblichen Niederschlags. Auch in den Monaten davor lag die Regenmenge unter den üblichen Mengen. Eine Änderung ist bisher nicht in Sicht.

Der Boden am trockengefallenen Würmsee. © dpa Bildfunk Foto: Julian Stratenschule

Alarmierend: Grundwasser im Norden vielerorts auf Tiefstand

Panorama 3 -

In vielen Gebieten Norddeutschlands ist das Grundwasser auf einem historischen Tiefstand. Nun beginnt ein Verteilungskampf um die Ressource Wasser.

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"Man hat die Auswirkungen unterschätzt"

Inzwischen ist auch die Politik alarmiert. Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies kündigt gegenüber Panorama 3 nun erste Konsequenzen an. Sein Ministerium arbeite gerade an einem Wasser-Management Plan. Wasser sei auch in Norddeutschland keine selbstverständliche Ressource mehr. "Wir haben in den letzten beiden Jahren zum ersten Mal festgestellt, dass Wasser ein hohes Gut ist und das Vorhandensein nicht selbstverständlich ist. Wir müssen den Menschen vermitteln: es wird sich etwas verändern müssen, wir müssen ein Wassermangelmanagement betreiben", sagte Lies.

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Der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies räumt Fehler der Politik in den vergangenen Jahren ein.

Die Folgen der anhaltenden Trockenheit sind niedrige Grundwasserstände und Pegel in den Gewässern Norddeutschlands. Seen wie die Müritz oder das Steinhuder Meer haben einen deutlich geringeren Wasserstand als sonst um diese Jahreszeit, einige kleinere Teiche, Biotope oder Bäche sind bereits ausgetrocknet. Lies sieht in dem fehlenden Wasser eine Folge des Klimawandels und räumt ein, dass die Politik versäumt habe, auf diese Entwicklung rechtzeitig zu reagieren. "Man hat die Auswirkungen unterschätzt, man hat geglaubt, wir hätten mehr Zeit. Aber der Glaube, das waren jetzt zwei Jahre schlechtes Wetter und dann wird es besser, ist falsch", sagte Lies.

Immer mehr Bauern nutzen Beregnungsanlagen

Bei der Frage nach Konsequenzen sieht er auch die Landwirtschaft in der Pflicht. Als Antwort auf die Dürre nutzen immer mehr Bauern Beregnungsanlagen, die sich entweder aus dem Oberflächenwasser wie Seen oder dem Grundwasser speisen. Doch weiteren Begehrlichkeiten der Landwirtschaft an das Grundwasser erteilt Lies eine Absage "neue Genehmigung für die Wasserentnahme für Landwirte halte ich für äußerst schwierig", sagte Lies. Bei der Nutzung von Grundwasser habe die Trinkwassergewinnung Vorrang, "dazu gibt es keine Alternative."

Auch der Verbraucher müsse sich umstellen. Der Landkreis Diepholz macht für einen gestiegenen Wasserverbrauch auch das Wässern der Gärten und Befüllen privater Pools verantwortlich. Für Gärten und das Beregnen der Felder wird nicht nur Trinkwasser, sondern auch Grundwasser genutzt, das über eigene Pumpen gewonnen wird. Wie viel Grundwasser auf diese Art entnommen wird, darüber liegen in Norddeutschland allerdings nur sehr lückenhafte Erkenntnisse vor. Während in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Umweltministeriums im Jahr 2016 21,37 Millionen Kubikmeter Grund- und Quellwasser an Landwirtschaft und Fischer abgegeben wurden, liegen in Schleswig-Holstein keinerlei Erkenntnisse über den direkten Grundwasserverbrauch von Landwirtschaft und privaten Verbrauchern vor. Beim Trinkwasserverbrauch liegen Letztverbraucher wie private Haushalte mit 89,4 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr 2016 in Mecklenburg-Vorpommern deutlich vorne. Der Verbrauch von Landwirtschaft und Industrie wird in Mecklenburg-Vorpommern nur zusammen erfasst und lag 2016 bei 26,6 Millionen Kubikmeter Trinkwasser.

Erste Bewässerungsverbote in Niedersachsen

Laut Wasserrahmenrichtlinie gilt eigentlich der Grundsatz, dass nur so viel Grundwasser entnommen werden darf, wie z.B. über Niederschläge wieder nachkommt. Dieser Grundsatz konnte aufgrund der Trockenheit vielerorts nun das zweite Jahr nicht eingehalten werden. Das bestätigte auf Nachfrage der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

Erste Landkreise zogen bereits Konsequenzen, im Landkreis Osnabrück ist es bis Ende Oktober verboten Pflanzen zwischen 12 und 18 Uhr zu wässern, das Verbot gilt für Privatleute sowie für die Landwirtschaft. Der Niedersächsische Umweltminister Lies kündigt an, dass sich zukünftig die Wassernutzung deutlich ändern müsse, das gelte für die Landwirtschaft wie für private Verbraucher. Bis es konkrete Konzepte gibt, liegt die Hoffnung vielerorts allerdings darauf, dass es über lange Zeiträume regnet und sich die trockenen Böden und leeren Reservoirs wieder auffüllen können.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 24.09.2019 | 21:15 Uhr