Stand: 05.11.2018 17:34 Uhr

Blutiger Modetrend: Pelzbommel und Pelzkragen

82 Prozent der Deutschen geben in Umfragen an, dass sie gegen Pelze sind. Doch gleichzeitig boomt die Pelzindustrie, die Umsätze haben sich in den vergangenen Jahren verdreifacht. Die Schaufenster und Läden sind gefüllt: von Pelzpantöffelchen über pelzbesetze Kapuzen bis zu Handtaschen mit einem fellbesetzten Henkel. Nicht nur im Luxussegment ist Pelz gefragt, vor allem Bommel und Kragen sorgen für Umsatz. Echter Pelz ist wieder cool.

Pelzbommel-Produktion © NDR

Blutiger Modetrend: Pelzbommel und Pelzkragen

Kulturjournal -

110 Millionen Tiere werden jährlich getötet - wegen ihres Pelzes. Tierschützer wie die Schriftstellerin Karen Duve versuchen aufzuklären, aber die Branche boomt.

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Tierleiden für Modetrends

Für diesen Trend werden weltweit jährlich viele Millionen Marderhunde, Füchse und Nerze vergast, mit Elektroschocks getötet oder erschlagen. Die Haltung ist nicht artgerecht. Pelztiere sind wilde Tiere, die viel Auslauf brauchen. In den Farmen fristen sie ihr kurzes Leben in einem winzigen Käfig, sitzen auf Draht. 80 Prozent der Felle stammen aus China. Dort sterben die meisten Tiere für billige Fellprodukte. Aber auch für teure  Marken, die angeblich nachhaltig, fair und mit Gütesiegel produzieren, gilt: Pelz war immer Leben.

Wie kann man überhaupt Tier tragen?

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Wegen ihres Pelzes sterben Millionen Marderhunde jährlich.

Die Schriftstellerin Karen Duve, aktive Tierfreundin, sagt: gar nicht. "Eine Fellmütze ist ein Zeichen von Dummheit. Ich glaube nicht, dass die Leute Tiere so hassen, dass sie wollen, dass denen so übel mitgespielt wird. Sondern die wollen es nicht wissen oder sie wissen es nicht - aber auch dieses Nichtwissenwollen hat was Böses und da tropft But dran."

Billiger als Kunstfell

Aber auch bei Kunstfell können sich die Konsumenten nicht sicher sein. Die Verwirrung ist groß, denn 90 Prozent der bepelzten Kleidungsstücke sind nicht richtig gekennzeichnet. Und billig heißt nicht automatisch fellfrei, denn Marderhund aus chinesischer Produktion kostet weniger als Kunstfell. Zum Beispiel Puschel für Mützen kosten nur fünf bis sechs Euro das Stück. Und dafür muss so mancher Hund und manche Katze ihr Leben lassen.

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Kulturjournal | 05.11.2018 | 22:45 Uhr