Bücherjournal

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 01. April 2020, 00:00 bis 00:45 Uhr

"In der Männerrepublik": Buch von Torsten Körner

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Torsten Körner erzählt von mutigen und starken Frauen in der "Männerrepublik".

Lange war Deutschland eine Männerrepublik. Frauen, die in der Politik mitentscheiden wollten, waren nicht nur unerwünscht, sie wurden regelrecht gedemütigt und bekämpft. Erst 1961 berief Konrad Adenauer mit Elisabeth Schwarzhaupt die erste Ministerin in sein Kabinett. Und auch dazu mussten ihn die CDU-Frauen mit einem Sitzstreik zwingen. Selbst 1983, beim Einzug der Grünen in den Bundestag, waren nur zehn Prozent der Abgeordneten weiblich. Torsten Körner erzählt in seinem Buch "In der Männerrepublik. Wie Frauen die Politik eroberten", wie mutige und starke Frauen sich gegen alle Widerstände in der Männerdomäne Bundestag durchsetzen. Es sind sehr persönliche Geschichten. Sie handeln von Erfolg und Niederlage, Triumph und Verzicht, vor allem aber vom Kampf um politische Gleichberechtigung, der bis heute anhält.

"Stern 111": Lutz Seilers preisgekrönter Roman

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Eine Gesellschaft im Umbruch: "Stern 111"

Lutz Seiler ist mit "Stern 111" ein großer Roman gelungen, der auf berückende Weise von Aufbruch und Untergang erzählt, von sozialen Utopien und gesellschaftlicher Realität. mehr

Nach dem Erfolg des Hiddensee-Romans "Kruso" hat Lutz Seiler nun einen neuen Roman veröffentlicht. "Stern 111" heißt er, genau wie das DDR-Radiogerät, ein Empfänger von Wellen, wenn man so will, aus einer sehr besonderen Zeit. Diesmal beschreibt Seiler die Zeit unmittelbar nach der Wende. Er führt die Geschichte in zwei großen Erzählbögen fort - in einem Roadtrip, der seine Bahn um den halben Erdball zieht, und in einem Berlin-Roman, der uns die ersten Tage einer neuen Welt vor Augen führt. Und ganz nebenbei wird die Geschichte einer Familie erzählt, die der Herbst 1989 sprengt und die nun versuchen muss, neu zueinanderzufinden. Einer der Haupthandlungsorte ist - wie in "Kruso" - eine Kneipe, die es auch in der Wirklichkeit gab. Auch hier hatte der Autor tatsächlich eine Weile gearbeitet: die "Assel" in der Berliner Oranienburger Straße. "Stern 111" ist der Roman, den Seiler schon vor zehn Jahren schreiben wollte. Aus einem Unterkapitel entsprang dann doch zunächst "Kruso". Nun hat Seiler es vollendet - und es ist eine wilde Reise durch eine wilde Zeit. Sein Buch wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse für Belletristik ausgezeichnet.

"Der Überläufer": Siegfried Lenz-Verfilmung im Ersten

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"Der Überläufer": NDR produziert Hörspiel zur Verfilmung

Vor 65 Jahren schrieb Siegfried Lenz seinen Roman "Der Überläufer". Viel zu spät erst wurde er entdeckt. Der NDR produziert neben der Verfilmung auch ein Hörspiel. mehr

Es war eine literarische Sensation. Nach dem Tod von Siegfried Lenz 2014 wurde in seinem Nachlass ein bis dahin unveröffentlichter Roman gefunden: "Der Überläufer". Er handelt von einem deutschen Soldaten, der im Zweiten Weltkrieg desertiert und zur Roten Armee überläuft. Lenz, der selbst im Krieg war, hatte das Buch 1951 geschrieben, im Alter von nur 25 Jahren. Aber sein Verlag wollte es damals nicht veröffentlichen: Ein Deserteur, der ausgerechnet mit den Russen kollaboriert, das passte nicht in die politische Zeit des beginnenden Kalten Krieges. Lenz hat sein Manuskript darauf bis zu seinem Tod zurückgehalten. Als der Roman 2016 endlich veröffentlicht wurde, feierte die Kritik das pazifistische Frühwerk, und "Der Überläufer" wurde zum Bestseller. Jetzt haben NDR, ARD Degeto und SWR das Buch verfilmt, mit Jannis Niewöhner, Rainer Bock, Bjarne Mädel und Ulrich Tukur. Der Zweiteiler von Regisseur Florian Gallenberger läuft am 8. und 10. April im Ersten.

"Das eiserne Herz des Charlie Berg" von Sebastian Stuertz

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Sebastian Stuertz hat mit "Das eiserne Herz des Charlie Berg" einen wunderbaren Roman vorgelegt.

So ein Buch liest man selten: Liebesgeschichte, Krimi, Familienchronik und Künstlerroman in einem - und all das mit viel Fantasie und sprachlichem Witz. Der Hamburger Grafiker und Musiker Sebastian Stuertz hat einen ganz ungewöhnlichen Debütroman geschrieben: "Das eiserne Herz des Charlie Berg". Im Mittelpunkt steht Charlie, ein junger Mann, der die Fähigkeit besitzt, feinste Düfte zu riechen. Er möchte ein Schriftsteller sein, muss sich aber immer wieder um seine chaotische Familie kümmern. Als plötzlich sein Großvater bei der Jagd erschossen wird, befindet er sich mitten in einem Krimi, und plötzlich taucht auch noch seine Kinderliebe aus Mexiko auf. Charlies Leben gerät aus den Fugen. Sebastian Stuertz sollte als Gast ins Bücherjournal kommen, aber in Zeiten von Corona stellt er seinen wunderbaren Roman stattdessen in einem eigens gedrehten Video vor.

"Die Wächter": Der neue Thriller von John Grisham

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Von Urteilen, die oft nur Vorurteile sind

John Grisham schreibt in "Die Wächter" fesselnd über das US-Rechtssystem. Und er wirft einen melancholischen Blick auf das ramponierte Versprechen von Freiheit und Gerechtigkeit. mehr

Jedes Jahr und - laut "New York Times" "so verlässlich wie der Sonnenaufgang" - liefert John Grisham der Welt einen neuen Gerichts-Thriller.  In "Die Wächter", dem jetzt bei uns erscheinenden Grisham von 2020, geht es erneut um die noch immer von Rassismus geprägte Rechtspraxis in den USA, um unschuldig Verurteilte und engagiert für Recht und Gerechtigkeit kämpfende Anwälte. Er schickt seinen Helden Cullen Post, einen Anwalt und Priester, quer durch die USA und lässt ihn im Ringen um Gerechtigkeit ein von Rassenhass und Besitzstandswahrung zerrissenes Land erleben. Grisham war früher selbst Strafverteidiger und ist heute aktiv im New Yorker "Innocence Project", das immer wieder zu Unrecht Verurteilte aus den Zellen holt.

Leben mit der Depression: Buch von Benjamin Maack

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Buch des Monats: Maack schreibt über seine Depression

Benjamin Maack erzählt aus dem Innersten der Krankheit Depression. Gerade das macht das NDR Buch des Monats "Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein" so interessant. mehr

"Eine Depression ist uferlos", sagt Benjamin Maack, "man versteht gar nicht, was da mit einem passiert. Man hat diese unglaubliche Schwärze um sich herum, diese unglaubliche Schwäche in den Knochen und diesen unglaublichen Selbsthass." Über seine Krankheit, die so schwer zu fassen ist, hat der Hamburger Autor und Journalist ein starkes Buch geschrieben: "Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein". Äußerlich führt Benjamin Maack ein glückliches Leben, mit Ehefrau, Kindern, Erfolgen im Job. Aber die Depression ist so stark, dass er dreimal in die Psychiatrie geht. Über seinen Aufenthalt dort, über den Alltag danach und auch über seine Selbstmordgedanken schreibt Maack in kurzen Kapiteln, lakonisch und intensiv. "Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein" ist unser "NDR Buch des Monats" im März. Der NDR hat außerdem ein Hörspiel nach dem Buch produziert, das in der NDR Hörspiel-Box und in der ARD-Audiothek zu hören ist.

"Nochmal Deutschboden": Moritz von Uslar über den Osten

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Schonungslose Reportage aus dem Havelland

Zehn Jahre nach seinem Besuch in der Kleinstadt Zehdenick ist Moritz von Uslar in den Ort im Landkreis Oberhavel zurückgekehrt. Seine Eindrücke beschreibt er in "Nochmal Deutschboden". mehr

Zehdenick ist eine Kleinstadt im Norden von Berlin. Hier zieht die Havel unaufgeregt als kleines Flüsschen ihren Lauf durch die Mark Brandenburg. Die Menschen im Städtchen haben in den letzten Jahrzehnten alle Regungen und Bewegungen, die die Zeitgeschichte bereithielt, miterlebt; von der Implosion der DDR, der Arbeitslosigkeit, der Migrationskrise und dem Auftauchen der AfD als Partei. Könnte man aus ihren Leben herauslesen, was der sogenannte Kitt der Gesellschaft in einer ostdeutschen Kleinstadt ist? Der Reporter Moritz von Uslar hat sich im Jahr 2019, knapp zehn Jahre nach seinem ersten Besuch in Zehdenick, wiederum für einige Monate in der Kleinstadt einquartiert. Seine Reportage "Nochmal Deutschboden - Meine Rückkehr in die brandenburgische Provinz" erzählt von täglichem Rassismus und auch von Solidarität und Menschlichkeit.

"Darktown": Krimireihe von Thomas Mullen

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Ein Spiegel der amerikanischen Geschichte

Thomas Mullens Romane sind ein komplexes Abbild amerikanischer Zeitgeschichte, in all ihren Widersprüchen. Mit "Weißes Feuer" hat er den zweiten Teil seiner "Darktown"-Serie vorgelegt. mehr

Auf politischen Druck hin stellt das Atlanta Police Department im Jahr 1948 die erste Einheit schwarzer Polizisten auf. Es ist die Zeit der Segregation, brutaler Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung. So dürfen die acht schwarzen Polizisten nur im sogenannten Darktown, dem Schwarzenviertel Atlantas, ermitteln. Sie dürfen keine Weißen festnehmen und nicht im selben Gebäude wie ihre Kollegen arbeiten. Hinzu kommt: Sie sitzen zwischen allen Stühlen. Sowohl die weißen Polizisten als auch die schwarze Bevölkerung begegnen ihnen mit Ablehnung und Aggression. Vor diesem Hintergrund hat der Schriftsteller Thomas Mullen nun den zweiten Teil seiner "Darktown"-Serie vorgelegt: "Weißes Feuer". "Eine brillante Mischung aus Krimi und historischem Roman", schwärmt Stephen King. Tatsächlich sind Mullens Romane hochkomplexe, differenziert geschriebene Kriminalromane, vor allem aber detailgetreue Sozialstudien über eine Vergangenheit, die bis in die amerikanische Gegenwart reicht.

Moderation
Julia Westlake
Redaktionsleiter/in
Christoph Bungartz
Redaktion
Niels Grevsen
Produktionsleiter/in
Katja Theile