die nordreportage

Die Nordreportage: 24 Stunden Billbrook - Zwischen Müll und Meditation

Montag, 16. Juli 2018, 18:15 bis 18:45 Uhr
Mittwoch, 18. Juli 2018, 11:30 bis 12:00 Uhr

In Billbrook arbeiten 22.000 Menschen. © NDR/ADAMfilm

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Das Hamburger Industriegebiet Billbrook ist eines der größten Europas. Auf 770 Hektar, das entspricht der Fläche von 800 Fußballfeldern, türmen sich riesige Berge von Schutt. Speditionen mit riesigen Lagerhallen haben hier ihren Sitz. Hier vermischt sich der Duft einer bekannten Kaffeerösterei mit dem Geruch einer Sondermüll-Verbrennungsanlage.

Kaffeerösterei und Schrottplatz Tür an Tür

Neben einem Schrottplatz leben vietnamesische Nonnen in einem Kloster. Alles mitten im Stadtgebiet. Mehr als 22.000 Menschen arbeiten hier. Das Familienunternehmen J.J. Darboven hat 900 Mitarbeiter und macht jährlich 340 Millionen Umsatz. Firmeneigentümer Albert Darboven ist jeden Morgen bei der Kaffeeprobe dabei. Mit zwei Mitarbeitern entscheidet er, welche Bohnen für die Röstung gekauft werden. Das Unternehmen ist für Kaffee bekannt - dass es sich auch auf Tee spezialisiert hat, wissen die wenigsten.

1.000 Firmen und 400 Kleinbetriebe sind in Billbrook ansässig. Gerade einmal zwei Straßen von der Kaffeerösterei Darboven entfernt, türmen sich Autos, Kronleuchter, Bügelbretter, Badewannen auf einem riesigen Schrottplatz. Der 39-jährige Markus Sommer nimmt alles an, was aus Metall ist. Die meisten seiner Kunden sammeln den Schrott von Baustellen auf. Doch manche wollen auch gestohlene Ware zu Geld machen.

Es gibt auch einen sehr stillen Ort

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Fische dem Fluss zurückgeben, eine Zeremonie der buddhistischen Gemeinde.

Billbrook hat seinen Namen von der Bille, einem Nebenfluss der Elbe. Neben den vielen lauten und schmutzigen Ecken, gibt es auch einen sehr stillen Ort: In der buddhistischen Pagode "Bao Quang" werden vietnamesische Nonnen ausgebildet - mitten im Industriegebiet. Die Pagode zählt zu den größten buddhistischen Nonnenklöstern in Deutschland. Von hier sind es nur fünf Meter bis ans Ufer der Bille. Einmal im Jahr treffen sich 200 Mitglieder der Gemeinde, um tausende Fische im Fluss auszusetzen. Im Buddhismus ein Symbol dafür, allen Lebewesen Gutes zu tun.

Industriegebiet voller Gegensätze

Wenn es Nacht wird in Billbrook dann ist Phillip Haroun im Industriegebiet unterwegs. Mit seinem Sicherheitsunternehmen bewacht er mehr als die Hälfte der Firmen hier - sieben Tage die Woche rund um die Uhr. Schon sein Vater war bekannt als der "Sheriff von Billbrook". Die vietnamesische Pagode, die Sondermüll-Verbrennungsanlage, der internationale Kunststoffhersteller ALBIS PLASTIC, die verrufene Billstraße, die Kleingärten sowie ein Ruderclub, das alles ist Billbrook. Hier treffen Luxus auf Armut und Idylle auf Schmutz und Gestank - ein Industriegebiet voller Gegensätze.

Redaktion
Birgit Schanzen
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Autor/in
Charlotte Biermann
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