Stand: 16.09.2019 09:00 Uhr

Towers: Selbstbewusster Aufsteiger mit hohen Zielen

von Christian Jeß, NDR.de
Die Basketballer der Hamburg Towers stiegen als Meister der Pro A in die Bundesliga auf.

Geschafft: Im fünften Anlauf ist den 2014 gestarteten Hamburg Towers Ende April der Sprung in die Basketball Bundesliga gelungen. Sehr zur Freude der Ligaleitung, die seit Langem Metropolen als Standorte propagiert. Nach ihrem Aufstieg sind die "Türme" vorerst einziger Hamburger Erstligaclub in den großen Mannschaftssportarten. Nun will der Verein, der einst als Jugend- und Sozialprojekt im Stadtteil Wilhelmsburg begann, dauerhaft in der deutschen Eliteliga Körbe verteilen. Der Teamcheck:

So lief die vergangene Saison:

"Alles kann, nichts muss!" - dieses Wohlfühlmotto wurde bei den Hamburg Towers vor der vergangenen Saison ad acta gelegt. "Wir können nicht ewig sagen, wir wollen in die Play-offs. Irgendwann müssen wir auch um den Aufstieg mitspielen", zog Sportdirektor Marvin Willoughby verbal die Zügel an. Gesagt, getan - allerdings sollte der Weg kein leichter sein. Nach einer lange Zeit grandiosen regulären Saison verspielten die Hamburger am letzten Spieltag mit einer Niederlage in Tübingen Platz zwei und damit das entscheidende Heimrecht im Play-off-Halbfinale. So musste der umjubelte Aufstieg schließlich mit einem 78:72-Sieg in der "Hartmann-Hölle" der Niners Chemnitz perfekt gemacht werden. Dass wenige Tage später vor 3.400 Zuschauern in eigener Halle mit einem 99:94 gegen Nürnberg auch noch die Meisterschaft in der Pro A gefeiert werden konnte, war für Towers-Macher Willoughby "die Kirsche auf der Sahne".

Wer kommt, wer geht?

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Prominentester Towers-Zugang: Heiko Schaffartzik.

Mit US-Spielmacher Carlton Guyton (nach Ungarn) ging der beste Hamburger in den Play-offs wegen finanzieller Unstimmigkeiten, sieben Aufstiegshelden wurden hingegen gehalten. Als erster Spieler verlängerte das 18-jährige Nachwuchstalent Justus Hollatz seinen Vertrag um drei Jahre. Als erster Neuzugang wurde Forward-Talent Marvin Ogunsipe vom Bundesliga-Auftaktgegner Bayern München ausgeliehen. Dazu kamen unter anderem mit Kevin Yebo (Ehingen Urspring) einer der besten Pro-A-Spieler der vergangenen Jahre, mit Weltenbummler Prince Ibeh (USA, zuletzt auf den Philippinen aktiv) ein amtlicher Ringbeschützer und mit dem US-Amerikaner Marshawn Powell (zuletzt Udine, zweite italienische Liga) ein korbgefährlicher Rebounder.

Und: Neben dem Amerikaner Kahlil Dukes (aus Russland) soll künftig der 35 Jahre alte Ex-Nationalspieler Heiko Schaffartzik (115 Länderspiele, zuletzt vereinslos, davor unter anderem Bayern München und Alba Berlin) das Spiel der Hamburger lenken.

Der Trainer

"You can’t guarantee an Aufstieg", warnte Mike Taylor - im Mai 2018 als Nachfolger von Hamed Attarbashi verpflichtet - im besten "Denglisch" vor der Saison. Von wegen: Yes, he can! Wo der Amerikaner ist, ist Erfolg - vor allem 2019.

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Denn der 47-Jährige führte nicht nur die Towers auf Anhieb in die Bundesliga, sondern auch Polen als Headcoach in Personalunion zur WM in China und dort sogar ins Viertelfinale. "Viele hatten ihre Zweifel, dass ich beide großen Aufgaben unter einen Hut bekomme, und nun: Bäm! Geschafft! Das macht mich richtig stolz", sagte Taylor dem "Hamburger Abendblatt". Kein Wunder, dass Manager Willoughby seinen Coach als "Schlüssel zum Erfolg" bezeichnete. Bundestrainer Henrik Rödl war ebenfalls von den Qualitäten des langjährigen Ulmers überzeugt: "Die Frage ist nur, wann Mike Taylor die Towers in die Bundesliga führt", sagte er im Sommer 2018.

Erwartungen an die Saison

Saisonziel Klassenerhalt? Nichts für die Hamburg Towers, die mit einem Etat von rund vier Millionen Euro ins Abenteuer Bundesliga starten. "Wir wollen keine klassische Aufsteigermentalität entwickeln, sondern uns positive Ziele setzen. Wir gehören in die Bundesliga", erklärte Co-Trainer Benka Barloschky, gleichzeitig Headcoach beim Kooperationspartner Rist Wedel (Pro B). Der 31-Jährige stand zuletzt täglich mit seinem "Chef" Taylor während dessen Abwesenheit in Kontakt. Auch Willoughby kündigte an, man wolle sich "so schnell wie möglich Richtung Europa werfen". Selbstbewusste Töne, die die Erwartungshaltung im Umfeld nicht gerade minimieren. Aber auch keine utopischen Ziele - allerdings müssen dafür die Neuzugänge einschlagen. Die Fans jedenfalls sind von ihrem Team überzeugt: Die 200 neuen von insgesamt 1.200 Dauerkarten waren innerhalb von zwei Minuten vergriffen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 30.09.2019 | 19:30 Uhr