Stand: 10.02.2019 18:00 Uhr

Als Robert Hoyzer den HSV in Paderborn verpfiff

von Johannes Freytag, NDR.de

Als die Erstrundenpartie des Hamburger SV im DFB-Pokal am 21. August 2004 beim Regionalligisten SC Paderborn beendet war, sah alles zunächst nach einer weiteren "typischen" Pokalblamage eines Bundesligisten aus. 2:4 (2:2) hatten die Hanseaten in Paderborn verloren und waren damit bereits zum vierten Mal an einem Amateurclub gescheitert. Zwei Elfmeter und ein Platzverweis sorgten für das Aus des Favoriten - die Hamburger suchten und fanden in Schiedsrichter Robert Hoyzer dann auch schnell einen Schuldigen. Wie Recht sie damit hatten, ahnten sie allerdings selbst nicht.

HSV-Profi Sergei Barabarez (l.) und Referee Robert Hoyzer © picture-alliance/ dpa/dpaweb

Als Referee Hoyzer den HSV verpfiff

Am 21. August 2004 verpfiff Schiedsrichter Robert Hoyzer das DFB-Pokal-Erstrundenspiel zwischen dem SC Paderborn und dem HSV. Auslöser des größten Wettskandals im deutschen Profifußball.

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Zweifelhafter Elfmeterpfiff

Zunächst lief an jenem 21. August alles nach Plan für den Bundesligisten. Vor 7.027 Zuschauern gingen die Hamburger durch Christian Rahn (13.) und Emile Mpenza (30.) mit 2:0 in Führung und wähnten sich auf der Siegerstraße. "Mach' mal was. Den Rest erledige ich", sagte Hoyzer, der den Drahtziehern des Wettskandals eine HSV-Niederlage versprochen hatte, zu einem Paderborner. Und tatsächlich wendete sich in der 35. Minute das Blatt. Der Paderborner Thijs Waterink fiel im Strafraum um, Hoyzer entschied auf Strafstoß - es stand nur noch 1:2. HSV-Stürmer Mpenza verlor die Nerven und beschimpfte den (vermeintlich) Unparteiischen und kassierte die Rote Karte. "Das kam mir sehr gelegen, war aber gerechtfertigt", gab Hoyzer später zu Protokoll. Was nämlich keiner ahnte: Der 25-Jährige stand im Bunde mit kroatischen Wettpaten und hatte dafür zu sorgen, dass Paderborn die Partie gewann - so war es mit seinen Auftraggebern abgesprochen, die eine hohe fünfstellige Summe auf einen Erfolg des Underdogs gesetzt hatten und sechsstellig kassieren wollten.

Zwei Jahre und fünf Monate Haft für Hoyzer

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Diskussionen mit Schiedsrichter Robert Hoyzer (r.)? Zwecklos!

Noch vor der Halbzeitpause kam Paderborn zum Ausgleich und drehte in der zweiten Hälfte die Partie. Unter anderem, weil Hoyzer erneut einen sehr fragwürdigen Elfmeter für die Gastgeber pfiff. Nach dem Spiel erklärten die Trainer Pavel Dotschev (Paderborn) und Klaus Toppmöller (Hamburg) unisono, der erste Elfmeter sei der Knackpunkt der Partie gewesen, an gemeinschaftlichen Wettbetrug dachten jedoch beide nicht. Erste Ermittlungen gegen Hoyzer hinsichtlich etwaiger Spielmanipulationen gab es erst im Januar 2005, als sich mehrere Schiedsrichter deshalb an den DFB wandten. Elf Partien - unter anderem auch das Pokalspiel in Paderborn - standen im Fokus der Ermittlungen. Im November 2005 wurde Hoyzer schließlich zu zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Auch die kroatischen Wettpaten wurden ermittelt und erhielten Haftstrafen.

Finanzielle Entschädigung für den HSV

Das Pokalspiel zwischen Paderborn und dem HSV wurde nicht wiederholt, da bei Bekanntwerden der Manipulationen bereits zwei weitere Runden des Wettbewerbs ausgespielt worden waren. Der HSV bekam stattdessen als Entschädigung 500.000 Euro und die Zuschauereinnahmen in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am 12. Oktober 2005 in Hamburg gegen China (1:0). Der HSV rutschte nach der Niederlage in Paderborn in eine sportliche Krise und am achten Bundesliga-Spieltag auf den letzten Tabellenplatz. Nach einem 0:2 gegen Arminia Bielefeld wurde Toppmöller entlassen. Einen Job als Bundesliga-Trainer bekam er anschließend nicht mehr.

Hoyzer wurde 2008 wegen guter Führung aus der Haft entlassen. Im April 2011 akzeptierte der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger das Gnadengesuch des ehemaligen Schiedsrichter und hob dessen lebenslange Sperre teilweise auf.

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 10.02.2019 | 22:40 Uhr