Stand: 20.04.2012 16:00 Uhr

NDR Radiophilharmonie in Abu Dhabi - Das Tagebuch

Es ist eine Premiere im mehrfachen Sinn. Noch nie gastierte ein NDR Orchester in den Vereinigten Arabischen Emiraten und noch nie hat es eine Zusammenarbeit mit dem Ballett der Semperoper Dresden gegeben. Das ändert sich nun durch die Teilnahme der NDR Radiophilharmonie beim renommierten Abu Dhabi Festival 2012.

Die Musiker erwarten besondere Erfahrungen und vielfältige Eindrücke. Für NDR.de vor Ort ist die NDR Moderatorin Friederike Westerhaus. Ihre Berichte und Anekdoten sowie Blicke hinter die Kulissen einer Festival-Welt aus 1001 Nacht finden Sie hier.

Kamele machen dem Orchester Konkurrenz

Ausgerechnet Kamele machten der NDR Radiophilharmonie am zweiten Konzertabend Konkurrenz: in Dubai fand der Camel Racing Worldcup statt - eine Top-Sportveranstaltung, die Menschen aus der ganzen Region anlockt. Das Auditorium im Emirates Palace war denn auch nicht so gut besetzt wie beim ersten Auftritt.

Die Radiophilharmonie, das Ballett der Semperoper und Dirigent David Coleman ließen sich davon allerdings nicht irritieren und gestalteten einen rundum gelungenen Abend, der vom vorhandenen Publikum eifrig beklatscht wurde.

NDR Radiophilharmonie, Orchesterreise Abu Dhabi © NDR/ NDR Radiophilharmonie Foto: Friederike Westerhaus
Viele Musiker hatten den Vormittag für einen Besuch auf dem zentralen Markt von Abu Dhabi, dem "Souk" genutzt.

Die meisten Musiker hatten den Tag für ein Bad im salzigen Golfwasser genutzt oder waren durch den "Souk", den zentralen Markt von Abu Dhabi geschlendert. Entworfen haben das Gebäude Star-Architekt Norman Foster und Partner - eine reizvolle Kombination aus traditionellen arabisch-asiatischen und modernen Elementen. Die dort erstandenen Souvenirs wurden denn auch gleich in die Koffer gepackt, denn am nächsten Morgen ging’s um 6.15 Uhr los zum Flughafen.  

Stress in letzter Minute

Am Flughafen verlief soweit alles reibungslos - für die meisten jedenfalls. Ein Musiker aber hatte Pech: Er hatte seinen Reisepass während der Tournee im Instrumentenkoffer aufbewahrt und vergessen, ihn vor der Abfahrt herauszunehmen. Nach dem zweiten Konzert packte er seinen Instrumentenkoffer in die Transportkiste und stellte schweißgebadet fest, dass er den Pass darin vergessen hatte - zu spät.

Die Instrumente befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits irgendwo über den Wolken, auf dem Cargo-Flug nach Deutschland. Weder Überredungskünste noch eine farbige Passkopie halfen am Flughafen: Der Musiker durfte das Land nicht verlassen. Einfach so zur deutschen Botschaft gehen? Klar! Vorläufiger Pass dauert aber drei Tage. Nicht gerade super.

Die Lösung war nach unzähligen Telefonaten gefunden und sah extrem unkonventionell aus - und eine große Portion Glück war auch dabei: Das Team, das den Cargo in Deutschland entlud, öffnete die betreffende Kiste, packte den Instrumentenkasten aus, zog den Pass heraus und gab ihn einem Crewmitglied. Die Crew flog glücklicherweise noch am selben Tag wieder zurück nach Abu Dhabi. Und dort fand am Flughafen die Übergabe statt.

Neue künstlerische Erfahrungen, kultureller Austausch - Resümee

Derweil sind die übrigen Musiker schon wieder heil in Hannover angekommen – bis auf eine kleine Gruppe Blechbläser, die noch bei einem weiteren Konzert in Abu Dhabi mitwirkt und planmäßig später eintrifft.

NDR Radiophilharmonie, Orchesterreise Abu Dhabi © NDR/ NDR Radiophilharmonie Foto: Friederike Westerhaus
Das Orchester empfand die Tournee als Bereicherung - besonders die Zusammenarbeit mit dem Ballett.

Unterwegs ließen die Musiker die Reise Revue passieren. Cellist und Orchestervorstand Carsten Jaspert empfand die Tournee insgesamt als eine große Bereicherung. Nicht zuletzt wegen des Programms: "Ein Ballett zu spielen, war uns eine neue Erfahrung und eine spannende Sache. Ich finde es gut, wenn wir das wieder machen." 

"Ich finde es schön, dass es dieses Festival gibt, und das dadurch der Austausch zwischen den Kulturen versucht und angeschoben wird", sagt Geigerin Theresia Vit. "Aber ich glaube, es steckt noch in den Kinderschuhen. Ich hatte mir ehrlich gesagt erhofft, dass es ausverkauft sein würde - gerade bei so einem hochkarätigen Ballett. Aber das liegt vielleicht daran, dass das hier noch was Neues ist und sich erst etablieren muss. Was den kulturellen Austausch betrifft, muss ich sagen, dass man viele Leute trifft, meistens Hotelangestellte oder Taxifahrer, die aber meist aus Pakistan oder Indien sind. Mit denen haben wir viele Schwätzchen gehalten. Aber mit den Einheimischen sind wir nicht so recht in Kontakt gekommen."

Guter Ansatz am Ende eines langen Tages

Ein langer Reisetag, 15 Stunden inklusive Zeitverschiebung. Trompeter Jochen Dittmann kündigt kurz vor Hannover an, dass er gleich zu Hause noch einmal sein Instrument auspacken werde - wenigstens eine halbe Stunde lang. Nur ein paar Töne. Sonst sei’s am nächsten Tag umso schwieriger, den richtigen Ansatz zu finden.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/orchester_chor/radiophilharmonie/abudhabiblog101.html

Orchester und Chor