Stand: 19.07.2017 08:54 Uhr

Gänsehaut-Feeling bei der ersten Tuttiprobe

Der große Moment ist da: Die Solisten, der Chor und die NDR Radiophilharmonie proben zum ersten Mal gemeinsam Verdis "Rigoletto" für das vierte NDR Klassik Open Air. Das Orchester hatte sich bereits Ende Juni mit der Dirigentin Keri-Lynn Wilson zu ersten Proben getroffen, die Solisten waren am Sonntag zur Klavierprobe im Großen Sendesaal des NDR Landesfunkhauses in Hannover. Nun herrscht dort eine angenehme Vorfreude.

Erstaunlich gute Harmonie - trotz Pause

Mit viel Elan starten die Musiker in die ersten Takte. Durch ihre dramatische und effektvolle Musik reißt Giuseppe Verdis Oper von Beginn an mit. Dass das Orchester gerade eine dreiwöchige Pause hinter sich hat, merkt man nicht. "Wir spielen trotz der Pause erstaunlich gut zusammen", meint der Geiger Uwe Fietkau, und lobt die Arbeit mit Dirigentin Wilson: "Sie ist sehr zielstrebig, sie arbeitet im großen Bogen, und das bringt uns wirklich voran." Der Sänger Martin-Jan Nijhof ist bereits zum vierten Mal beim NDR Klassik Open Air - und ganz begeistert von der Dynamik des Orchesters: "Man sieht den Musikern ihre Energie auch an ihren Bewegungen an. Es ist immer gute Atmosphäre. Ich glaube, dass das Orchester einfach Spaß daran hat, Oper zu spielen, denn das kommt für sie ja nicht so oft vor."

Stimmliche Weltklasse

Als dann die Solisten einsetzen, halten manche Orchestermusiker den Atem an. Man spürt sofort das Weltklasse-Niveau, das hier vertreten ist. "Ich finde es wieder unglaublich, was wir im ganzen Ensemble für eine Qualität haben", meint auch Orchestermanager Matthias Ilkenhans. "Tézier ist vielleicht zur Zeit der 'Rigoletto' überhaupt, Nadine Sierra wird bald 'La Bohème' am Covent Garden singen - sie singt unglaublich schön. Stephen Costello singt diese Rolle ja auch an der Met - und sie alle hier auf der Bühne zu haben, das ist schon ein Gänsehaut-Gefühl." Eines, das man sofort hört: Nadine Sierra verfügt über eine umwerfende klangliche Brillanz und bezaubert mit der Leichtigkeit, mit der sie auch schwierigste Lagen meistert. Nach ihrer Arie "Caro nome" erntet sie großen Applaus für ihre berührende Empfindsamkeit und Virtuosität. Stephen Costellos Tenor überzeugt mit Verve und musikalischem Charme. In der Titelrolle schließlich brilliert Ludovic Tézier mit großer stimmlicher Präsenz und Ausdruckstiefe. "Tézier macht wirklich Vorfreude auf italienische Oper, das ist toll", findet der Hornist Johannes Otter.

Familiäre Atmosphäre

Trotz des engen Zeitplans bleibt die Stimmung während der Probe angenehm entspannt. Dass sich die Sänger teilweise schon gut kennen, merkt man an der familiären und lockeren Atmosphäre, an kleinen Scherzen am Rande und viel Lachen. Stephen Costello ist begeistert: "Großartig, es macht Spaß und ist wirklich aufregend!" Auch der Saal hat es ihm angetan, er lobt die Akustik, die das Singen leicht mache, - und fragt sich schon, wie es auf der "echten" Bühne werden wird. Martin-Jan Nijhof ist auch neugierig, wie sich die Lichteffekte am Rathaus machen werden: "Ich finde, das ist eine super Idee. Dadurch bekommt auch das Publikum im Park noch mehr zu sehen. Ich bin gespannt, ob wir auf der Bühne dann auch immer nur auf die Lichtveränderungen schauen", lacht er. Hautnah erleben können sie das schon bald, denn die nächste Probe findet am Rathaus statt. Und die musikalische Qualität verspricht schon jetzt ein umwerfendes Opernerlebnis.

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Publikum vor der Bühne des NDR Klassik Open Air 2019 in Hannover © NDR Foto: Axel Herzig

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 22.07.2017 | 19:30 Uhr

Orchester und Chor