Stand: 05.11.2005 11:55 Uhr

NDR Sinfonieorchester feiert Geburtstag

Das NDR Sinfonieorchester feiert sein 60-jähriges Bestehen. Das Ereignis wird auch heute mit einem Konzert in der Hamburger Laeiszhalle begangen. Christoph von Dohnányi dirigiert Werke von Bela Bartók und Anton Bruckner. Das erste Geburtstagskonzert fand gestern statt.

Die Hörfunkwelle NDR Kultur überträgt das Jubiläumskonzert am 7. November ab 20.00 Uhr live.

Die Anfänge

Am 13. Juni 1945 hatten der Dirigent Hans Schmidt-Isserstedt und zwei britische Offiziere im Hartje-Hof in Holm bei Wedel den Aufbau eines neuen Orchesters besiegelt. Bereits eine Woche später, am 20. Juni 1945, begann im Studio 1 des Nordwestdeutschen Rundfunks NWDR die Probenarbeit. Am 1. November 1945 stellte sich das Orchester dem Hamburger Publikum in seinem ersten Abonnementkonzert vor. Auf dem Programm stand neben Ludwig van Beethovens Ouvertüre zum Trauerspiel "Egmont" und Johannes Brahms¿ Doppelkonzert die "Schicksalssinfonie" eines russischen Komponisten: die Fünfte Sinfonie in e-moll op. 64 von Peter Tschaikowsky.

Das Ensemble wurde rasch über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt. Bereits 1949 unternahm es eine Deutschland-Tournee. Im Jahr darauf folgte eine erste Auslandsreise nach Paris. Weitere wichtige Konzertreisen brachten dem NDR Sinfonieorchester als einem der ersten Rundfunkorchester in der jungen Bundesrepublik große internationale Anerkennung. Während der Ära Schmidt-Isserstedt waren Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler, Hans Knappertsbusch, Erich Kleiber, Otto Klemperer, Ferenc Fricsay und Karl Böhm am Pult des NDR Sinfonieorchesters zu Gast.

Große Namen am Pult

In den sechs zurückliegenden Jahrzehnten hat sich das NDR Sinfonieorchester neben der Pflege des klassisch-romantischen Repertoires - unter Dirigenten wie Klaus Tennstedt, Günter Wand, John Eliot Gardiner und Herbert Blomstedt - auch intensiv der Präsentation der zeitgenössischen Musik gewidmet. Dirigenten und Komponisten wie Bruno Maderna, Hans Rosbaud, Pierre Boulez, Michael Gielen und Krzysztof Penderecki leiteten bedeutende Uraufführungen in Hamburg.

Christoph von Dohnányi © (c) dpa - Fotoreport
Christoph von Dohnányi

Das Orchester spielt heute in eigenen Konzert-Abonnements in Hamburg, Lübeck, Kiel sowie Bremen. Unter der Leitung seines Chefdirigenten Christoph von Dohnányi und seines Ersten Gastdirigenten Alan Gilbert ist das Orchester regelmäßig auf Konzertreisen zu hören, die es auf die großen europäischen Konzertbühnen, aber auch bis nach Japan und Südamerika führen.

Grußworte prägender Wegbegleiter

Christoph Eschenbach, von 1998 bis 2004 Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters, schreibt in seiner Grußadresse an das Orchester: "Entwicklung, Vision, Neuland, Entdeckung, Phantasie nach vorn stand immer auf Ihrer Visitenkarte. (...) Behalten Sie Ihre wunderbare, uneingeschränkte Offenheit der neuen Musik gegenüber, deren Szene so reich ist und so bereichernd: Arbeiten Sie eben da, wo das wirklich Schöpferische seinen Anfang hat. Pflegen Sie weiter Ihre hohe Moral der offenen Kollegialität, den Respekt vor dem Anderen und die Liebe, mit ihr oder ihm zu musizieren: Die Qualität des Kollektivs liegt immer im unlimitierten Leben des Einzelnen; deswegen haben Sie den Anspruch, Künstler zu sein!"

Eschenbachs Vorgänger Herbert Blomstedt verband seine Grüße mit einem besonderen Wunsch: "Für die Zukunft des Orchesters wünsche ich ihm vor allem etwas, was es nie hatte: Einen Konzertsaal, wo es regelmäßig proben kann. Nur so kann das Orchester seinen herrlichen Klang pflegen und zu voller Blüte entwickeln."

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