Sendedatum: 07.01.2008 20:05 Uhr

Die Schöpfung eines Giganten

Sinfonie Nr. 8 c-Moll von Anton Bruckner

Sendetermin:
Montag, 7. Januar 2008, 20.05 Uhr, auf NDR Kultu
r

Konzerttermine:
Donnerstag, 6. Dezember 2007, 20.00 Uhr
Freitag, 7. Dezember 2007, 20.00 Uhr
Hamburg, Laeiszhalle, Großer Saal
Samstag, 8. Dezember 2007, 20.00 Uhr
Lübeck, Musik- und Kongresshalle

Der berühmt gewordene Satz Gustav Mahlers, wonach eine Sinfonie "etwas Kosmisches an sich haben" und "unerschöpflich wie die Welt und das Leben sein" müsse, lässt sich ohne weiteres auch auf die monumentale Sinfonik Anton Bruckners beziehen.

Vor allem die Achte Sinfonie Bruckners wird diesem Anspruch gerecht, ist sie doch zweifellos das gewaltigste Werk des Komponisten, das bezüglich seiner Ausdehnung auf 2.000 Takte und hinsichtlich seiner umfangreichen Besetzung innerhalb des Brucknerschen ¿uvres einzigartig ist.

Bruckners größter Erfolg

Die Arbeiten an der Sinfonie begann Bruckner im Juni 1884; nach drei Jahren, am 9. August 1887, war die Erstfassung fertiggestellt. Der Dirigent Hermann Levi, den Bruckner seit der triumphalen Aufführung seiner Siebten Sinfonie in München (1885) seinen "künstlerischen Vater" nannte, lehnte die Uraufführung des Werkes ab. Bruckner verfiel daraufhin in schwerste Depressionen, begann schließlich aber mit einer umfassenden Revision des Werks. Diese Fassung erklang erstmals am 18. Dezember 1892 in einem Konzert der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Hans Richter. Dieser Abend wurde zu einem der größten Erfolge Bruckners überhaupt.

Wie überwältigend der Eindruck beim zeitgenössischen Publikum war, ist einem Bericht des 32-jährigen Hugo Wolf zu entnehmen: "Die Sinfonie ist die Schöpfung eines Giganten und überragt an geistiger Dimension, an Fruchtbarkeit und Größe alle anderen Sinfonien des Meisters. Der Erfolg war (¿) ein fast beispielloser. Es war ein vollständiger Sieg des Lichts über die Finsternis, und wie mit elementarer Gewalt brach der Sturm der Begeisterung aus, als die einzelnen Sätze verklungen waren."

Urfassung von fremder Hand verändert

Christoph von Dohnányi © (c) dpa - Fotoreport
Christoph von Dohnányi

Ungeachtet dieses Erfolges enthielt der im Jahr der Uraufführung erschienene Erstdruck von Bruckners Achter Sinfonie zahlreiche Bearbeitungen von fremder Hand, durch die das vom strahlenden Fortissimo der Blechbläser bestimmte Klangbild stark abgemildert wurde. Erst die Neuauflage der Revisionsfassung aus dem Jahr 1939 tilgte diese Eingriffe. Allerdings vermischte der Herausgeber Robert Haas beide Fassungen, um "den echten Sinn und Klang wiederherzustellen". Diese Version stellt den charakteristischen Originalklang wieder her und macht die von Bruckner vorgenommenen Kürzungen rückgängig.

Christoph von Dohnányi, der gemeinsam mit dem NDR Sinfonieorchester die Achte Sinfonie Anton Bruckners in Hamburg und Lübeck zur Aufführung brachte, hatte sich für die revidierte Haas-Fassung entschieden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Elbphilharmonie Orchester | 07.01.2008 | 20:05 Uhr

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