Stand: 06.06.2015 23:12 Uhr

Tournee-Tagebuch #15: Titanen

NDR Kultur-Moderatorin Friederike Westerhaus begleitete das NDR Sinfonieorchester auf seiner Asien-Tournee und berichtete bis zum 6. Juni an dieser Stelle von Konzerten, Meisterklassen und Backstage-Erlebnissen in Südkorea, China und Japan.


01:40 Uhr - Nagoya, 7. Juni

Tagebuch 15: Titanen

"Sie sind alle Helden, Sie sind alle Titanen! Als achtes Konzert so einen Mahler zu spielen, das ist wirklich unglaublich!"  - mit diesen Worten begrüßt der gut gelaunte Thomas Hengelbrock die Musiker zur Anspielprobe auf der Bühne des Aichi Prefectural Art Theater in Nagoya.

Gestern hat das Orchester zum letzten Mal Mahlers Erste Sinfonie mit dem Beinamen "Titan" auf dieser Tournee gespielt, noch einmal voller Verve und Leidenschaft.

Es ist 13 Uhr, in zwei Stunden beginnt das letzte Konzert der Tournee. Auf dem Programm: Dvořáks "Carnival"-Ouvertüre, Mendelssohns Violinkonzert und Beethovens Siebte Sinfonie. Die Musiker sind erst um 12 Uhr in Nagoya angekommen, vom Bahnhof aus ging es direkt zum Konzertsaal. Dort standen Lunch-Pakete bereit.

Heldenhafte Stage Crew

Über Nacht wurden bereits die Instrumente mit dem Lastwagen von Tokio nach Nagoya gebracht. Morgens um 6 Uhr fuhren Orchesterinspizient Benedikt Burkard und seine Kollegen von der Stage Crew hinterher - lange vor dem Orchester.

Orchesterinspizient Benedikt Burkhard beim Bühnenumbau
Aufbauen, umbauen, abbauen, Verladung, Entladung und unendlich viel Organisation - die Tage für Orchesterinspizient Benedikt Burkhard sind lang.

53 Kisten, 5700 Kilogramm, 52 Kubik - nach dieser ausgedehnten Tournee spult Burkard die Zahlen wie im Schlaf herunter. Die Crew hatte durch die vielen Transporte noch weniger Pausen als die Musiker. Wie es ihm geht?  "Mehr Ringe als Augen", sagt Benedikt Burkard - und lacht. Dass er auch im größten Stress immer gut gelaunt bleibt und für die Musiker ein Lächeln hat, schätzen sie sehr an ihm.

Perfekter Abschluss einer langen Tournee

Das Timing ist heute perfekt: Hätte das Konzert zwei Minuten länger gedauert, hätte nachbezahlt werden müssen. Punktlandung.

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Friederike Westerhaus © NDR Foto: Christian Spielmann

Tournee-Tagebuch

In ihrem Tournee-Tagebuch berichtete Friederike Westerhaus von der Gastspielreise des NDR Sinfonieorchesters nach Korea, China und Japan. Lesen Sie hier alle Einträge. mehr

"Wir haben uns von allen Sälen vorab Pläne schicken lassen, um die Aufstellungen zu planen. Vor Ort muss alles ganz schnell gehen", erzählt der Orchesterinspizient. Zur Unterstützung werden in den Sälen Helfer engagiert. "Am ersten Tag in Seoul hatten wir allerdings ein Problem: Aus irgendeinem Grund waren die Helfer für eine falsche Uhrzeit gebucht. Die hatten irgendwann Schluss - und wir standen alleine da. Da sind wir extrem ins Schwitzen geraten."

In Japan habe er die besten Erfahrungen gemacht: "Die Teams hier sind sehr pünktlich und schnell. Wenn das Konzert zu Ende ist, kommen ein Dutzend Kollegen wie flinke Ameisen auf die Bühne und ruck-zuck ist die Bühne leer. Das Einpacken insgesamt dauert rund eineinhalb Stunden". Trotzdem: lange Arbeitstage, oft bis tief in die Nacht.

Musikalisches Feuerwerk

Applaus für das NDR Sinfonieorchester in der Konzerthalle des Aichi Prefectural Art Theatre in Nagoya
Standing Ovations beim Tourneefinale im Aichi Prefectural Art Theatre in Nagoya.

Auch musikalisch wird es in Nagoya eine Punktlandung. Nach dem schwungvollen Dvořák serviert Arabella Steinbacher das Mendelssohn-Konzert als köstlich-raffinierten  Zwischengang, mit Finesse gespielt. Und Beethovens Siebte entpuppt sich als fulminantes Tournee-Finale. Im rauschhaften Schlusssatz reißen sich die Musiker gegenseitig mit -  dieses Feuerwerk entzünden sie nicht nur fürs Publikum, sondern auch für sich.

Auf Wiedersehen, Japan!

Zum Dank gibt es laute Bravos vom Publikum. Auf der Bühne umarmen sich am Ende die Musiker noch herzlicher als sonst. Vom Balkon hinter dem Orchester ruft ein japanischer Zuschauer auf Deutsch: "Kommen Sie bald wieder!" Und auch hier klatscht das Publikum so lange, bis Thomas Hengelbrock noch einmal allein auf die Bühne kommt.

VIDEO: Bravos für Thomas Hengelbrock (1 Min)

Orchester und Chor