Stand: 16.08.2013 09:00 Uhr

Weiblicher Wahnsinn

Die russische Sopranistin Olga Peretyatko mit ihrem Arien-Recital "Arabesque"

Bereits 2011 präsentierte sich die russische Sopranistin Olga Peretyatko auf ihrer Debüt-CD für Sony Classical als beeindruckend vielseitige Künstlerin, die in der italienischen Oper genauso brilliert wie im Operettenfach. Auch auf ihrer zweiten CD "Arabesque", die sie mit dem NDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Enrique Mazzola aufgenommen hat, spannt Peretyatko einen weiten Bogen von anspruchsvollem Belcanto bis zur leichten Muse.

Lieblingskomponist: Mozart

Neben Arien von Verdi, Bellini und Johann Strauss hat die längst weltweit an allen großen Opernhäusern gastierende Sopranistin aber nicht nur Partien der Franzosen Charles Gounod und Georges Bizet ausgewählt: Erstmals ist sie auf CD mit Mozart zu erleben, der einer ihrer absoluten Lieblingskomponisten ist. So hat sie Mozarts Konzertarie "Ah se in ciel, benigne stelle" KV 538 genauso aufgenommen wie die dramatische Koloraturarie "Crudele…non mi dir" der Donna Anna ("Don Giovanni") und Susannas idyllische "Rosen-Arie" ("Figaros Hochzeit").

Rares von den Großen

Olga Peretyatkos Kunst, mit lyrisch schwebender Anmut oder mit perfekt gesetzten Spitzentönen sich in die jeweiligen Rollen einzufühlen, ist auch in weniger bekannten Arien zu bestaunen. So singt sie vom Komponisten der "Carmen", Georges Bizet, eine Arie aus seiner symphonischen Kantate über den Entdecker und Seefahrer "Vasco da Gama". Und wie schon auf ihrer ersten CD "La bellezza del canto" glänzt Olga Peretyatko mit einer Rossini-Rarität. Es ist die Arie der Göttin Cerere, die Rossini  1816 in seiner Huldigungskantate "Le nozze di Teti e di Peleo" auftreten lässt. Mit diesem Werk war Olga Peretyatko schon 2010 bei den Rossini-Festspielen in Pesaro aufgetreten, wo sie drei Jahre zuvor ihren internationalen Durchbruch geschafft hatte.

Verdi und Bellini

Olga Peretyatko
Olga Peretyatko

Ihren Ruf als eine der bedeutendsten Verdi- und Bellini-Sängerinnen unserer Zeit unterstreicht Olga Peretyatko mit einem Bolero aus Verdis "Sizilianischer Vesper" und zwei Arien aus Bellinis letzter Oper "I Puritani" ist sie in der Rolle der "Elvira" zu hören, in der sie 2014 an der New Yorker MET debütieren wird. Im Finale von "Arabesque" stellt Peretyatko schließlich ihr Gespür für die Salonmusik und das komische Fach unter Beweis. Als Kammerzofe Adele in Strauss'"Fledermaus" gibt sie die "Unschuld vom Lande". Und während sie sich in einer "Villanelle" in eine "Schwalbe" verwandelt, lauscht man mit ihr in der berühmten Romanze "Solovjej moj" des Russen Alexander Alabjeff dem Gesang einer "Nachtigall".

Trotz idealer Partner: ein Traum bleibt unerfüllt

Mit dem NDR Sinfonieorchester und dem Dirigenten Enrique Mazzola hat die Sängerin ideale Partner gefunden, die ihr viel Raum lassen, ihr einfühlsam folgen und für jedes Stück den charakteristischen Ton treffen, für Mozart einen ganz anderen als für Rossini. Nur eines fehlt zum völligen Glück - jedenfalls für Olga Peretyatko: "Natürlich, ich wollte immer Carmen singen. Aber leider bin ich Koloratursopranistin geworden." (Lacht)

Arabesque

Label:
Sony Classical
Veröffentlichungsdatum:
16.08.2013

Orchester und Chor