Stand: 16.03.2015 09:00 Uhr

Mahler: Sinfonie Nr. 5 und Kindertotenlieder

"Die Fünfte ist ein verfluchtes Werk. Niemand capiert sie." So seufzte Gustav Mahler über seine Fünfte Sinfonie - und gab ihr damit zugleich einen Stempel mit, der sich über lange Zeit als nur allzu wahr erweisen sollte.

Neuanfang mit Nummer 5

Mahler hatte in seiner Fünften Sinfonie wieder einmal Neuland betreten. Seine Erste Sinfonie beinhaltete orchestrale Zitate seiner eigenen "Wunderhorn"-Lieder und die drei folgenden Sinfonien stellten ausgesuchte Vokalsätze derselben in einen neuen Zusammenhang. Die meisten Mahler-Exegeten sprechen von dieser "Tetralogie" (so Mahler selbst über seine Sinfonien 2 bis 4) als den "Wunderhorn-Sinfonien". Das Jahr 1901, als Mahler die ersten Skizzen seiner Fünften Sinfonie in seinem Sommer-Cottage in Maiernigg am Wörthersee entwirft, ist der Beginn seiner "mittleren" Schaffensperiode, einer Phase, die von seinen drei rein instrumentalen Sinfonien Nummer 5, 6 und 7 dominiert wird.

Tennstedt und das NDR Sinfonieorchester

Im Porträt
Klaus Tennstedt dirigiert © picture alliance / dpa Foto: The London Philharmonic Orchestra

Klaus Tennstedt: umstritten und gefeiert

1979 übernahm Klaus Tennstedt das NDR Sinfonieorchester, das zuvor lange Zeit nach einem Chefdirigenten gesucht hatte. Es dauerte drei Jahre bis Tennstedt das Orchester im Streit verließ. mehr

Klaus Tennstedt, Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters von 1979 bis 1981, hat im Jahr 1980 eine höchst transparente, vitale und expressive Interpretation von Mahlers Fünfter eingespielt. Obwohl hiezulande wenig bekannt, zählen viele Tennstedts Mahler-Aufnahmen zu den allerschönsten.

In der zweiten Einspielung der CD singt Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender Mahlers bewegende "Kindertotenlieder" mit kluger Musikalität und ohne je Gefahr zu laufen, sich eines unnötigen demonstrativen Gefühlsüberschwangs schuldig zu machen.

Beide Aufnahmen sind im März 2015 vom Label PROFIL Edition Günter Hänssler neu als CD veröffentlicht worden.

Ausgezeichnet: ein "eminenter Mahler-Dirigent"

Am 25. Juli 2015 wählte eine fünfköpfige Fachjury die Aufnahme zum Gewinner des Internationalen Mahler Schallplattenpreises "Toblacher Komponierhäuschen 2015" in der Kategorie Wiederveröffentlichungen. Tennstedt agiere auf der Höhe seiner physisch-geistigen Kräfte, heißt es in der Begründung der Jury. Er fasse Mahlers Fünfte "mit heftigen Akzenten und stürzenden Tonkaskaden in eine radikale klangliche Gestalt: eine düster Achterbahnfahrt der Wahrnehmungen und Ereignisse. In den 'Kindertotenliedern', die Tennstedt fünf Monate später im Kieler Schloss ähnlich intensiv dirigierte, erlebt man eine grandios sich in Rückerts Verse versenkende Solistin Brigitte Fassbaender. Auch dieses Dokument bestätigt den Rang dieses eminenten Mahler-Dirigenten."

Gustav Mahler. Symphony no. 5 in C sharp minor | Kindertotenlieder

Label:
PROFIL Edition Günter Hänssler
Veröffentlichungsdatum:
16. März 2015
Mehrere CD-Cover © NDR

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