Stand: 28.09.2012 11:00 Uhr

Die Akademie - eine Investition in die Zukunft

Im Februar 2012 wurde die Akademie des NDR Sinfonieorchesters, heute: Akademie des NDR Elbphilharmonie Orchesters als gemeinnütziger Verein gegründet. Die Vorstands-Mitglieder Jürgen Franz (Flöte) und Christoph Rocholl (Violoncello) gaben Auskunft über Motivation, Ziele und Angebot der Akademie und berichteten dabei auch von ihren persönlichen Erfahrungen beim Berufseinstieg.

Herr Franz, Herr Rocholl, von wem ging eigentlich die Initiative zur Einrichtung einer Orchesterakademie aus und was waren dabei die Beweggründe?

Jürgen Franz: Es fing an mit der Gründung eines Orchesterrats im NDR Sinfonieorchester. Hier kam dann relativ schnell die Idee auf, eine Orchesterakademie einzurichten, wie sie ja auch zahlreiche andere Orchester anbieten. Wir sind der Meinung, dass man Jugendliche an den Beruf eines Orchestermusikers am besten durch praktische Erfahrungen heranführen kann – und so bildete sich im Orchesterrat vor etwa zweieinhalb Jahren eine Findungs-Kommission zur Gründung der Akademie. Die Initiative kam dabei explizit aus dem Orchester heraus.

Porträt: Jürgen Franz, Flötist des NDR Elbphilharmonie Orchesters © NDR Foto: Gunter Glücklich
Jürgen Franz ist Solo-Piccoloflötist, Sprecher des Orchesterrats und jetzt auch Vorstandsmitglied der Akademie des NDR Sinfonieorchesters.

Der NDR hat sich unser Konzept angeschaut, für sehr positiv befunden und seine Unterstützung zugesagt. Vor allem die Infrastruktur des NDR oder die fachliche Beratung in verwaltungstechnischen Angelegenheiten vereinfachen unsere Arbeit natürlich erheblich, wofür wir sehr dankbar sind – auch dafür, dass wir Thomas Hengelbrock als Schirmherrn und Lutz Marmor als Ehrenvorsitzenden des Vereins gewinnen konnten!

Ansonsten aber ist die Akademie ein vom NDR unabhängiger gemeinnütziger Verein. Jeder, der hier eine Aufgabe übernimmt, macht diese insofern auf ehrenamtlicher Basis.

Christoph Rocholl: Schon seit gut 20 Jahren gibt es bei uns ja Praktikanten, also Musikstudenten, die begleitend zu ihrem Hochschulstudium ausgewählte Projekte im Orchester mitspielen und auf diese Weise einen Einblick in das professionelle Orchesterleben erhalten. Es ging uns nun darum, diese Ausbildung auf eine andere Basis zu stellen: Unsere Stipendiaten – die ab jetzt bereits einen Studienabschluss vorweisen müssen – sollen nicht nur den normalen dienstlichen Alltag kennen lernen, sondern wir wollen sie noch ein bisschen mehr führen und ihre Ausbildung optimieren.

An wen richtet sich demnach die Akademie und wie kann man Stipendiat werden?

Rocholl: Die Akademie richtet sich an Studienabsolventen, die für ein Jahr zu uns kommen wollen, um sich mit unserer Unterstützung vor allem auf die Phase der Bewerbungen bei Orchestern und auf das Leben als Orchestermusiker vorzubereiten. Für das Stipendium wird man nach erfolgreicher Bewerbung – wie auch bei festen Stellen üblich – anhand eines Probespiels ausgewählt.

Junge Musiker mit abgeschlossenem Instrumentalstudium erwartet in der Regel eine sehr schwierige Zeit: Meist ohne gesichertes Einkommen und ohne konkrete Vorbereitung müssen sie zusammen mit unzähligen Mitbewerbern aus aller Welt auf das Gewinnen eines Probespiels hoffen. Ein Stipendium einer Orchesterakademie ist dabei sicherlich sehr begehrt.

Erzählen Sie uns von Ihrem persönlichen Werdegang: Wie hat sich für Sie der Einstieg ins Berufsleben dargestellt? Haben Sie damals eine orchesterspezifische Ausbildung an der Hochschule vermisst?

Porträt: Christoph Rocholl, Cellist des NDR Elbphilharmonie Orchesters © NDR Foto: Gunter Glücklich
Cellist Christoph Rocholl gründete gemeinsam mit seinen Kollegen die Akademie, um jungen Musikern auch auf die Zeit der Stellensuche vorzubereiten.

Rocholl: Als ich damals mein Studium in Detmold abgeschlossen hatte, gab es zwar schon Orchester, die Praktikanten nahmen; es gab auch schon die ersten Akademien (wie z. B. die "Karajan-Akademie" der Berliner Philharmoniker) – das alles war aber noch keine weit verbreitete Kultur. Von daher war ich in meiner Vorbereitung auf Probespiele und auf das Leben in einem Orchester auf mich allein gestellt.

Ich habe dann aus eigener Initiative gezielt bei Professoren, die mal Solo-Cellisten in großen Orchestern waren, Privatunterricht genommen. Aufgrund dieses selbst erfahrenen Mankos bin ich später für acht Jahre mit einem Lehrauftrag an die Detmolder Hochschule gegangen, um die Studenten dort speziell in Hinblick auf Probespiele zu unterrichten.

Insofern war ich auch ganz begeistert, als aus unserem Orchester nun die Initiative kam, sich die intensive Orchester-Ausbildung von Studienabsolventen zur Aufgabe zu machen!

Franz: Bei den Bläsern sind die Stellen ja erstrecht sehr rar – und während meines Studiums in Frankfurt war mir schon klar, dass man es irgendwie schaffen muss, sozusagen den Fuß zwischen die Tür zu kriegen. Denn es ist einfach schwer, überhaupt erstmal eine Einladung zu Probespielen zu bekommen! Da waren diejenigen, die einen Praktikums- oder sogar Akademieplatz hatten, klar im Vorteil. Im Orchesterspiel hatte ich zwar nie große Probleme – u. a. weil ich als kleiner Junge im Musikverein meines Vaters groß geworden bin –, aber der Schritt zum Profiorchester war natürlich etwas anderes! Glücklicherweise bot sich für mich immer wieder die Chance, in der Bühnenmusik zahlreicher Opernhäuser zu spielen, wo ich viele Flötisten kennen lernte.

So kam es dazu, dass ich schon während meines Studiums gelegentlich auch als Orchester-Aushilfe engagiert wurde, wo ich natürlich viele Erfahrungen gesammelt und viele Noten in die Finger bekommen habe. Für diese wertvolle Zeit bin ich noch heute sehr dankbar – und Ähnliches wird ja unsere Akademisten erwarten!

Orchester und Chor