Das Jubiläum muss gefeiert werden!

So viel zur Statistik: 38 Jahre und sechs Wochen, also nicht ganz 457 Monate hat die NDR Bigband gebraucht, um 1.000 Jazz-Konzerte zu geben. Am 1. Juli hat das Orchester dieses Jubiläum in Timmendorfer Strand gefeiert, wo sie im Rahmen des Festivals "Jazz Baltica" mit dem Quartett des Vibrafonisten Wolfgang Schlüter spielte. Der gehörte drei Jahrzehnte lang fest zu dieser Band und war auch schon beim ersten Live-Konzert dabei: am 18. Mai 1974 in der "Fabrik" in Hamburg Altona.
In der "Fabrik" fing es an
Seit dem allerersten Konzert in der "Fabrik" mit Dexter Gordon und Slide Hampton, geleitet übrigens vom Trompeter Dusko Goykovich, wandelte sich die Band stetig zu einem Orchester der Solisten. Zeitgenössische Jazz-Arrangeure stießen zum Orchester - neben Dieter Glawischnig (später Leiter der Bigband und dezidiert der Jazz-Moderne verpflichtet) schrieben immer wieder Michael Gibbs, Colin Towns und Steve Gray. Auch George Gruntz wurde zum Stammgast der Bigband. Sie sind Teil einer Erfolgsgeschichte.
Nicht minder tragend ist die Rolle der Spielstätten: New York zum Beispiel, Beijing oder Rio de Janeiro zählten zu den Orten, an denen die Auftritte der Bigband bejubelt wurden - genauso wie Celle oder Itzehoe, das heimische Rolf-Liebermann-Studio des NDR in Hamburg oder eben jetzt Timmendorfer Strand.
Dem Jazz verpflichtet
Bis zu 70 Konzerte gibt die Bigband mittlerweile pro Jahr, und der Löwenanteil sind Besuche auf den Konzertpodien im NDR Sendegebiet, in jüngerer Zeit immer öfter in Workshops mit Schüler-Ensembles.
Auch auf dem CD-Markt ist die Bigband präsent wie nie. 1988 wurde eine der legendären Aufnahmen des Orchesters veröffentlicht: das letzte Konzert des Trompeters Chet Baker. Rund 50 CDs erschienen seitdem. Einige frühe sind noch immer gefragt, jedoch vergriffen, einzelne erzielen selbst gebraucht Höchstpreise.
Auf der Bühne mit Stars
Weltstars wie Bobby McFerrin oder Al Jarreau kooperierten mit der Bigband, und sie rühmen deren Professionalität und Inspiration auf praktisch jedem Terrain. Denn nicht nur alle Jazz-Sprachen sind dem Orchester vertraut, von A bis Z, also von Armstrong bis Zappa; unter dem neuen Band-Chef Jörg Achim Keller spielt die NDR Bigband auch mit Hakan Hardenberger, dem souveränen Wanderer zwischen den Klassik- und Jazz-Welten, und für John Neumeiers Ballett "Liliom". Auch die jüngeren Arrangeure schreiben für das Orchester - neuerdings in einem Arrangier-Wettbewerb.
So folgt die NDR Bigband heute universell dem Klang unserer Zeit. Aber ohne das erste Konzert vor knapp 457 Monaten wäre das nicht so gekommen. Darum Glückwunsch - auf die nächsten 1.000 Konzerte!
