Sendedatum: 15.05.2020 17:00 Uhr

Pro und Kontra: Scheuer will Strafen reduzieren

von Dirk Rodenkirch, Alex Krämer
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Im Stau keine Rettungsgasse zu bilden, kostet jetzt den Führerschein.

Die neuen Strafen für Tempoverstöße im Straßenverkehr sollen wieder fallen. Bundesverkehrsminister Scheuer hat angekündigt, diese erst kürzlich inkraft getretenen Gesetze zu entschärfen. Lesen Sie hier die Meinungen von Dirk Rodenkirch,, NDR 2 Berlin, und Alex Krämer, NDR 2 Berlin, aus dem NDR 2 Kurier um 5.

PRO: Dirk Rodenkirch

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Dirk Rodenkirch, NDR 2 Berlin

Nein, ich habe kein Herz für Raser. Das schon mal vorneweg. Dennoch finde ich, die verschärften Regelungen zu Fahrverboten sollten in der Tat auf den Prüfstand. Zumindest ein Teil davon. Der für den Verkehr außerhalb von Ortschaften. Denn, wer etwa schon Mal auf der A3 von Frankfurt nach Köln unterwegs war, kennt das: ein Schilderwald, der die Geschwindigkeit gefühlt alle fünf Kilometer neu regelt. Im dicht gedrängten Verkehr ist es da leicht, den Überblick zu verlieren.

Und mal nicht schnell genug von Tempo 130 auf 100 runter zu bremsen. Genau das wird mit der neuen Straßenverkehrsordnung aber hart bestraft: ruck zuck ist der Führerschein einen Monat weg. Egal, ob man erstmals zu schnell unterwegs war oder nicht. Hier sollte stärker differenziert werden. Höhere Bußgelder wären eine Möglichkeit oder mehr Punkte in Flensburg. Als Vorstufe zum Fahrverbot.  Vor allem mit Blick auf die Menschen, die aufs Auto und ihren Führerschein angewiesen sind.

KONTRA: Alex Krämer

Mit Tempo 50 durch die 30er-Zone – das ist fast doppelt so schnell wie erlaubt – und es ist Alltag in deutschen Städten – sogar durch die Spielstraße vor meiner Haustür donnert mindestens einmal die Stunde einer mit mehr als 50 – obwohl er eigentlich Schritt-Tempo fahren müsste. 50 statt 30, das bedeutet, der Bremsweg ist doppelt so lang, das Kind liegt dann eben unterm Auto, statt mit dem Schrecken davon zu kommen, oder die Eltern lassen es  einfach gar nicht mehr vor die Tür – deshalb ist es richtig, dass Rasern in einem solchen Fall ein Fahrverbot droht.

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Die Meinung von Alex Krämer, NDR 2 Berlin.

Bußgelder sind schnell bezahlt, geärgert und vergessen – ein einkassierter Führerschein bleibt länger im Gedächtnis.  Wer das nicht riskieren will, kann sich ja an die Regeln halten. Und die beliebte Ausrede, ach, ich hab das Schild gar nicht gesehen – sorry, die glaub ich in den allermeisten Fällen einfach nicht. Die Aggressivität der Drängler und Raser hat zugenommen. Harte Strafen bei Verstößen können dazu beitragen, das zu ändern. Ein Autohasser bin ich übrigens nicht. Ich fahre sogar gern und besonders gerne auch im Ausland. Dort, wo Geschwindigkeitsbegrenzungen schon länger ernst genommen werden und das Fahren viel entspannter machen

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Der NDR 2 Kurier um 5 | 15.05.2020 | 17:00 Uhr

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