Stand: 20.02.2017 15:27 Uhr  | Archiv

"Save Democracy" - Aufbruch der politischen Mitte

von Melanie Stein

Die politische Mitte ist aufgewacht: Beim Aktionstag "Save Democracy" in Hamburg haben sich mehr als 100 Menschen für demokratische Grundrechte engagiert. Der Aufschwung der Rechtspopulisten mobilisiert auch sie.

Bild vergrößern
Sven und Franziska arbeiten in Kleingruppen für die Jugendbewegung "Demo". Sie sind vor allem daran interessiert, junge Menschen für demokratische Grundrechte zu begeistern.

Vom Politik-Neuling bis zum Alt-Aktivisten, von der Studentin bis zur Unternehmerin - beim Save Democracy Hackday in Hamburg (#SDChh) haben sich am vergangenen Wochenende mehr als 100 Menschen getroffen. Antrieb ihres Aktionismus ist die Sorge, dass die Demokratie in Gefahr ist. "Ich fürchte, dass wir Demokratie als selbstverständlich ansehen und uns nicht mehr so um sie kümmern, wie sie es verdient hat", sagt die 21-jährige Teilnehmerin Franziska. "Und ich glaube, dass das besonders in Zeiten, in denen der Populismus erstarkt, wichtig ist."

Manche hier sind gekommen, weil sie Angst haben, weil sie nicht wissen, wie sie in Gespräche mit Menschen einsteigen sollen, die rechtspopulistischen Ideen verfangen sind. In Diskussionsrunden holen sie sich Tipps. Andere suchen Mitstreiter für konkrete Projektideen, so wie Unternehmer Sven. Er will sich mit Lehrern darüber austauschen, wie die Diskussion über demokratische Grundrechte in den aktuellen Lehrplan integriert werden könnte. "Ich beobachte, dass unsere Gesellschaft immer weiter auseinander driftet, dass Strömungen wie Trump und AfD kein selektives, sondern ein gemeinschaftliches Problem sind. Dagegen will ich Handlungsansätze entwickeln", sagt der 28-Jährige.

"Ich gründe eine Jugendbewegung"

Der Aktionstag von "Save Democracy" findet bereits zum dritten Mal statt. Viele hier sind Politik-Neulinge, so wie die Berlinerin Mareike Nieberding, die für ihr Projekt "Demo" Mitstreiter in Hamburg sucht. "Ich habe mich noch nie vorher politisch engagiert. Ich musste mir das erst mal learning by doing erarbeiten", sagt die 29-Jährige Journalistin, die mit ihrem Versuch, eine Jugendbewegung zu gründen, bereits viel mediale Aufmerksamkeit erhalten hat. Mehr als 3.500 Menschen haben ihre Seite auf Facebook bereits geliked.

Nieberding plant kurz vor den Sommerferien Aktionswochen an vielen deutschen Schulen, um junge Menschen zum Wählen zu motivieren und ihr politisches Selbstbewusstsein zu stärken. Neben Diskussionsrunden organisiert sie auch Partys. "'Demo' soll ja nicht nur Aufklärung, sondern auch Spaß sein. Es ist eine Jugendbewegung. Es darf also auch gefeiert und geknutscht werden".

Neben dem Projekt "Demo" schrauben und tüfteln die Teilnehmer an etwa 20 weiteren Konzepten. Sie bauen Smartphone-Apps, um Menschen schlagfertiger gegen rechte Argumente zu machen oder konstruieren Tische aus Holz, an denen Leute auf Marktplätzen zum Dialog über Demokratie aufgerufen werden sollen. Auch Klingelaktionen an Haustüren werden geplant.

Gibt es einen nachhaltigen Effekt?

Bild vergrößern
Wolfgang Wopperer Beholz ist einer der Initiatoren des Aktionstags, der bis zur Bundestagswahl regelmäßig stattfinden soll.

Initiiert wurde das "Save Democracy Camp" von Unternehmer Wolfgang Wopperer Beholz, der sich den Aktionstag gemeinsam mit einem kleinen Team vom Betahaus in Hamburg ausgedacht hat. Das Betahaus ist ein Coworkingspace, also eine Art Gemeinschaftsbüro, in dem viele junge Start-ups und Freiberufler arbeiten.

Die Hackdays von "Save Democracy" sollen bis zur Bundestagswahl regelmäßig stattfinden. Die Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. "Das wird aber jedes Mal belohnt durch das Erlebnis, dass Menschen dankbar dafür sind: Der Einsteiger ist happy, weil er zum ersten Mal mit anderen reden kann, aber auch der Aktivist ist jetzt nicht mehr so allein", so Wopperer Beholz.

Dieses Erlebnis gebe ihm jedes Mal neue Energie, sich nicht von Donald Trumps Tweets oder Brexit-Verhandlungen ins Boxhorn jagen zu lassen. Doch eine Frage treibt ihn nach wie vor um: "Wir müssen jetzt auch gucken: Was hat das für einen Effekt? Klar fühlen wir uns alle gut an so einem Tag, aber welchen Impact hat das Ganze?" Ob das "Save Democracy Camp" tatsächlich etwas bewirken kann, wird sich wohl erst am Tag der Bundestagswahl zeigen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 20.02.2016 | 07:38 Uhr

Mehr Nachrichten

02:56
NDR//Aktuell

Keine Rettungsgasse: Viele Einsätze verzögert

20.11.2018 14:00 Uhr
NDR//Aktuell
01:25
NDR//Aktuell
00:56
NDR//Aktuell

Alsterschwäne kommen ins Winterquartier

20.11.2018 14:00 Uhr
NDR//Aktuell