Stand: 08.06.2016 12:06 Uhr  | Archiv

Online-Dating - Wie findet ein Herz zum anderen?

von Katharina Jetter, NDR Info

Die Liebe dem Zufall überlassen? Das ist altmodisch. Immer mehr Menschen verlagern die Suche nach dem passenden Partner ins Internet. Monatlich sind in Deutschland mehr als acht Millionen User auf Online-Dating-Portalen aktiv. Aber erhöht das große Angebot an potenziellen Partnern die Chance, auch den richtigen zu finden? NDR Info hat sich umgehört.

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Bei der Partnersuche im Internet oder via Smartphone-App fühlen sich viele Menschen komplett überfordert.

Gleich nach der Anmeldung bei einer Online-Partnervermittlung wartet ein umfangreicher Fragenkatalog auf jeden Neukunden, erklärt Psychologe Markus Ernst. Er berät Singles bei der Online-Partnersuche: "Das heißt, wir kriegen Auskunft über Persönlichkeitseigenschaften, die für Beziehungen besonders relevant sind. Zum Beispiel: Wie gehe ich mit Konflikten um? Bin ich eher extrovertiert oder introvertiert? Dann findet das sogenannte Matching statt, das heißt, wir gucken, wer würde besonders gut zu dieser Person passen, aufgrund ihrer Beziehungspersönlichkeit."

"Dann kommt man in den Shopping-Wahn"

Ein Computerprogramm ermittelt dann kompatible Partner, das können Hunderte sein. Für Singles, die "offline" lange vergeblich das Liebesglück gesucht haben, ist das oft eine Überforderung. Der 49-jährige Andreas Maußner fühlte sich ein bisschen wie im Supermarkt, als er sich durch die Profile der vom Computer für ihn ermittelten Frauen klickte: "Ich habe eine Riesenauswahl, ich nehme nur das Beste. Und weil da ein entsprechendes Überangebot ist, kommt man in diesen Shopping-Wahn. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass viele Leute dann irgendwann nur Suchen um den Suchens willen."

Große Erwartungen können enttäuscht werden

Eine weitere Hürde: Beim Online-Dating wird die normale Abfolge des Kennenlernens umgedreht.  Schon vor dem ersten persönlichen Treffen weiß man nämlich ziemlich viel über den anderen, hat ein Foto gesehen und aus diesen Informationen den idealen Partner zusammenphantasiert. So ging es auch Frauke Hamann, die eine Zeitlang mit Andreas Maußner gemailt hatte: "Ich sehe da gerade so Filme ablaufen, wo der Prinz dann auf dem Pferd daher geritten kommt. Ich glaube, diese Erwartung hat man wirklich."

Die renommierte israelische Soziologin Eva Illouz ergänzt: "Viele Menschen lernen sich im Internet kennen, telefonieren dann, treffen sich. Überwältigend oft ist das dann eine totale Enttäuschung. Und zwar deshalb, weil wir nicht für eine solche Interaktion gemacht sind."

 Auf den festen Willen kommt es an

Das heißt hohe Übereinstimmung bei den Matching-Punkten sagt noch nichts über die gegenseitige körperliche Attraktivität aus. Obwohl es bei Frauke und Andreas nicht sofort gefunkt hat, sind sie mittlerweile ein Paar. Denn weil sie wussten, dass sie in wesentlichen Punkten zusammen passten, haben sie sich wieder getroffen - und einer Beziehung eine Chance geben.

Ohne das Internet wären sie nicht zusammengekommen, aber ohne den festen Willen, wieder eine Partnerschaft eingehen zu wollen, auch nicht, sagt Frauke Hamann: "Ich bin jetzt nicht mehr der Typ dafür, abends in Kneipen zu gehen, um dort jemanden kennen zu lernen, der vielleicht gar keine feste Partnerschaft möchte. Ich finde, das ist ein gutes Tool, um zwei Menschen zusammen zu bringen. Was die dann daraus machen, das kommt auf die beiden drauf an."

Eine Chance für Alleinerziehende oder Ältere

Online-Dating ist längst zum Massenphänomen geworden und eine zeitgemäße Variante der Partnersuche, mit der die meisten ganz offen umgehen, sagt Psychologe Markus Ernst: "Es ist nichts besonderes mehr, sich Unterstützung zu holen in bestimmten Lebensbereichen durch den Computer. Warum nicht auch bei der Partnersuche? Ich denke an die alleinerziehende Mutter, die gar nicht die Chance hat abends wegzugehen. Oder alte Menschen: Der Anteil an 55- oder über 60-jährigen Mitgliedern ist stetig steigend."

Schlechte Aussichten für eine lange gemeinsame Zukunft

So viele Vorteile Online-Dating in bestimmten Lebenssituationen auch haben mag, für eine längere Beziehung ist es eine schlechte Basis. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2014, für die 4.000 Menschen zu ihren Beziehungen befragt wurden. Das Fazit: Partner, die sich online kennengelernt haben, trennten sich deutlich häufiger wieder voneinander, als Paare, die sich offline kennengelernt haben. Warum das so ist, darauf hatten die Forscher allerdings keine Antwort.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 09.06.2016 | 08:08 Uhr

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