Stand: 28.04.2017 16:28 Uhr  | Archiv

Illegale Streamingangebote: Ende einer Grauzone

Das Urheberrecht ist ein kompliziertes aber wichtiges Recht. Und so schnell wie sich unser Konsumverhalten im und mit dem Internet ändert, kommt die Rechtslage in diesem Gebiet meistens nicht hinterher. Mit heftigen Folgen, zum Beispiel für die Musikbranche. Sie hat in den letzten Jahren extreme Einbußen durch illegale Downloads und Streams erleiden müssen. Sie wird noch lange brauchen, um diese Krise vollständig zu überstehen. Mittlerweile gibt es zahlreiche legale Streaming Angebote im Internet, wie Netflix für Filme und Serien oder Spotify für Musik, oder Amazon: für alles. Aber auch illegale Dienste werden noch stark genutzt. Die bieten Inhalte kostenlos an, haben aber überhaupt keine Rechte am Material. Der Europäische Gerichtshof hat nun geurteilt: Auch wer solche Dienste nutzt begeht eine Straftat - nicht nur derjenige, der sie anbietet. Fiete Stegers aus der NDR Netzwelt Redaktion hat sich mit diesem Urteil beschäftigt.

NDR Kultur: Was hat der Europäische Gerichtshof da eigentlich genau geurteilt?

Fiete Stegers hinter Computer-Bildschirmen © NDR Foto: AR
NDR Netzwelt-Redakteur Fiete Stegers

Fiete Stegers: Der europäische Gerichtshof sollte eigentlich über eine Zusatzbox für den Fernseher entscheiden, mit der man sich Inhalte aus dem Internet anschauen kann und zwar nicht nur die der Fernsehsender, sondern auch die von Anbietern, die gar keine Rechte an den Filmen haben. Der EuGH hat jetzt klar gesagt: Sobald jemand weiß, dass der Inhalt illegal ist, dann handelt er auch illegal. In Deutschland war das bisher eine Grauzone. Man schaut den Film im Browser, da ist er höchstens im Zwischenspeicher und man ist fein raus.

Bisher wurde also nur gegen die Betreiber solcher illegalen Streaming Seiten vorgegangen, jetzt rücken auch die Nutzer ins Visier. Worauf müssen Nutzer achten um nicht ausversehen ein illegales Angebot aufzurufen? Finden kann man sie ja ganz leicht.

Stegers: Wenn man bei Google sucht und den Titel eines Films mit den Worten "Stream" oder "Online" kombiniert, sind da tatsächlich die illegalen Angebote zuerst gelistet. Man sollte also auf einen Anbieter zurückgreifen, den man kennt. Die Mediatheken der Fernsehsender oder die großen kommerziellen Dienste zum Beispiel, sonst kann man schnell auf Abwege geraten. Ein deutliches Zeichen ist, wenn man häufig weitergeleitet wird und den Film gar nicht auf der ursprünglichen Seite gezeigt wird.

Wie kann denn eigentlich herausgefunden werden, dass ich einen Film auf illegalen Wegen gesehen habe?

Stegers: Jeder Internetnutzer ist über die IP-Adresse identifizierbar, die dem Computer zugeordnet wird. Wenn ich jetzt auf einer Seite etwas anschaue, kriegt das erst einmal nur der Anbieter zu sehen. Bei dem müsste also eine Razzia durchgeführt werden. Und wenn der dann die Daten gespeichert hat, wie zum Beispiel meine E-Mail-Adresse, dann kann man das leicht zuordnen. Eine Abmahnwelle ist jetzt also erst einmal nicht zu erwarten, aber es wird viele Fälle geben, bei denen entschieden werden muss: War das für den Nutzer zu erkennen, dass das illegal ist, oder war es das nicht?

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 28.04.2017 | 15:40 Uhr

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