Stand: 27.01.2016 14:25 Uhr  | Archiv

Aufgehorcht: Podcasts kehren zurück

von Stefanie Groth und André Kroll
Auge sieht durch eine Lupe © Fotolia.com Foto: by-studio
Podcasts sind ein Nischenprodukt, durch spannende Storytelling-Formate wie "Serial" gewinnen sie aber an Popularität.

Laut der ARD-ZDF-Onlinestudie 2015 nutzen 5 Prozent der deutschsprachigen Onlinenutzer mindestens ein Mal pro Woche Audio-Podcasts, unter den 14-29 Jährigen sind es 9 Prozent. Die Zahlen zeigen, dass Podcasts ein Nischenprodukt sind, in dem allerdings viel Potenzial steckt, wie der Erfolg neuer Angebote beweist. Über 8 Millionen Menschen verfolgten die zwölfteilige US-Serie "Serial", in dem eine Journalistin zu einem alten Mordfall recherchiert - ein Podcast-Rekord.

Von den Rekordzahlen aus den USA ist Holger Klein weit entfernt, obwohl er zu den erfolgreichsten Podcastern in Deutschland gehört. Unter dem Label WRINT ("wer redet ist nicht tot") gibt's Interviews zu den Themen Wissenschaft, Personen, Politik oder Kochen, die der hauptberufliche Radiomacher in seiner Freizeit mit verschiedensten Personen führt. Um die 20.000 Zuhörer sind regelmäßig dabei - per Download, als Stream oder per Anlieferung über einen RSS-Feed kommt die Audiodatei zu den Abonnenten, sobald sie veröffentlicht ist. Und damit wären wir auch schon beim Problem: Podcasts zu konsumieren, ist mit Hürden verbunden.

Smartphones erleichtern Podcast-Konsum

"Ich muss mir eine Software installieren auf meinem Handy oder im PC. Bei Apple kommt das mit. Ich muss lernen, wie es funktioniert. Muss herausfinden, welche Sendungen es gibt", so Klein. Die Einstiegshürden sind hoch, werden aber zunehmend niedriger. Zumal heutzutage niemand mehr am PC sitzen muss oder einen MP3-Player braucht - per Smartphone können Podcasts daheim oder unterwegs besorgt und gehört werden. Man muss nur wissen wo bzw. wie.

"Laberformate", Infotainment, Serien-Podcasts

Die deutschen Podcast-Charts bei iTunes führt heute "Sanft&Sorgfältig" an. Ein "Laberformat", wie überhaupt zu viele Podcasts, so Fachmann Nicolas Semak in der "Wired": "Es ödet mich zu Tode an, dass wir bisher so gut wie nichts hinbekommen haben, was unseren Möglichkeiten auch nur im Ansatz gerecht wird." Mikro an und loslabern, das könne es nicht sein. Er fordert Mut, Content fürs Kopfkino zu produzieren. Doch das ist nicht so leicht. Seit dem Erfolg von "Serial" sind atmosphärisch erzählte Serienformate zwar der Hype in der Szene, aber Aufwand und Kosten für Hobby-Podcaster wahrscheinlich zu hoch. Allerdings nicht für Radiosender, die viele Sendungen, Comedy und Wissensformate bereits als Podcast anbieten und die Charts damit dominieren.

"Serial"-Hype eine Chance für Radiosender

"Serielles Erzählen ist ein Zeitgeistphänomen. Wir kennen es von amerikanischen Fernsehserien, das ist total gefragt. Und ich finde, dass es auch in journalistischer Hinsicht ein Gewinn ist, und dass es öffentlich-rechtlichen Sendern gut zu Gesicht steht. Dass es etwas ist, was wir leisten können und leisten sollten", so Philip Meinhold, der für radioeins vom RBB den Serien-Podcast "Wer hat Burak erschossen" produziert. Er recherchiert in neun Folgen zu einem echten Kriminalfall, der nie aufgeklärt wurde. Auch NDR 2 ist mit "Täter unbekannt" auf den Hype aufgesprungen und hat mit den Recherchen sogar erneute Polizei-Ermittlungen ausgelöst.

Noch dominieren in den Podcast-Charts "Laberformate", Comedy und Infotainment-Happen, doch gut gemachte Hörspiele oder Serienformate finden ihr Publikum, das zeigt der Radio-Tatort ebenso wie die neuen "Serial"-Produktionen. Letztere könnten Podcasts insgesamt zu einer größern Popularität verhelfen, von der am Ende alle in der Szene profitieren.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 27.01.2016 | 23:20 Uhr

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