Stand: 29.01.2012 08:05 Uhr Archiv

... Astrid Lindgren?

von Jörgpeter von Clarenau, NDR Info

Pippi Langstrumpf gehört zu den berühmtesten Kindern der Welt. Dieses mutige, rotzfreche und immer schrill angezogene Mädchen hat sich Astrid Lindgren ausgedacht. Wie das kam? Der schwedische Winter ist schuld. Ohne ihn hätte es Pippi nie gegeben. Denn Astrid Lindgren war ausgerutscht, hatte sich den Knöchel verstaucht und der Arzt verordnete strenge Bettruhe.  Weil sie sich im Bett furchtbar langweilte, entschloss sie sich, die Pippi-Geschichten, die sie ihrer Tochter Karin immer abends erzählt hatte, aufzuschreiben.

Astrid Lindgren hat Pippi Langstrumpf erfunden

Es war eine gute Idee von Astrid Lindgren, vielleicht die beste ihres Lebens, Pippis Abenteuer aufzuschreiben. So begann  nämlich der märchenhafte Erfolg der Schriftstellerin Astrid Lindgren. Sie staunte oft selbst darüber, wie es passieren konnte, dass ihre Figuren von Kindern in aller Welt sofort ins Herz geschlossen wurden: Michel aus Lönneberga. Ronja Räubertochter. Karlsson vom Dach. Lotta. Und ein berühmter Detektiv, den von gut 50 Jahren jedes Kind kannte: "Kalle Blomquist"

Aus vielen ihrer Bücher wurden Hörspiele und Filme gemacht

CD-Cover des NDR Hörspiel Kalle Blomquist Meisterdetektiv © Oetinger/NDR

Nicht nur Kalle Blomquist, auch die anderen Bücher von Astrid Lindgren wurden zu Hörspielen und Filmen - das trug mit dazu bei, dass diese Autorin aus Schweden ein Weltstar wurde. Das Geheimnis ihres Erfolgs ist vielleicht ganz einfach: Astrid Lindgren nahm Kinder ernst. Und Kinder fühlen sich bis heute von ihr verstanden. Nicht nur, wenn das Leben zum Lachen ist, wie in vielen Pippi- oder Michelgeschichten, sondern auch, wenn es um Kummer und Traurigkeit geht. Die Brüder Löwenherz zum Beispiel begegnen Krankheit und Tod und schöpfen doch Mut und Kraft, weil sie einander Halt geben. Mit so viel Liebe und menschlicher Wärme kann man nur schreiben, wenn man ein bisschen Kind geblieben ist. So hat es Astrid Lindgren selbst einmal gesagt. Und sie sagte, dass sie anderen Kindern immer etwas abgeben wollte von den Erfahrungen ihrer tollen Kinderjahre. 

Astrid Lindgren ist in Näs / Vimmerby in Schweden geboren

"Ja, beinah kann man sagen, ich wurde in Bullerbü geboren. Es hieß in Wirklichkeit "Näs". Da in einem rotgemalten alten Haus von Apfelbäumen umgeben, bin ich geboren. Und wohl war ich glücklich in einer guten und heilen Welt mit meinen Eltern und Geschwistern aufzuwachsen. Wir spielten! Wir kletterten wie Affen auf Bäume und Dächer und badeten im Fluss lange bevor wir schwimmen konnten. Aber wir überlebten, alle vier."

Astrid Lindgren wurde mit Preisen überschüttet. Zu ihrem 80. Geburtstag hat sie sogar den höchsten schwedischen Orden bekommen. Im hohen Alter machte sie sich manchmal ein bisschen lustig über den Rummel, der um sie gemacht wurde. Aber sie nahm Ehrungen gern persönlich entgegen, denn so konnte sie die Gelegenheit nutzen, sich für die Kinder in der Welt einzusetzen.

Das tat sie zum Beispiel bei einer berühmt gewordenen Ansprache in der Frankfurter Paulskirche. Da wurde ihr der Friedenspreises des Deutschen Buchhandels verliehen. Sie sagte, dass man die viele Gewalt in der Welt nicht hinnehmen dürfe und forderte die Erwachsenen auf, Kindern friedliches Verhalten vorzuleben:

"Müssen wir ihnen denn nicht wenigstens daheim durch unser Beispiel zeigen, dass es eine andere Art zu leben gibt? Vielleicht wäre es gut, wenn wir alle einen kleinen Stein auf das Küchenbord legten, als Mahnung für uns und für die Kinder: Niemals Gewalt! "

Tausende griffen damals diese Anregung auf: Der Stein im Regal als Zeichen gegen Unrecht und Gewalt. 

Als Astrid Lindgren im Jahr 2002 starb, war sie 94 Jahre alt. Bestimmt bekommt sie es irgendwie mit, dass ihre Bücher nicht im Museum gelandet sind, sondern noch immer von Kindern verschlungen werden. Das wird ihr gut gefallen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Mikado | 29.01.2012 | 08:05 Uhr