Stand: 27.03.2019 16:24 Uhr

Die Rakete ins Vorgestern

Die USA wollen spätestens in fünf Jahren wieder Astronauten auf den Mond bringen. Das hat Vizepräsident Mike Pence jetzt angekündigt. Auf dem Mond landen? War das nicht gestern? Oder vorgestern? Und waren die bisherigen Mondlandungen überhaupt echt?

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Noch ganz weit weg: In fünf Jahren soll auf dem Mond wieder was los sein.

Ist es nicht toll davon zu lesen, dass die Amerikaner wieder vorangehen wollen und hoch ambitionierte Ziele verfolgen? Also jetzt kein Umweltschutz, Kampf gegen Klimawandel oder schärfere Waffengesetze - da muss man die Kirche im Dorf lassen.

Aber: Donald Trump will innerhalb der nächsten fünf Jahre auf den Mond. Mal ganz abgesehen davon, dass ihn da viele am liebsten schon morgen hin schießen würden, kommt mir diese Absicht irgendwie bekannt vor. Womöglich habe ich einen ähnlichen Satz aus dem Munde eines US-Präsidenten schon mal als Insasse unseres Kindergartens gehört, damals, als man in den USA befürchtete, dass Leonid Breschnjew auf seinem lunaren Grundstück mit Kraterblick als erster vom Nachthimmel grüßt.

Die Freiheitsstatue in New York, man sieht sie in der Siluette eines Vollmondes. © DPA Picture Alliance Foto: Julio Cortez

Wer ist der Nächste auf dem Mond?

NDR Info - Auf ein Wort -

Die USA wollen spätestens in fünf Jahren wieder Astronauten auf den Mond bringen. Detlev Gröning freut sich in der Glosse schon auf den nächsten "großen Schritt" für die Menschheit.

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Um derlei Peinlichkeit auszuschließen, landeten die Amerikaner vorsichtshalber gleich sechsmal auf dem Mond - was die Fake-News-Fetischisten allerdings bis heute nicht anficht: Von wegen Mond, das war ein geheimes Filmstudio in Arizona. Und wenn man sich im NASA-Museum den alten Blechbottich mit seinen Kippschaltern, Nixie-Röhren und Zeigerinstrumenten so anschaut, dann müsste eine digitale Terabyte-Generation doch längst die Jupitermonde unsicher machen, vom Mars ganz zu schweigen.

Darum freut sich der Donald jetzt auf eine verbriefte Mondlandung, die unter seiner Präsidentschaft jeden Zweifel ausräumt, und als fernes Vorhaben dennoch so antiquiert erscheint, als hätten die Portugiesen 50 Jahre nach Kolumbus gesagt: "Wir müssen dringend mal nach Amerika, bevor es die Österreicher tun."

An der Öffentlichkeitsarbeit müsste also intensiv gefeilt werden: Die Landung von Apollo 17 hatte im US-Fernsehen zuletzt 1972 eine Einschaltquote, die bei uns irgendwo zwischen "Telekolleg" und "Die schönsten Bahnstrecken" angesiedelt wäre.

Wichtiger als der nächste Beutel Mondgestein könnte Donald Trump erscheinen, das Lebensgefühl eines "Great America" der 1960er-Jahre zu rekonstruieren, als man den Acht-Zylinder-Chevy für 'nen Appel und 'nen Ei betankte und mit einem bärenstarken Dollar weltweit auf Schnäppchentour ging. Dazu kamen Truthahn, Vollbeschäftigung und Füße auf dem Tisch. In diesen Retro-Fantasien eingedenk besserer Zeiten darf natürlich auch eine Mondlandung nicht fehlen, für deren Dringlichkeit lediglich der Russe durch den Chinesen ersetzt werden muss. Die Mission könnte zwar teurer werden als der Kongress erlaubt, aber auf dem Mond herrscht ja immer Notstand.

Danach bitte ich um einen Besuch in unserer Bundeshauptstadt. "Ick bin ein Berliner" - den könnte ich auch gut mal wieder hören.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 27.03.2019 | 18:25 Uhr