Stand: 14.10.2019 17:09 Uhr

"Drei Fragezeichen" finden immer einen Ausweg

Die Krimi-Hörspielreihe "Die drei Fragezeichen" ist 40 Jahre alt geworden. Eigentlich für Kinder gedacht, aber auch Erwachsene hören die Abenteuer von Justus, Peter und Bob liebend gerne - oft schon seit ihrer Kindheit.

Eine Betrachtung von Daniel Kaiser, NDR 90,3

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Von ihnen kommen seit 40 Jahren die Stimmen der "Drei Fragezeichen": Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck (v.l.n.r.).

Darauf ist Verlass: Es ist immer alles wie früher. Wie in der ersten Folge "Der Superpapagei": Schlaumeier Justus Jonas mit seinen verschwurbelten Analysen. Peter Shaw mit aufgeregtem Zittern in der Stimme und der bedächtige Bob Andrews. Sie leben in einer Zeitblase.

Mit ihren markanten Stimmen spielen die drei Sprecher - Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich - seit Jahrzehnten 18-Jährige. Und das völlig glaubhaft. "Die drei Fragezeichen" sind Familie geworden. Und ihre Fälle sind wie Familiengeschichten, die man auch immer wieder hören kann.

Zahlreiche Kassetten der Hörspielserie "Die drei Fragezeichen" liegen neben einem Rekorder. © dpa Foto: Wolfram Kastl

Der Drei-Fragezeichen-Kult

NDR Info - Auf ein Wort -

Die Hörspielreihe "Die drei Fragezeichen" hat gerade ihren 40. Geburtstag gefeiert. Wie haben es Justus, Peter und Bob geschafft, Kult zu werden? Daniel Kaiser bittet auf ein Wort.

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Ein Stück heile Welt

Klingt ja erst einmal komisch, dass Erwachsene zum Einschlafen Kinderkassetten hören. Es ist ein Stück heile Welt, in die man sich per Knopfdruck beamen kann. Bewegend ist es, wenn Andreas Fröhlich vom Bundeswehrsoldaten in Afghanistan erzählt, der nach einem Kampfeinsatz zitternd auf dem Feldbett liegt und eine Folge hört, um sich zu beruhigen.  

Der Schrottplatz in Rocky Beach - irgendwo in Kalifornien - ist seit 40 Jahren ein Sehnsuchtsort. Weit genug weg, um sich dahin zu träumen. Der Erfolg der "Drei Fragezeichen" lebt auch von diesem Eskapismus.

Eine Metapher fürs Großwerden

Da können die Hörspiel-Konkurrenten von TKKG mit ihrem biederen, hiesigen Super-Realismus nicht mithalten. Viel zu nah das Ganze. Viel zu wahrscheinlich. Ein Geruch von Spießigkeit weht durch die Folgen. Auch die Geschichten von "Huibuh, dem Schlossgespenst" und Benjamin Blümchen taugen wirklich nicht zum Entertainment, das Netflix und der Arte-Mediathek auf Augenhöhe begegnen könnte.

Diese Kassetten auf dem Nachttisch würden bei Besuch eher Stirnrunzeln auslösen, während die Hörspiel-Cover der "Drei Fragezeichen" mit so viel pop-kulturellem Sexappeal aufgeladen sind, dass sie ohne Weiteres neben Grisham und Fitzek liegenbleiben können. Sie sind eben nicht infantil, sondern letztlich eine Metapher fürs Großwerden.

Eine logische Erklärung für alles

Seit 40 Jahren skandal- und weitgehend erotikfrei ermitteln die "Drei Fragezeichen" - das ist ja auch eine Leistung. Vor allem berühren sie in ihrer Zeitblase elementare Fragen des Erwachsenwerdens, mit denen man sich das ganze Leben lang rumschlagen muss.

In der komplizierten, überfordernden Unübersichtlichkeit zwischen schreienden Weckern, singenden Schlangen, tanzenden Teufeln und Aztekenschwerten, inmitten großer irrationaler Gefahren, finden die drei immer den Ausweg.

Die Geschichten sind ein Shuttle in das kleine Glück. Sie erzählen von einer unübersichtlichen Welt, die plötzlich ermittelbar wird. Alles hat eine logische Erklärung. Alles wird gut. Und auch wir leben ewig und bleiben immer jung. Wir, die vierten Detektive!

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 14.10.2019 | 18:25 Uhr