Stand: 12.11.2013 11:30 Uhr  | Archiv

Asbestalarm in Hamburger Hochhaus

von Mareike Burgschat & Jörg Hilbert

Im Hamburger Stadtteil Altona sind bei der Sanierung eines Hochhauses Asbestfasern freigesetzt worden, die krebserzeugend sind. Eine Gesundheitsgefahr für die Mieter, die nach wie vor in dem Haus wohnen, ist nicht auszuschließen.

VIDEO: Asbestalarm in Hamburger Hochhaus (7 Min)

Nach Recherchen von Panorama 3 wurden offenbar Baustoffe unsachgemäß entfernt. Seit Mai 2013 saniert der städtische Wohnungskonzern SAGA GWG als Eigentümer das Haus mit mehr als 130 Parteien. Wiederholt hatten sich Mieter darüber beschwert, dass bei den Bauarbeiten nicht mit der notwendigen Sorgfalt vorgegangen werde.

Proben zeigen Freisetzung von Asbestfasern

Bei der Sanierung eines Hamburger Hochhauses wurden Asbestfasern freigesetzt. © NDR
Um dieses Hochhaus in Altona geht es.

Sowohl SAGA GWG als auch das Amt für Arbeitsschutz hatten bisher stets betont, dass alle Arbeiten ordnungsgemäß ausgeführt worden seien. Proben aus dem Haus in der Eckernförder Straße widerlegen dies.

Ein von Panorama 3 beauftragtes Labor fand in drei von sechs Materialproben Asbestfasern. In einer Probe aus dem Treppenhaus wurde sogar Amphibolasbest nachgewiesen. Dieses gilt als besonders gefährlich. In zwei weiteren Proben vom Dachboden entdeckte das Labor Chrysotilasbest. Diese Proben stammen aus einem ebenfalls für Bewohner zugänglichen Bereich. Die Fasern wurden im Baustaub und in einer offenbar bei den Sanierungsarbeiten entfernten schwarzen Dichtmasse gefunden.

Experte findet Befunde besorgniserregend

Eindeutiger Laborbefund: Asbestfasern. © NDR
Eindeutiger Laborbefund: Asbestfasern.

Der Diplom-Ingenieur Peter Lippert vom beauftragten Labor Nutech in Neumünster ist besorgt. Es müsse nun mit entsprechenden Maßnahmen sichergestellt werden, dass keine Bewohner und keine Bauarbeiter gefährdet werden. Noch vor zwei Wochen hatte Sabine Eligehausen vom Amt für Arbeitsschutz gegenüber dem Umweltausschuss der Bezirksversammlung Altona erklärt, das Amt habe "keine wesentlichen Verstöße gegen Vorschriften feststellen können."

Weitere Asbestfunde

Ein Kinderwagen steht im Hausflur eines Hamburger Hochhauses, in dem Asbestfasern freigesetzt wurden. © NDR
Die Wanddämmung offen, daneben ein Kinderwagen: Der Hausflur des Hochhauses, in dem Asbestfasern freigesetzt wurden.

Panorama 3 Reporter machten allerdings noch einen weiteren Fund: Asbesthaltige Fensterbänke wurden nach dem Ausbau in Hausfluren unverpackt zwischengelagert. So können Asbestfasern im Haus verbreitet werden. Auf Nachfrage teilte die Gesundheitsbehörde mit, dem Amt für Arbeitsschutz seien im Zusammenhang mit der Sanierung "nur Arbeiten an asbesthaltigen Lüftungsrohren angezeigt worden." Man habe keine Hinweise auf den nicht ordnungsgemäßen Ausbau asbesthaltiger Fensterbänke.

Man nehme die Recherchen aber "zum Anlass, dies zu überprüfen." Die SAGA GWG teilte mit, alle Arbeiten mit Asbest seien dem Amt für Arbeitsschutz ordnungsgemäß gemeldet worden. Die von Panorama 3 genannten Belastungen seien nicht bekannt. Die SAGA GWG habe die "Ergebnisse der dafür zuständigen Entsorgungsfirma und den beteiligten Gewerken zur Überprüfung weitergeleitet."

Mieterverein: Behörden sollen endlich einschreiten

Asbesthaltiger Staub liegt frei zugänglich im Haus. © NDR
Asbesthaltiger Staub liegt frei zugänglich im Haus.

Wilfried Lehmpfuhl vom Mieterverein zu Hamburg will sich damit nicht zufrieden geben. Er vertritt die Interessen von Mietern des Hauses gegenüber der SAGA GWG. Lehmpfuhl sagt, ihm sei eine lückenlose Dokumentation, wo überall Asbest in dem Haus verbaut worden ist, von der SAGA verweigert worden. Nach den Asbestfunden will Lehmpfuhl "alle Schritte unternehmen, um gegenüber den Behörden zu erreichen, dass hier endlich eingegriffen wird".

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 12.11.2013 | 21:15 Uhr

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