Stand: 23.09.2019 13:02 Uhr

OECD-Studie: Metropolregion Hamburg schwächelt

Die Metropolregion Hamburg hat sich wirtschaftlich nur vergleichsweise schwach entwickelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am Montag in Seevetal vorgestellt wurde. Hamburg und seine Umlandkreise müssten deutlich besser zusammenarbeiten, um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen.

Köhlbrandbrücke aus der Vogelperspektive

Metropolregion Hamburg entwickelt sich zu schwach

Hamburg Journal -

Laut einer OECD-Studie bleibt die Metropolregion Hamburg wirtschaftlich hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die Experten empfehlen mehr grenzübergreifende Zusammenarbeit.

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Weniger Dynamik als in anderen Regionen

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Eine OECD-Studie zeigt: Im Vergleich mit anderen deutschen Regionen schneidet die Metropolregion Hamburg schlecht ab.

In ihrer Untersuchung vergleicht die OECD die Metropolregion Hamburg mit zehn weiteren in Deutschland. Bezüglich der Fläche ist sie nach der Region Berlin-Brandenburg die zweitgrößte. Mehr als 5,3 Millionen Menschen leben im Hamburger Großraum. Laut Studie sind sie jedoch nicht sonderlich produktiv. Die anderen deutschen Regionen verzeichnen laut OECD einen stärkeren Zuwachs an Arbeitsproduktivität.

Anteil an hohen Bildungsabschlüssen zu gering

So zeige die Metropolregion Hamburg das schwächste Wachstum beim Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt. Zwischen 2005 und 2015 stieg es nur um 19 Prozent. Zum Vergleich: In Berlin-Brandenburg und Mitteldeutschland stieg es um rund 40 Prozent. Der Grund dafür sei der relativ geringe Anteil an Bewohnern mit hohen Bildungsabschlüssen.

Empfehlung: Potenzial besser ausschöpfen

In der Studie bescheinigt die OECD der Metropolregion enorme Potenziale, nicht zuletzt wegen der guten strategischen Lage entlang des Handelskorridors nach Skandinavien. Sie empfiehlt den Akteuren in der Region dringend, die Zusammenarbeit zu intensivieren, in größeren Kategorien und über Grenzen hinaus zu denken und Kräfte und Finanzmittel zu bündeln.

"In größeren Kategorien denken"

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"Größer denken" - das empfiehlt OECD-Generalsekretär Schuknecht.

"Think big! In größeren Kategorien zu denken, grenzüberschreitend zu planen und zu kooperieren - darin liegt der Schlüssel, um die Metropolregion erfolgreicher, attraktiver und nachhaltiger zu gestalten", sagte der stellvertretende OECD-Generalsekretär Ludger Schuknecht, bei der Vorstellung der Studie.

Innovationsagentur vorgeschlagen

Die rund 200 Seiten starke Analyse gibt mehr als 50 Empfehlungen zu Innovation, Bildung und Fachkräfte, Digitalisierung, Wohnraum- und Verkehrsplanung, erneuerbare Energien sowie Kultur- und Tourismusmarketing. Vorgeschlagen wird unter anderem der Aufbau einer Innovationsagentur sowie für die Verkehrs-, Wohnungs- und Raumplanung ein regionaler Planungsverbund.

Rieckhof: Zusammenführen, was zusammenpasst

Der Vorsitzende des Regionsrates, Hamburgs Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD), erklärte, es wäre wichtig, aus den Innovationsstrategien der Länder zusammenzuführen, "was zusammenpasst" - vor allem im Bereich erneuerbare Energien. Dann hätte die Metropolregion die Chance Weltmarktführer in dem Bereich zu werden. Neue Gremien machen aus Rieckhofs Sicht jedoch nur Sinn, "wenn sie auch Beschlusskompetenz haben."

Weil setzt auf Windenergie

"Der OECD-Bericht bringt Stärken und Schwächen klar auf den Punkt", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). In Zeiten des Klimawandels gelte es vor allem Potenziale der Windenergie und der Wasserstoff-Technologie zu nutzen. "Wir müssen die Ökologisierung unserer Industrie vorantreiben, dann machen wir es richtig", sagte Weil. Auch bei der Digitalisierung gebe es "noch Luft nach oben". Ebenso müsse die Region beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur schneller vorankommen.

Die Hamburger CDU warf dem rot-grünen Senat vor, die Chancen der Zusammenarbeit im Norden zu verspielen. Die Hamburger FDP forderte, die Metropolgesellschaft müsse zu einer Innovationsagentur ausgebaut werden, große Tourismusprojekte fördern, eine gemeinsame Landesplanung und Ansiedlungspolitik betreiben sowie die Verbindungen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft stärken. "Nur so hat Hamburg die Chance, in Zukunft Boden gegenüber anderen Metropolregionen gutzumachen", meinte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Michael Kruse

Weitere Informationen
Link

OECD-Bericht zur Metropolregion Hamburg

Der OECD-Bericht untersucht die Metropolregion Hamburg unter dem Blickwinkel ihrer Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit. extern

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.09.2019 | 12:00 Uhr

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