
UNESCO-Weltkulturerbe und christlicher Geist
Das Schweriner Residenz-Ensemble aus dem 19. Jahrhundert ist nun UNESCO-Weltkulturerbe. Eine Erbe für eine bitterarme Stadt. Sarah Oltmanns sieht in dem Erbe die Aufgabe den christlichen Geist weiterzutragen und uns vielleicht sogar trauen, die soziale Verantwortung wieder anzunehmen, die Kirchen damals trugen.
Kultur ist nicht nur im Joghurt zu finden, sagt man ja so schön im Spaß, sondern nun auch in Schwerin, ganz offiziell, denn das Residenz-Ensemble aus dem 19. Jahrhundert ist nun UNESCO-Weltkulturerbe. Als es verkündet wurde, letzten Samstag, war ich neugierig und wollte wissen: Was passiert da gerade, in Schwerin, wie reagieren die Menschen, die ja nun geerbt haben?
Ich bin da also vorbeigeschlendert, am Schloss, und dachte, da stehen nun Menschen mit Sektflaschen und lassen die Korken knallen, aber nein, es war eigentlich wie immer: Busse haben Touristen ausgespuckt und ein Mann hat sich bemüht, Musik zu machen, auf der Brücke vor dem Schloss. Von den Erben keine Spur. Die sind entweder auf ihren Booten unterwegs, dachte ich mir, sind ja Ferien, oder zählen ihr letztes Geld, am Ende des Monates.
Schwerin ist nicht nur Schloss und Residenzensemble
Schwerin ist nämlich nicht nur Schloss und Residenzensemble. Schwerin ist auch bitterarm. Daher frage ich mich: was ist das für eine Kultur, die wir da geerbt haben und nun bewahren sollen und pflegen, wie sonst beim Erben auch, "im Sinne der Verstorbenen"?
Zum Weltkulturerbe gehören auch Kirchen dazu: im Schloss natürlich die Schlosskirche, der Dom, die Paulskirche, St. Nikolai. Ich verstehe das Erbe da so: dass wir auch diesen Geist weitertragen, den christlichen, und uns vielleicht sogar trauen, die soziale Verantwortung wieder anzunehmen, die Kirchen damals trugen, im 19.Jahrhundert, und uns fragen: Was können wir tun gegen Armut und Ungerechtigkeit, auch heute, in diesem goldglänzenden und zugleich versteckt bitterarmen Schwerin?