Stand: 15.03.2019 13:54 Uhr

Leben in den Trümmern: Syrer in Duma

von Anne Allmeling, Korrespondentin im ARD-Studio Kairo

Seit knapp einem Jahr kontrollieren die syrischen Regierungstruppen die Stadt Duma. In der völlig zerstörten Stadt ist von Wiederaufbau kaum etwas zu spüren oder zu sehen. Die wenigen Menschen, die noch hier wohnen, versuchen ihren Alltag zurückzugewinnen. Sie haben sich mit der Kriegskulisse arrangiert.

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Der Schmied Yassin ist froh, wieder arbeiten zu können.

Der Lärm aus der Schmiede dringt bis auf die Straße. Yassin und seine Brüder haben das Rollgitter hochgezogen, ihre Werkstatt grenzt an den Bürgersteig und gleicht einer Garage. An der Wand lehnen Spaten, ein paar Hämmer und Äxte hängen von der niedrigen Decke. Yassin und die anderen arbeiten an Schleifstein und Amboss. Das Geschäft laufe gut, sagt der Schmied, und fügt hinzu: Besser könne es kaum sein. "Wir haben alles, und Schritt für Schritt wird es noch besser. Jetzt haben wir wieder regelmäßig Strom."

Der Alltag kehrt langsam zurück

Regelmäßig Strom - für die Menschen in Duma ist allein das viel wert. Die Stadt, etwa 15 Kilometer östlich von Damaskus gelegen, ist komplett zerstört. Jahrelang lieferten sich hier bewaffnete Aufständische und Regierungstruppen heftige Gefechte. Tausende Menschen flohen aus der Stadt, viele kamen ums Leben.

Seit April 2018 kontrolliert die syrische Armee Duma. Kaum ein Haus ist noch intakt. Wo früher Fenster waren, klaffen riesige Lücken. Hauswände sind eingerissen, ganze Etagendecken hängen herab. Aber dort, wo wenigstens ein Erdgeschoss noch heil blieb, haben sich Händler niedergelassen. Einer verkauft Mandarinen und Kohl, ein anderer Minze und Thymian - frische Ernte aus der Umgebung.

"Während der Krise gab es gar keine Arbeit", erzählt Yassin, der Schmied, über die lange Zeit von Belagerung und Kämpfen. "Wir arbeiten mit den Bauern zusammen. In der Krise gab es nichts, aber jetzt bewirtschaften sie ihre Felder wieder."

Eine Straße mit zerstörten Häusern in Syrien © ARD Foto: Anne Allmeling

Syrien: Leben in den Trümmern

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Das alte Duma ist verschwunden

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In Duma ist kaum noch ein Haus intakt. Wo früher Fenster waren, klaffen riesige Lücken.

Eine Kundin, von Kopf bis Fuß verschleiert, kauft bei Yassin einen neuen Hammer. Es gibt viel zu tun für die, die in Duma geblieben sind. Die Straßen sind voller Schlaglöcher, die Bürgersteige kaputt, es riecht nach verbranntem Diesel. Ein paar Soldaten haben sich ein kleines Feuer unter einem Wellblechdach gemacht. Die Häusergerippe am Straßenrand lassen erahnen, wie schön Duma früher einmal gewesen sein muss. Wer etwas wiederaufbauen will, muss selber Hand anlegen. Dem syrischen Staat mangelt es an Geld. Seine Verbündeten Russland und Iran halten sich mit Aufbauhilfen zurück, der Westen ohnehin - aus politischen Gründen.

Normalität unter syrischer Beobachtung

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Viele Bewohner in Duma sind zuversichtlich, dass vieles wieder so wie vor dem Krieg wird.

Am Rande der Stadt hat vor Kurzem ein Café eröffnet: ein großes Plastikzelt mit ein paar Heizstrahlern, Tischen und Stühlen. Drei junge Paare haben sich in den Familienbereich zurückgezogen, rauchen Wasserpfeife, flüstern leise. "Ich habe in den vergangenen acht Jahren viel durchmachen müssen", erzählt einer von ihnen, der 22-jährige Qais. "Es war katastrophal. Aber nun - Gott sei Dank und dank der syrischen Armee - ist alles in Duma wieder so wie vorher. Und es wird noch viel, viel besser werden, solange Dr. Bashar Al-Assad an der Spitze dieses Landes ist." Qais sagt das, während ihn ein Mann vom Informationsministerium und weitere fünf Soldaten beim Interview beobachten.

Der Wunsch nach einem geregelten Leben

Qais Freundin Marwa ist froh darüber, dass in Duma nicht länger islamistische Extremisten das Sagen haben. "Das Leben ist schöner geworden. Wir haben alles. Es gibt wieder mehr Arbeitsmöglichkeiten - auch für mich als Frau. Ich kann wieder arbeiten, rausgehen oder sogar mein Studium beenden. Unter den Extremisten war es unmöglich, dass wir als Frauen irgendetwas machen."

Marwa wünscht sich, bald einen Job zu finden, um ihre Familie zu unterstützen, denn auch ihr Vater ist seit Jahren arbeitslos. Nur mithilfe von Freunden und Verwandten können sie sich über Wasser halten.

Das Bild zeigt zerstörte Häuser in der syrischen Stadt Aleppo. © picture alliance / Timur Abdullaev/NewsTeam/dpa Foto: Timur Abdullaev

Mit den Gedanken in der syrischen Heimat

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Vor acht Jahren begannen die Syrer gegen Präsident Assad zu protestieren. Eine nach Hamburg geflohene Familie verfolgt den bis heute andauernden Krieg in ihrem Heimatland täglich.

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Der zuversichtliche Pizza-Bäcker

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Auch eine kleine Bäckerei kann wieder betrieben werden, weil es wieder Mehl gibt.

In einem kleinen Geschäft an der Hauptstraße herrscht reger Betrieb. Ahmed macht keine Pause, während er spricht - er muss zusehen, dass die frisch gebackenen Teigtaschen und Mini-Pizzen schnell verpackt und verkauft werden. Seit vier Jahren arbeitet der junge Familienvater in der Bäckerei. "Früher war es sehr schwierig mit der Arbeit, wegen des Krieges und wegen des Beschusses. Außerdem gab es Mangel an Lebensmitteln wie Mehl, mit dem wir ja arbeiten. Auch andere Zutaten wie Fleisch und Käse fehlten, womit wir unser Geschäft machen. Jetzt ist es besser. Die Zutaten, die wir brauchen, sind nun gesichert."

Um die Ausgaben für seine Frau, seine drei kleinen Kinder und sich selbst zu decken, braucht Ahmed umgerechnet sechs Dollar pro Tag. Dafür arbeitet er jeden Tag acht bis zehn Stunden.

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