Stand: 23.02.2018 12:45 Uhr

Wie viele Jahre bleiben dem Dieselmotor noch?

Den Tag für eine Geburtstagsfeier kann man sich nicht aussuchen, auch wenn es manchmal nicht wirklich etwas zu feiern gibt. So ist das auch mit dem Dieselmotor, der vor 125 Jahren erfunden wurde. Aber mit seinem Ansehen steht es zurzeit nicht zum Besten.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Im MAN-Museum in Augsburg kann man den ersten Dieselmotor in voller Schönheit bewundern.

"Die Erfindung des Dieselmotors" - dieses Ereignis, womöglich auch noch mit einem Datum versehen, lässt uns ja fast zwangsläufig in den falschen Film laufen. Wir schreiben das Jahr 1893: Mit blutunterlaufenen Augen und der Gesichtsfarbe eines übernächtigten Tarifverhandlers dreht ein zerzauster Tüftler ein letztes Mal verzweifelt an der Handkurbel. Ein Zischen, ein Knall, vier tackernde Umdrehungen, noch ein Knall, und dann geschieht das Unglaubliche: Unter Schütteln und Beben kämpft sich ein öliges Eisenmonster aus den Niederungen des Drehmoments.

"Heureka", umtanzt Rudolf Diesel das lärmende Aggregat, "also, wenn mich nicht alles täuscht, dann habe ich soeben den Dieselmotor erfunden. Und dann heißt der auch noch genauso wie ich! Das kann doch kein Zufall sein. Jetzt fehlen nur noch Räder, Getriebe, Warndreieck und Verbandskasten - und dann ab damit auf die Automesse."

Ganz so war es nicht. Das ursprüngliche Ziel der Übung bestand in der Entwicklung einer "idealen Wärmekraftmaschine nach der Theorie des idealen Kreisprozesses".

Autoabgase aus einem Auspuff © Fotolia.com Foto: fotohansel

Der Dieselmotor läuft und läuft ...

NDR Info - Auf ein Wort -

Der Dieselmotor wurde vor 125 Jahren erfunden, aber zum Feiern ist nur wenigen zumute. Irgendwie läuft die Geschichte nicht mehr ganz rund. Detlev Gröning bittet auf ein Wort.

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Das klingt erst mal so gar nicht nach einem motorisierten Sonntagsausflug ins Grüne, zweitens spricht die Geschichte an dieser Stelle euphemistisch von "Rückschlägen", die den Erfindern nicht selten auch mal die ganze Werkstatt zerlegten.

Bei der Triebwerksentwicklung bedurfte es ja schon immer der Fähigkeit, sich rechtzeitig mit einem Hechtsprung ins Freie zu retten. Vor den rauchenden Trümmern ihres Technologiezentrums standen jetzt also ölgetränkte, rußgeschwärzte Ingenieure, die unter ihrem qualmenden Resthaar überlegten: "Nun gut, vielleicht lassen wir das mal lieber mit dem Petroleum und nehmen sowas wie, naja, wir nennen's erst mal Diesel. Da freut sich der Rudolf."

In der Tat steckt im Diesel ein enormes Arbeitspotenzial, in etwa vergleichbar mit der Energiedichte eines Reiner Calmund oder einer Parteitagsrede von Andrea Nahles.

Doch damals saßen die, die es zu allen Zeiten immer schon besser wissen wollten, hohnlachend auf den Kutschböcken ihrer Pferdegespanne "Das kann gar nicht klappen! Die Dieseltechnik ist unbeherrschbar, und falls doch: Wo soll denn der ganze Treibstoff herkommen, diese Mengen lassen sich doch gar nicht produzieren? Da bräuchte man ja überall Raffinerien, Tankstellen und befestigte Straßen. Wer soll die bauen? Und überhaupt: Für die Akkus haben wir gar nicht genügend Rohstoffe, das ganze Leitungsnetz ist eine Illusion, so viele Kraftwerke passen gar nicht auf den Planeten wie man Strom für Autos bräuchte ..."

Oh, pardon, Sie haben's gemerkt: Das war jetzt schon die Fortsetzung der Geschichte.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 23.02.2018 | 18:25 Uhr