Stand: 10.08.2018 14:48 Uhr

Trollwutgebiet an der Autobahn

Vermehrte Unfälle an der A2 in Niedersachsen - und zwar an einer ganz bestimmten Stelle. Diese Tatsachen hatten in der jüngsten Vergangenheit eine Elfenbeauftragte auf den Plan gerufen, die die vermeintliche Ursache für die Unfälle auf ihre ganz eigene Weise beseitigen wollte.

Eine Glosse von Detlev Gröning

Aus dem Skandinavien-Urlaub sind wir norddeutschen Naturwanderer ja mit Trollen und Kobolden durchaus vertraut. Je nach Inhalt der Feldflasche ist es hier mal eine Zauberfee, die einem auf einer norwegischen Lichtung drei Wünsche freistellt, dort ein übellauniger Zwerg, der einem auf Island den Weg versperrt. Doch mit Digitalisierung und Breitbandausbau sind die von Haus aus eher scheuen Wesen nun vom Unterholz in die Zivilisation vorgedrungen. Auf YouTube und Facebook turnen Trolle mittlerweile durch die Kommentarspalten wie damals der Gilb durch die Gardinen oder die Schleimmonster durch unsere Bronchien und gaukeln uns absurde Mehrheitsmeinungen vor.

Ein vom dänischen Künstler Thomas Dambo gefertigter Troll steht neben einer Autobahn, allerdings in den USA und nicht an der A2. © Daily Herald/AP Images Foto: Brian Hill

Übersinnliche Kräfte an der Autobahn

NDR Info - Auf ein Wort -

Führen Elfen oder Trolle an der Autobahn 2 zu vermehrten Unfällen? Fachpersonal hat das mal geprüft. Zu Recht, findet Detlev Gröning und bittet auf ein Wort.

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Wirken sie dort bisweilen noch ganz ulkig, so besteht inzwischen der Verdacht: Die Waldgeister 2.0 können noch ganz anders und unterhalten womöglich an der A2 zwischen Hannover und Braunschweig eine Filiale der Anarchie, vermutlich aus Protest gegen zunehmende Flächenversiegelung und Wildunfälle.

Mit unbekannten aber wirkungsvollen Zaubersprüchen gelingt es ihnen hier, garagengepflegte und stets peinlich genau gewartete litauische Lastwagen innerhalb weniger Kilometer in überladene Rostlauben zu verwandeln, für die man hierzulande den TÜV erfunden hätte - wenn es ihn nicht schon gäbe.

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Unterhalten Waldgeister an der A2 zwischen Hannover und Braunschweig eine Filiale der Anarchie?

Eine besondere Freude bereitet es den wütenden Kobolden offenbar, wohlsituiertes und top-ausgeruhtes osteuropäisches Speditionspersonal in den Schlaf zu singen und hinterher in deren Fahrtenschreibern herumzumalen. Immer dabei auch jener böse Digital-Gnom, der irgendjemandem bei 150 km/h auf der Autobahn zehn WhatsApp-Nachrichten im Sekundentakt schickt, die irgendwie unaufschiebbar klingen und umgehend geprüft werden müssen.

Klar, dass diesen smarten Wesen mit schnöder Polizeikontrolle, drakonischen Bußgeldern oder gar Tempolimits nicht beizukommen ist. Das wissen auch unsere Verkehrspolitiker, auf deren Bettkante jede Nacht ein stimmgewaltiger Reigen kleiner Wissmännchen im Kanon "freie Fahrt für freie Bürger" intoniert.  

So, und jetzt frage ich Sie: Was bleibt einem Landesbediensteten, der zum Drehen an der Temposchraube auf der Bundesautobahn unbefugt ist, anderes übrig als Schamanen und Spiritisten auf die Standspur zu stellen, um mit den spukhaften Saboteuren des Sicherheitsabstands ein klärendes Gespräch zu führen? Nee, der hat getan, was er konnte, außer vielleicht vor einer Dame zu warnen, die wir aus den Augen verloren haben: Was macht eigentlich die Zauberfee?

Nun, die verschenkt heute Dreier-BMWs an hunderttausendste Besucher irgendwelcher Webseiten. Nicht, dass Sie da beim Surfen auf dem Smartphone hektisch ihre Kontonummer eintragen; womöglich bei Tempo 200. Ich versichere Ihnen: Die Sache kann warten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 10.08.2018 | 18:25 Uhr