Stand: 17.07.2017 15:15 Uhr

Jetzt wird's schmutzig: "Tough Mudder"

Ein Hindernislauf durch Matsch, das ist der "Tough Mudder". In der Lüneburger Heide waren am Wochenende nach Angaben der Veranstalter mehr als 10.000 Teilnehmer dabei, die Strecke robbend, hangelnd, laufend, springend und tauchend zurückzulegen, so als Ausgleich zum Büroleben.

Eine Glosse von Ulrike Ufer, NDR Info

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Den Athleten ist vor dem Start klar gewesen: Das wird eine schmutzige Angelegenheit!

Schmutz & Dreck kennt der Bürohengst der Gegenwart ja nicht mehr von der matschigen Wiese, sondern nur noch aus der zwischenmenschlichen, verbalen Auseinandersetzung. Der Shitstorm im "Neuland" ist das Einzige, wo der Großstädter noch Kontakt mit irgendwas Anrüchigem hat. Umso willkommener war dann die Gelegenheit, sich auf einem Hof in der Südheide mal auf fast 20 Kilometern Strecke so richtig einzusauen. In schlammigen Kuhlen zu suhlen. Bis zur Designerbrille einzutauchen in den sabschigen Modder.

Unter Elektrozäunen hindurch

Warum aber bekamen die Athleten vor dem Start mit viel Pathos mit Plakafarbe eine mehrstellige Teilnehmer-Nummer auf die Stirn gepinselt? Einmal im Brackwasser unter dem ersten Zaun hindurchgetaucht und die Stirn ist frisch gepeelt. Auch die Wannen mit Eisgemansche und fettverschmierte Holzbalustraden machten bestimmt keine Kennzeichnung haltbarer. Aber vermutlich enthielt die Nummer ja auch einen Code für die jeweilige Blutgruppe des Sportlers - schließlich musste er ja auch unter Elektrozäunen hindurch. Wer wusste schon, ob da nicht doch irgendwo ein tollwütiges Rind oder ein blutrünstiges Pony auf ihn lauerte? Gefährlich, gefährlich - und wie alles, was irgendwie auf Fuchsjagd und Flachmänner zurückzuführen ist, liegt der Ursprung des Tough Mudder natürlich im exzentrischen England, der Heimat jedweder Sudelei.

Das Gesicht von Marco ist mit Schlamm bedeckt. © dpa - Bildfunk Fotograf: Philipp Schulze

"Tough Mudder": Jetzt wird's schmutzig

NDR Info -

Beim Hindernislauf Tough Mudder durch tiefen Matsch hat es in der Lüneburger Heide viele fröhliche Menschen auf einem Haufen gegeben. Ulrike Ufer bittet in ihrer Glosse auf ein Wort.

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Männerteams in rotem Bay-Watch-Einteiler!

Und wer postet nicht gerne von sich selbst Bilder, die der urbane Flaneur nur aus Rocky-Filmen kennt? Hangeln über Pfützen, Hechten durch Pfützen, voll auf die Fresse fallen in Pfützen - total toll! Zudem: In all dem glibschigen Elend in Oliv gibt es auch Gesten der reinen lauteren Mitmenschlichkeit - schließlich traten auch Teams bei dem Hindernislauf der Extreme an - und da erfuhr die bewährte Räuberleiter dann eine ungeahnte Renaissance. Manchem fehlt aber auch wieder der nötige heilige Ernst für diese Selbsterfahrung am Rand der Selbstverstümmelung. So trat einer mal mit rosa Schwimmflügelchen an; auch ganze Männerteams im roten Bay-Watch-Einteiler mit Rettungsboje in nämlicher Farbe unter dem Arm wurden schon gesichtet. Da mag sich mancher nicht ganz für voll genommen gefühlt haben, der gerade den feuchten Kies aus den Laufschuhen schüttelte.

Und worum es bei dem ganzen Matsch-Massaker wirklich ging, daraus machen die Veranstalter kein Geheimnis. Sie sagen lapidar: Traut Euch - auch wenn es am nächsten Tag zurück auf die Arbeit geht. Zumindest könnt Ihr dann im Büro mit Euren Wunden angeben.

"Tough Mudder": Der Weg ist das Ziel

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 17.07.2017 | 18:25 Uhr

mit Video

13.500 kämpfen sich durch Matsch und Eiswasser

Beim "Tough Mudder" sind in Hermannsburg am Wochenende rund 13.500 Teilnehmer durch Schlamm und Eiswasser gerobbt. Auch eine ordentliche Portion Strom konnte ihnen die Laune nicht verderben. mehr