Stand: 29.05.2019 16:31 Uhr

Italien, du wunderbare Gelddruckmaschine

Endlich sind mal wieder neue Euro-Banknoten im Umlauf - frisch gedruckt und in ganz Europa. Der neue 200-Euro-Schein wird in Italien gedruckt. Ein Grund zur Sorge?

Eine Glosse von Ocke Bandixen, NDR Info

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Geld fast ohne Ende in Italien. Das hat es so lange nicht gegeben.

Mandolinenmusik klimpert leise über die Pinienwipfel in die dunkle Seitengasse. Der Mond schaut weg. Und das ist wohl auch besser so. Luigi, genannt "Die Spritze", winkt mit seinem Zahnstocher den Männern zu. Einpacken. Alles. Si. Alle Scheine. Und alle Klischees. Si si.

Denn warum sollten auch nicht die 200-Euro-Scheine in Italien gedruckt werden? Vielleicht, weil wir alle zu viel "Allein gegen die Mafia" geguckt haben? Nein, nein, natürlich wird hier - in Sichtweite vom nächsten Aquädukt - gedruckt und im Hochsicherheitstrakt der Druckerei verpackt, was wir alle brauchen: Geld.

Der 200er ist nun nicht ganz so beliebt wie der 50er oder 20er. An manchen Tankstellenkassen begegnet man ja auch durchaus dem Schild, das anzeigt, dass genau dieser Schein nicht angenommen wird. Aber das macht seinen Wert ja ebenfalls nicht geringer.

Wenn die Klinge des Klappmessers herausschnellt

Mario, genannt "der Schneeschieber", säubert sich unterdessen mit der soeben herausgeschnellten Klinge seines Klappmessers die Fingernägel und murmelt in unsere Richtung: "Habe ich es dir nicht immer schon gesagt: Wir sind Freunde, und Freunden muss man vertrauen können. Denn wenn man das nicht kann, dann werden wir alle ganz traurig. Und das möchtest du doch nicht, nicht?" - Nein, Nein.

Nun, sicher, sicher. Und es ist ja auch nur zu unserem Besten, dass wir einen Teil dieser Glosse den freundlichen Männern überlassen, die uns im Grunde nur beschützen wollen, und die Sicht auf die Welt, die wir alle so gut kennen.

"Komm ein bisschen mit nach Italien ..."

Italien. Was soll man da als Deutscher schon sagen? "Komm ein bisschen mit nach Italien, komm ein bisschen mit ans blaue Meer." Caterina Valente säuselt immer noch irgendwo in unserem bundesdeutschen Gemüt, Al Bano grinst in die Sonne, und das alte Bahnschild - Inge Wenzel auf dem Weg nach Rimini -, wo, einige werden sich sicher noch erinnern, eine dauergewellte Mitvierzigerin schlafend im Nachtzug nach Italien abgebildet war, hängt im Hintergrund unseres Bewusstseins.

Das ist unser Italien - plus Sophia Loren, plus Capri-Eis und -Sonne, plus Pizzeria, wo auf karierter Tischdecke "Speziale" aufgetischt wird und ein lächelnder Patron nach dem Rechten sieht. Und irgendwo knattert ein Papagallo auf dem Motorroller durch die wäschebehangenen Gassen, während Paolo Conte seiner Stimme das Letzte abverlangt.

Sehnsuchtsvolle Melodien, roter Wein

Francesco, genannt "der Sparschäler", hebt die dunklen Augenbrauen. Wirklich? Das ist dein Bild von Italien? Nicht das der Betonfundamente, in denen manches Problem gelöst wird. Oder nicht das des immerwährenden Vendetta, des Schweigens, der Familienehre?

Nein, doch, natürlich. Si si. Das ist natürlich das Italien, das im Verborgenen schimmert, in den späten Filmen, in den sehnsuchtsvollen Melodien, auf dem Grund so mancher Flasche Lambrusco. Das gibt es natürlich auch.

Im Schein der spärlichen Beleuchtung

Marcello, genannt "die Plaudertasche", verzieht nur seine Miene, was allerdings im Halbschatten unter seinem Borsalino kaum so sehen ist. Aber hat das Herstellen der 200er-Banknoten nicht auch etwas von dem Geheimnisvollen, Verborgenen? Darin ist es dem Falschmünzen, dem Blütendrucken durchaus ähnlich. Im Schein der spärlichen Beleuchtung, irgendwo singt ein Pirol sein schmelzendes Lied. In einem der Öffentlichkeit unbekannten Gebäude wird von verschwiegenen Fachkräften aus extra angefertigtem Baumwollpapier mithilfe besonders angemischter Farbe gezaubert: Gold gewonnen, Geld gemacht. Sauber, sicher, ganz legal. Klar.

Silvio, genannt "der Blumenkönig", nimmt ein Bündel frische Scheine in die Hand und lässt den Fächer durch seine Hände rauschen. Danke. Gut gemacht. Um den Rest kümmern wir uns. Und du kannst gut schlafen.

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NDR Info | Auf ein Wort | 29.05.2019 | 18:25 Uhr