Stand: 14.08.2019 15:05 Uhr

Fleisch-Steuer wäre ein Globuli der Klimapolitik

Die Idee mit der höheren Steuer für Fleisch ist noch immer in der Debatte. Und könnte das nicht auch wirklich auch eine gute Idee sein, damit es vielleicht den Tieren besser geht und wir alle weniger Fleisch essen?

Eine Glosse von Florian Schroeder

Das Land der Kükenschredderer und Ferkelkastrierer entdeckt gerade seine Tierliebe: Der Chef des Tierschutzbundes möchte das Fleisch teurer machen - indem ab sofort 19 Prozent Mehrwertsteuer anfallen und nicht mehr nur sieben. Die Mehreinnahmen sollen dem Wohl der Tiere zu gute kommen. Das klingt so schön und einfach, wie es dumm ist. Denn wir haben ja keine Zweckbindung von Steuern. Leider nicht! Sonst würde ich verfügen, dass ein Großteil meiner Steuern genutzt wird als Abwrackprämie für sämtliche E-Scooter.

Ein in Streifen geschnittenes Steak liegt auf einem Küchenbrett. © NDR

Höhere Fleischsteuer - wirklich eine gute Idee?

NDR Info - Auf ein Wort -

Die Idee mit der höheren Steuer für Fleisch wird immer noch diskutiert. Könnte das nicht wirklich eine gute Idee sein? Nein, sagt der Kabarettist Florian Schroeder.

5 bei 3 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Ist Fleischessen ein Menschenrecht?

Jeder Deutsche verzehrt im Schnitt 60 Kilogramm Fleisch im Jahr. Bei vielen Zeitgenossen hat man aber das Gefühl: Fleischessen ist ein Menschenrecht - wie früher Alkohol am Steuer, Erdnussflips beim Fernsehen und Rauchen im Kinderzimmer. Geht es um das Klima, dann wäre eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch ungefähr so sinnvoll, wie in den USA eine höhere Mehrwertsteuer auf Sturmgewehre um Schießereien zu vermeiden.

Tatsächlich geht der Fleischkonsum in den vergangenen Jahren leicht zurück. Gleichzeitig steigt die Produktion aber weiter an: In den vergangenen 20 Jahren von 3,6 Millionen auf 5,6 Millionen Tonnen. Jedes dritte Schwein hierzulande wird übrigens von Schalke-Chef Clemens Tönnies und seiner Firma geschlachtet. Umso verblüffender, dass er verhindern will, dass die Afrikaner nachts im Dunkeln viele kleine dunkle Kinder machen. Ich meine, damit nimmt er sich doch selbst zukünftige Kunden.

Wegen seines billigen Spruchs, der noch billiger ist als sein Fleisch, muss Tönnies jetzt auch drei Monate als Aufsichtsrats-Chef von Schalke 04 pausieren. Vielen ist das zu kurz, ihm zu lang: Drei Monate - in seiner Zeitrechnung ist das ein halbes Mastschwein-Leben.

Ruhezeiten beim Horror-Transport

Bild vergrößern
Notwendige Maßnahme: Die Verbesserung von Tiertransporten.

Am Leid der Tiere ändert eine höhere Fleisch-Mehrwertsteuer also gar nichts. Das wäre nur sowas wie ein Globuli der Klimapolitik: Nutzt nix, aber man fühlt sich danach besser. Wollte man wirklich den Tieren helfen und das Fleisch verteuern, müsste man ganz anders ansetzen: Beim Tiertransport zum Beispiel. Schweine und Pferde dürfen ganze 24 Stunden am Stück über europäische Straßen gekarrt werden, Rinder, Schafe und Ziegen 14 Stunden lang, dann genügt eine Stunde Ruhezeit vor den nächsten 14 Stunden Horror-Transport.

Landwirtschaftsministerin Klöckner will Schweinen jetzt 20 Prozent mehr Platz im Stall geben - das sind aber nur ein paar Quadratzentimeter. Ich kann nur warnen: Diese Maßnahmen sind Wasser auf die Mühlen der AfD! Wenn man nämlich einmal die Bedingungen von diesen Viechern wirklich verbessert, dann kommen ja nur noch viel mehr von denen und wollen unter noch besseren Bedingungen hier noch länger leben. Und am Ende werden die deutschen Schweine noch durch arabische ersetzt. Und das kann nun wirklich keiner wollen.

Weitere Informationen

Auf ein Wort

Aktuelle Themen des Zeitgeschehens werden montags bis freitags auf NDR Info in der Glosse "Auf ein Wort" mit einem Augenzwinkern humorvoll-feuilletonistisch beleuchtet. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 14.08.2019 | 18:25 Uhr