Stand: 18.02.2019 16:28 Uhr

Daumen drücken für die Fahrprüfung

Immer mehr Führerscheinanwärter fallen durch die Prüfungen. Wenn nicht schon durch die theoretische, dann durch die praktische. Es wird ja auch immer komplexer, im dichter werdenden Verkehr die Übersicht zu behalten und alle Regeln genau einzuhalten. Und wenn man das dann versucht, wird man von anderen auch noch als Verkehrshindernis wahrgenommen und zusätzlich irritiert.

Eine Glosse von Detlev Gröning

Im ruckeligen Alltagsverkehr neigt man ja gelegentlich etwas unsensibel zur Erteilung wohlgemeinter Ratschläge: "Gib mal Gummi da vorne, das Leben ist kurz!", hatte ich den Vordermann mit trommelnden Fingern auf dem Lenkrad angemahnt - nicht ahnend, dass vor mir jemand in einer der längsten Stunden seines Lebens gefangen ist.

Dabei gab es untrügliche Anzeichen einer akuten Notlage beim Fahrzeugführer: Beide Hände am Steuer, zittrige 45 Stundenkilometer in Schleifdistanz zum Bordstein - jede Abweichung davon wurde gnadenlos links angeblinkt -, der Kopf bewegte sich zwischen den Rückspiegeln wie bei einem Erdmännchen auf Greifvogelwache, und wie sich an der nächsten Kreuzung herausstellte: Auf dem Rücksitz dürstete es einen Büroanzug mit Klemmbrett im Anschlag nach Fehlern. Eine emotionale Krisensituation, in der man sich nach Recht und Gesetz eigentlich nicht ans Steuer setzen darf.

Der Tacho in einem Ford Mustang. © NDR Foto: Oliver Gressieker

Der Feind auf meinem Rücksitz

NDR Info - Auf ein Wort -

Wer trägt die Schuld daran, dass so viele Fahrschüler durch die theoretische oder praktische Führerschein-Prüfung fallen? Detlev Gröning bittet auf ein Wort.

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Ziel der Übung ist eine lupenrein ausgeführte Prüfungsfahrt, eine Tour de Peur, die jede grüne Welle zunichtemacht und den völligen Zusammenbruch des Innenstadtverkehrs heraufbeschwören würde, wenn sich die anderen Verkehrsteilnehmer an dieser fundamentalistischen Auslegung der Straßenverkehrsordnung ein Beispiel nähmen.

Als routinierte Kurvenschneider und Dunkelgelb-Beschleuniger würden wir alten Hasen und Häsinnen der Pendlerpiste spätestens nach 500 Metern Prüfungsfahrt in eine endgültige Parkposition befohlen. Bis dahin haben wir mindestens eine durchgezogene Linie gekreuzt oder in einem rechts-vor-links-gespickten Wohngebiet die bevorrechtigte Einmündung für eine private Garagenzufahrt gehalten. Danke, das war's!

Sie haben recht: Diese Fahrt hätte gar nicht erst stattgefunden. Wir wären ja schon bei der Theorie durchgerasselt. Ich sage nur: Innenstadt-Kreuzung mit abknickender Vorfahrt; in den Hauptrollen eine Straßenbahn, ein handgezogener Bollerwagen, ein Rollstuhl, ein Mähdrescher mit Überbreite, ein Fahrrad und mitten im Getöse auch noch eine Mutter mit Kinderwagen. Jetzt ist guter Rat teuer. "Ich schaue mal in die Runde, und dann werden wir uns schon einig", wird als praxisnahe Lösung leider nicht angeboten.

Nach 38 Fehlerpunkten auf dem Prüfungsbogen meiner Nichte kann ich den jungen Leuten bei der Theorie nur zu maximaler Defensive raten. Lasst euch selbst von der trockenen, horizontgeraden Landstraße nicht in die Sorglosigkeit locken: "Jederzeit könnte eine Giraffenherde kreuzen oder ein Meteorit einschlagen. Ich halte mich bremsbereit." Jawoll, und Kreuz dran!

Während der praktischen Prüfung kann ich wenigstens von außen ein Zeichen der Solidarität setzen: Beim scharfen Überholvorgang aufmunternd hupen und aus dem Seitenfenster sichtbar die Daumen drücken. In Gedanken bin ich bei euch!

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 18.02.2019 | 18:25 Uhr