Stand: 20.05.2019 14:38 Uhr

Aachen braucht wirklich keine Prinzessinnen!

Der Aachener Karnevalsverein (AKV) will darüber entscheiden, ob in Zukunft auch Frauen Mitglied werden dürfen. 160 Jahre nach seiner Gründung müsste der bisherige reine Männerverein die Vereinssatzung ändern. Eine wahrlich schwierige Angelegenheit.

Eine Glosse von Regina König, NDR Info

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Ist es mit dem Spaß vorbei, wenn Frauen erst einmal die Herrschaft übernommen haben?

Es gibt Brauchtum und Traditionen, die wirklich erhaltenswert sind: Weihnachtslieder singen, ritterliche Männer, die Frauen Türen aufhalten und den Reifen wechseln, Respekt vor Alter und Weisheit, Vater und Mutter ehren und so weiter ...

Dazu gehört auch, wie ich finde, dass Frauen von Karnevalsvereinen ferngehalten werden müssen. Liebe Aachener Jecken, ich appelliere an euch: Bitte, bitte stimmt dagegen, dass nach gut eineinhalb Jahrhunderten Jeckinnen in eurem Verein aufgenommen werden! Erst einmal finde ich, Männer müssen auch mal unter sich sein können - genau wie Frauen. Weshalb ich es gleichermaßen unmöglich finde, dass der Hamburger Ruderinnen-Club jetzt männliche Mitglieder aufnimmt, weil ihm sonst das Finanzamt die Gemeinnützigkeit aberkennt. Oh, nee!

Die Karnevalskappe des Aachener Karnevalsvereins in Großaufnahme. © dpa picture alliance Foto: Henning Kaiser

Bitte keine Prinzessinnen!

NDR Info - Auf ein Wort -

Der Aachener Karnevalsverein will eventuell Frauen als Mitglieder aufnehmen. Das muss doch nicht sein, meint Regina König in ihrer Glosse. Ein bisschen Ruhe tue auch mal ganz gut.

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Welche Frau will das denn?

Außerdem gibt es einfach Bastionen, die Männern vorbehalten bleiben müssen, und Frauen haben bekanntlich ohnehin keinen Humor, jedenfalls nicht solchen. Der rheinische Frohsinn an Fastelovvend gefällt eben nicht jeder.

Das Zusammenhocken in geschmacksverirrten Kostümen mit lächerlichen Kopfbedeckungen - hahnenkammartige Narrenkappen mit meterlangen Federn vermutlich geschützter Vogelarten - in weinschwüler Atmosphäre: Welche Frau will das denn? Und dann noch unter Absingen eigenartiger Lieder wie zum Beispiel "Ich hab' drei Haare auf der Brust" (kein schöner Text, finde ich) oder "Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädche" (ich bitte die Aussprache zu entschuldigen). Humba Täterä und Tschingderassabum, sage ich da nur!

Dazu kommt: Reißt man Brauchtum und Tradition an der einen Seite ein, droht der Einsturz des ganzen Gebäudes! Und wenn Frauen erst einmal die Herrschaft übernommen haben, ist es mit dem Spaß vorbei. Ich weiß, wovon ich rede.

Ist der Mann im Verein, hat die Frau endlich mal Ruhe

Zurück zu den Jecken: Bis jetzt gab es in Aachen nur Prinzen. Nicht Printen, Prinzen! Alwin I., Manfred II., Herbert III., Rolf IV. - großartige, gestandene Mannsbilder, wenngleich durch die Verkleidung etwas entstellt. Womöglich sollen dann demnächst auch noch Prinzessinnen oder gleich Königinnen die eindrucksvolle Ahnengalerie bevölkern. Davon gibt es, liebe Hörerinnen und Hörer, schon mehr als genug: Wein-, Mai-, Tulpen-, Hopfen, Kohl-Königinnen und -Prinzessinnen - und so weiter ... Von den Funkenmariechen ganz zu schweigen.

Es heißt zwar die Vereinsmeierei. Nach einer privaten, repräsentativen Umfrage sind die meisten Vereinsmeier jedoch Männer. Die Frauen backen Kuchen, kochen Kaffee und waschen die stinkigen Sportklamotten. Können sie ja auch, steht ja jeder frei. Ich sage jedoch immer, ist der Mann im Verein, hat die Frau endlich mal ein paar Stunden Ruhe. Tusch und Alaaf!

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 20.05.2019 | 18:25 Uhr