Stand: 04.02.2019 00:01 Uhr

Wie Facebook die Welt verändert hat

von Martin Motzkau, NDR Info

Facebook kann auf eine 15-jährige Geschichte zurückblicken. Anfang 2004 entwickelte Mark Zuckerberg mit drei Studienfreunden eine Plattform mit dem Namen thefacebook.com. Auf ihr konnten sich Studenten vorstellen und Kontakte knüpfen. Die Website wurde rasch populär - der einmalige Siegeszug von Facebook begann. Aber die kritischen Stimmen sind zuletzt lauter geworden.

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist weiterhin das wichtigste Gesicht des Netzwerk-Giganten.

Ein Online-Verzeichnis, das Menschen zwischen Universitäten und Hochschulen verbindet. So beschreibt der 19 Jahre alte Harvard-Student Mark Zuckerberg "Thefacebook" vor 15 Jahren. Das Prinzip ist ganz einfach: anmelden, Profil erstellen und den anderen Nutzern Informationen über sich mitteilen. Schon nach wenigen Wochen haben sich 100.000 Studenten angemeldet. Und es werden immer mehr.

Mehr als eine Milliarde Nutzer weltweit

Wer weiß, wohin die Reise geht? Diese Frage konnte Zuckerberg im ersten Fernseh-Interview mit CNBC im Jahr 2004 auch nicht beantworten. Heute muss Zuckerberg das soziale Netzwerk niemandem mehr erklären. Rund 1,5 Milliarden Menschen weltweit nutzen das Portal täglich. Sie posten Bilder, Geschichten und verfolgen im Livestream, was auf der Welt passiert. In Deutschland besuchen täglich 24 Millionen Menschen Facebook.

Entscheidend für den Siegeszug: der Newsfeed

"Niemand wäre vor 15 Jahren auf die Idee gekommen, sich auszumalen, was für eine globale Bedeutung Facebook 15 Jahre später haben würde," meint Christian Stöcker von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Für den Medienwissenschaftler ist besonders die Einführung des Newsfeeds - also das System, nach dem den Nutzern Inhalte auf der Plattform angezeigt werden - eine der wichtigsten Entwicklungen bei Facebook: "Das sehen wir jetzt überall. Die sozialen Medien funktionieren alle mit diesem Grundprinzip eines sich permanent wandelnden Echtzeit-Mediums. Das ist der Standard", sagt Stöcker.

Mehrere Datenskandale schadeten dem Image

Standards hat Facebook viele gesetzt und dabei Milliarden Adressen, Telefonnummern und Informationen eingesammelt. Und genau da liegt das Problem: der Datenschutz. Das zeigt auch der Skandal aus dem Jahr 2018 um die Analysefirma Cambridge Analytica, die Persönlichkeitsprofile illegal ausgewertet hat. Trotz großangelegter Kampagne mit Anzeigen und Plakaten an Bushaltestellen konnte Facebook das verloren gegangene Vertrauen bisher nicht wiederherstellen.

Attraktive Häppchen für Werbetreibende

Stattdessen kamen im zurückliegenden Jahr weitere Datenskandale hinzu. Die anhaltende Kritik im Umgang mit Falschmeldungen und Hassnachrichten machen es für das Unternehmen nicht leichter. "Solange es das Geschäftsmodell von Facebook ist, die Aufmerksamkeit seiner Nutzer in für Werbetreibende attraktive Häppchen zu verpacken und weiterzuverkaufen, wird es zwangsläufig ein Spannungsfeld geben zwischen dem Datenhunger und dem Umgang mit den Daten, den das Unternehmen hat, und dem, was die Öffentlichkeit sich wünschen würde", sagt Stöcker.

 

Weitere Informationen
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Facebook-Datenskandal: Wie alles begann

Private Daten für politische Zwecke missbraucht - der Facebook-Skandal zeigt, wie viel bei sozialen Netzwerken im Argen liegt. Tagesschau.de listet auf, wie alles begann. extern

Was Zuckerberg als nächstes vorhat

Für 2019 hat Facebook Besserung gelobt. Das soziale Netzwerk stellt zusätzliches Personal ein, um stärker gegen Falschnachrichten vorzugehen, verspricht mehr Transparenz bei Wahlwerbung und will enger mit Behörden zusammenarbeiten.
Doch die Ankündigung, die Chat-Funktionen von Facebook, WhatsApp und Instagram zusammenzuführen, wirft kritische Fragen mit Blick auf Datenschutz und Wettbewerb auf, meint auch Medienforscher Stöcker: "Wenn WhatsApp und Instagram-Messaging und Facebook-Messaging alles eins ist, dann ist da einfachere für den Regulierer leicht durchsetzbare Spaltung schwieriger." Das heißt: Eine Zerschlagung des Online-Giganten, wie es Kritiker immer wieder fordern, dürfte dann noch unwahrscheinlicher werden. Facebook könnte seine Marktmacht dafür weiter ausbauen.

Wie das soziale Netzwerk auf die bestehenden Probleme reagiert und sich weiterentwickelt, will Stöcker nicht voraussagen. Dafür sei die Entwicklung zu rasant. Wie Mark Zuckerberg schon vor 15 Jahren sagte: "Who knows where we're going next?" Wer weiß, wohin die Reise geht?

Das Logo von Facebook spiegelt sich auf einem Smartphone, das auf der Tastatur eines Laptops liegt. © picture alliance / Dominic Lipinski/PA Wire/dpa Foto: Dominic Lipinski

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Rund 2,2 Milliarden Nutzer loggen sich mindestens einmal pro Monat bei Facebook ein. Das Netzwerk erreicht seine Nutzer ganz gezielt: mit Werbung, aber auch mit Meinungen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 04.02.2019 | 09:08 Uhr