Stand: 13.12.2016 09:48 Uhr  | Archiv

Palliativpflege: Im Sterben sind alle gleich

von Anne Ruprecht

Sven Goldbach ist seit zehn Jahren Palliativpfleger in Hamburg. Und er ist es gerne. Denn er möchte, dass die Menschen in ihrer gewohnten Umgebung schmerzfrei und zufrieden sterben können. "Sterben ist niemals schön, und auch der Tod ist wahrscheinlich niemals toll. Aber es kann gut gestaltet werden, und das ist auch das Ziel, was ich auch in meinem Beruf nach wie vor sehe. Dass man das letzte Stück Leben, was ein Mensch hat, so gut gestalten kann, dass man gut von dieser Welt gehen kann."

Sven Goldbach arbeitet als Palliativpfleger.

Palliativpfleger: Im Sterben sind alle gleich

Panorama 3 -

Sterben ist wohl niemals leicht, aber Menschen wie Sven Goldbach ermöglichen es Schwerkranken, ihre Würde zu behalten. Seit zehn Jahren ist er Palliativpfleger in Hamburg.

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Im Sterben sind alle Menschen gleich

Und dabei hat er es mit den unterschiedlichsten Welten zu tun, vom Nobelviertel bis zu den dunkelsten Ecken Hamburgs, er war bei Prominenten und bei Nicht-Prominenten, bei Menschen mit hoher und bei Menschen mit wenig Bildung. Am Ende aber, sagt Sven Goldbach, sind die Menschen im Sterben alle gleich. "Der Tod macht wirklich keinen Unterschied. Das ist, was uns alle verbindet."  

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Ob auf der Reeperbahn oder in Winterhude, Sven Goldbachs Patienten leben in ganz Hamburg verteilt.

Früher hat er auf der Intensivstation gearbeitet, es aber irgendwann nicht mehr ausgehalten: "Sterben war nicht erwünscht, das Sterben war nicht Bestandteil der Intensivmedizin. Intensivmedizin ist Hightech-Medizin - mit Monitoren, mit Beatmungsgeräten, und da soll man nicht sterben, da soll man gefälligst am Leben bleiben. Wenn ich an Situationen zurückdenke: Man hat nicht die Hand des Patienten gehalten, wenn er stirbt. Man hat auf den Monitor geguckt, bis die Null-Linie da war, um die Geräte auszustellen, damit der Alarm nicht so laut war."

"Das Leben geht weiter"

"Ich gehe raus aus der Wohnung, stehe in St. Pauli und atme tief durch und denke: Das ist jetzt das Leben!", erzählt Goldbach. "Das Leben geht weiter, die Menschen sterben, aber es wird im Prinzip vor der Haustür weiter gelebt. Und ich glaube, man muss sich einfach in den beiden Welten, in der ich arbeite, und in der ich lebe, zurechtfinden und sagen: Das gehört beides dazu. Das ist das Arrangement, das wir Menschen haben: dass wir sterben, feiern, leben, trauern. Das ist Leben. Das gehört alles ein Stück dazu."

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 13.12.2016 | 23:15 Uhr